Frage von Downhillgirl03, 212

Abschiedsbrief an die Familie/Freunde schreiben, bevor man sich umbringt?

Würdet ihr einen Abschiedsbrief an euere Familie oder Freunde schreiben, wenn ihr euch umbringt?
Bzw.
Würdet ihr es besser finden, wenn derjenige der sich umbringt einen Abschiedsbrief hinterlässt oder nicht?!

Lg Lou

Support

Liebe/r Downhillgirl03,

Du solltest Dir zusätzlich zu der Hilfe hier auf unserer Plattform auch noch Hilfe von außen holen. Es ist wichtig, eine Vertrauensperson zu haben, mit der man auch „in real“ darüber sprechen kann. Scheue Dich also nicht, nach noch weiterer Unterstützung zu fragen. Das kann ein guter Freund, ein Verwandter oder auch eine Vertrauensperson sein. Überregional kannst Du Dich immer auch an die Telefonseelsorge unter 0800-1110111 oder 0800-1110222 oder im Chat auf www.telefonseelsorge.de wenden.

Herzliche Grüße

Renee vom gutefrage.net-Support

Antwort
von JTKirk2000, 68

Um die Fragen zu beantworten:

Würdet ihr einen Abschiedsbrief an euere Familie oder Freunde schreiben, wenn ihr euch umbringt?

Ich war einmal selbst in einer Phase, in der ich mich fast umgebracht hätte. Ich hatte mich sogar entsprechend darauf vorbereitet, mich an einem bestimmten Tag umzubringen, den ich mir als Ultimatum gesetzt hatte, nur erhielt ich vorher ein Zeichen der Hoffnung und Geduld. 

Allerdings hatte ich mich nicht nur ordentlich mit Schlaftabletten eingedeckt (durch eine hundertfache Überdosis wollte ich damals abtreten), sondern auch einen Abschiedsbrief geschrieben.

Würdet ihr es besser finden, wenn derjenige der sich umbringt einen Abschiedsbrief hinterlässt oder nicht?!

Ich glaube nicht, dass es hier eine allgemeingültige Antwort geben kann. Sowohl diejenigen die man zurücklässt sehen dies von Person zu Person unterschiedlich, als auch jeder geschriebene Abschiedsbrief sieht wohl anders aus. Der eine mag wie ein Testament verfasst sein und kaum etwas persönliches enthalten, während es bei einem anderen genau umgekehrt ist. Der eine persönlich gehaltene mag Vorwürfe gegen Andere richten und der nächste zeigt nur auf, wie sehr man zum Ende hin insgeheim entweder nach Hilfe gesucht oder nur auf ein Ende gehofft hat. Ein Abschiedsbrief kann also helfen, muss es aber nicht. Manch ein Abschiedsbrief macht es nicht besser für die Hinterbliebenen, sondern unnötig schlimmer, insbesondere in der Tragik eines Abschiedes.

Die Frage, die Du nicht gestellt hast, ist eher wichtiger:

Ist es eher hilfreich sich umzubringen und einen Abschiedsbrief zu schreiben oder, falls es nicht anders möglich ist, einen Hilferuf schriftlich zu verfassen?

Letzteres ist auf jeden Fall besser. In einer Phase der Selbstmordgefährdung, hat wohl sicher nicht jeder das Glück, wie ich es hatte, vor dem selbstgewählten Ultimatum ein Zeichen der Hoffnung zu erleben. Anstatt eines Abschiedsbriefes sollte man, wenn es einem nicht anders möglich ist, eher einen schriftlichen Hilferuf verfassen, diesen weniger für andere, als vielmehr für sich zu schreiben und darüber nachzudenken, mit einer Vertrauensperson darüber zu reden, oder gar diese Vertrauensperson diesen Hilferuf lesen zu lassen, um bestenfalls zu einer besseren, positiveren Perspektive zu gelangen. Das muss nicht gleich bedeuten, dass man alle Hoffnungslosigkeit in Bezug auf das eigene gegenwärtige Leben überwindet, oder alle Hoffnung auf hoffentlich ist es bald vorbei oder auf eine Glaubensvorstellung auf ein wie auch immer geartetes Leben nach dem Tod und ebenso wenig muss es bedeutet, alles aufzugeben, was einem geistig (noch) wichtig ist, sondern es kann vielmehr bedeuten, dass man trotz allem, was einem irgendwo wichtig ist und worauf man hofft, einem doch noch eine weitere Hoffnung durch eine positivere Perspektive gibt, und dann die Selbstmordgefährdung vielleicht sogar ohne eine professionelle psychiatrische Behandlung überwinden kann, so wie es auch bei mir - nicht durch einen guten Freund oder eine Vertrauensperson, wohl aber durch ein ebenso starkes positives Zeichen - geschehen ist, welches mir in Bezug auf mein jetziges Leben eine neue Hoffnung gab.

Abschiedsbrief an die Familie/Freunde schreiben, bevor man sich umbringt?

Etwas zu schreiben um den eigenen Gefühlen seinen Lauf zu lassen, schadet nicht, denn das kann viel besser ein Hilferuf, anstatt ein Abschiedsbrief sein, aber schreibe dies dann nicht als einen Abschiedsbrief sondern als einen Hilferuf und entweder Du findest von Dir aus die Kraft, wieder mehr Hoffnung in Deinem Leben zu finden, indem Du lernst, wieder auf positive Dinge in Deinem Leben zu achten, wie einen schönen Sonnenauf- oder -untergang, das Singen der Vögel, kleine Erfolgserlebnisse, die Freundlichkeit anderer, die Dir begegnen ... oder Du unterhältst Dich mit einer Vertrauensperson und nimmst für den Fall der Fälle diesen schriftlichen Hilferuf mit, falls es Dir schwer fällt darüber zu reden. Es gibt immer Möglichkeiten, schwierige Phasen zu überwinden - und mehr als Phasen sind es auch nicht. Man muss es nur versuchen, sie zu überwinden. Es gibt kaum einen Fall, wo man nicht die Kraft hat, diese schwere Zeit aus eigener Kraft zu überwinden. Oft geben die Leute nur auf, weil sie sich diese Kraft einfach nicht selbst zutrauen oder es gar nicht erst versuchen. Aber so ziemlich jeder hat die Kraft, eine solche Phase zu überwinden. 

Ich schreibe dies als jemand, der in der Tat eine starke, eine äußerst starke Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod hat, und eine Liebe, die einem wichtiger ist, als das eigene Leben, trotz allem was vielleicht erreichbar erscheint, wenn man mehr Furcht und Zweifel überwindet, als es vernünftig erscheint, und dennoch, obwohl es sich bei mir nicht nur um eine Hoffnungslosigkeit in Bezug auf mein gegenwärtiges Leben handelt, sondern um eine besonders starke Hoffnung in Bezug auf ein Leben nach dem Tod, fand ich durch ein persönliches Zeichen die Kraft, die in mir war und ist, diese Phase der Selbstmordgefährdung zu überwinden. Wenn es bei jemandem, bei dem es so schlimm war, wie bei mir, glaube ich, dass es durchaus so ziemlich jedem möglich ist, diese Kraft in sich selbst zu finden, neue Hoffnung in seinem Leben zu finden, und zumindest diese Phase der Selbstmordgefährdung zu überwinden, wenn man sich nur selbst die Chance gibt, dies so lange zu versuchen, bis man es tatsächlich geschafft hat. Es ist sicher alles andere als einfach, aber es ist möglich, wenn man sich nur die Chance lässt.

Wie schon "Morgan le Fay" verkleidet als "Merlin" in "Stargate - Die Quelle der Wahrheit" sagte: "Gib nicht auf. Du hast die Kraft in Dir." 

Kommentar von Downhillgirl03 ,

Ich habe niemanden mehr, dem ich vertraue.
Ich habe alle Hoffnung verloren und keine Kraft mehr, nach 4 Monaten kämpfen.
Ich denke mal, dass ich es in der nächsten Zeit beenden werde.
Lg Lou

Kommentar von JTKirk2000 ,

Ich habe niemanden mehr, dem ich vertraue.

Ich kenne in meinem Leben niemandem, dem ich alles verständlich machen könnte, was mir insbesondere auf eine Hoffnung in Bezug auf ein Leben nach dem Tod wichtig ist. Ich denke, dass dies im Endeffekt dem nahe kommt.

Ich habe alle Hoffnung verloren und keine Kraft mehr, nach 4 Monaten kämpfen.

Das Gefühl hatte ich auch schon, aber ich habe es trotzdem geschafft, und ich war Jahre in einer so schwierigen Phase. Man muss es nur wollen, dann findet man auch die Kraft. Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Es ist eher so, dass man diese Kraft nur dann nicht in sich selbst erkennt, wenn man diese nicht sehen will oder diese durch Furcht wie durch Scheuklappen verdeckt wird. Ich kenne einen Film, in dem es heißt, dass Kraft nicht etwas ist, was man hat, sondern was man findet. Ich denke eher, dass (geistige) Kraft etwas ist, was man eigentlich immer hatte, aber entdeckt, wenn man sie braucht und dazu bereit ist, sie zu nutzen.

Ich denke mal, dass ich es in der nächsten Zeit beenden werde.

Hoffentlich nur in dem Sinne, dass Du Deine schwere Zeit zu überwinden lernst, aber nicht in dem Sinne, dass Du vorhast, Dein Leben zu beenden. Ich weiß nicht wie alt Du bist, aber gerade die Pubertät ist durch hormonelle Schwankungen auch in Sachen Depression eine recht schwierige Zeit - auch dahingehend habe ich entsprechende Erfahrungen aus erster Hand erfahren und fühlte mich damit immer allein und unverstanden, doch zumindest dahingehend ist dies mit Sicherheit unzutreffend - insbesondere in der heutigen Zeit.

Egal ob man noch in der Schule ist oder nicht, so gibt es IMMER die Möglichkeit, notfalls mit einer professionellen Vertrauensperson über seine persönlichen Probleme zu sprechen und dadurch Anleitung zu erhalten, wie man schwierige Erlebnisse, Erfahrungen oder Entwicklungen überwinden kann, und mehr Hoffnung wieder in sein Leben einfließen lassen kann. Man muss es nur selbst wollen.

Antwort
von gschyd, 36

Liebe Lou

indem Du hier Deine Frage stelltest hast Du einen ersten Schritt gemacht - Du teilst Dich mit. Deine Frage zeigt mir auch, dass Dir Deine Familie / Freunde nicht gleichgültig sind. Mach doch noch einen Schritt und hol Dir Hilfe. Es braucht nur eine Person die Dich unterstützt - und die gibt es :-)

Es gibt neben der Telefonseelsorge unzählige Krisentelefone in den jeweiligen Bundesländern
http://www.depressionen-depression.net/notfaelle/notfallnummern.htm

Oder Du wendest Dich doch (nochmals) an jemanden den Du kennst - Familie, Freunde - oder sogar jemanden den Du schon länger nicht mehr sahst, dem Du aber vertraust.

Auch ich kenne dunkle Zeiten - habe aber ein Urvertrauen in mir, dass es wieder gut wird. Ich weiss nicht wann genau - aber irgendwann :-)) Und vor allem glaube ich an die (innere) Kraft des Menschen!

Ich weiss, dass dies Deine Frage betreffend Brief nicht beantwortet - jemanden aus der Familie / Freundeskreis zu verlieren ist schlimm - durch Suizid wohl noch schwerer zu ertragen... - ein Brief kann vielleicht einige Fragen beantworten (oder auch nicht) - ob er die Trauer schmälert bezweifle ich... - gib Ihnen doch die Möglichkeit noch Gespräche mit Dir führen zu dürfen.

Antwort
von FelinasDemons, 53

Meiner Meinung MUSS ein Abschiedsbrief für Hinterbliebene geschrieben werden. Das ist das allermindeste was man tun kann. So ein Brief kann ihnen helfen evtl besser damit umzugehen,etwas tröstendes sein. Jedoch kommt es auch drauf an was im Brief steht. Je nachdem sind die Reaktionen darauf natürlich unterschiedlich.
Aber ich finde so oder so sollte ein Abschiedsbrief (zumindest) für die Menschen die einen lieben und die man liebt verfasst werden.

Und ich gebe howelljenkins recht,jedoch kann es sein,dass man sich nicht traut noch etwas zu sagen. Weshalb ein Brief wohl am einfachsten wäre.

Antwort
von testwiegehtdas, 65

ja und nein.


Die Frage ist aber auch was im Brief steht. Wenn er einem die ganze Schuld gibt, dass würde ich es nicht lesen wollen. Wenn dort nur steht, dass man nicht Schuld ist würde ich mich fragen warum sich die Person nicht an mich gewandt hat.

Dann hat man Klarheit ob es gewollt oder ein Unfall war, aber es kann trotzdem schwer sein. Ich glaube aber dass die Ungewissheit sehr schwer zu ertragen wäre.

Am Besten wäre es aber, wenn sich die Person vorher Hilfe holt und ich sie dabei unterstützen kann.

Antwort
von Plautzenmann, 85

Demjenigen kann es egal sein, ob die Nachwelt sein Handeln versteht, da er ja von alledem nicht mehr viel mitbekommt. Für die Hinterbliebenen ist es sicherlich von Vorteil, wobei ich bezweifele, dass ein einziger Brief alle Fragen bezüglich des Suizids abdecken kann.

Am besten wäre es natürlich, wenn man keinen Suizid begeht.

Antwort
von howelljenkins, 72

ich wuerde keinen schreiben und ich moechte auch keinen bekommen.

wer sich umbringt, sollte vorher alles gesagt haben, egal ob es was positives oder negatives ist. wer noch was zu sagen hat, ist meiner ansicht nach noch nicht so weit, dass er sich das leben nehmen koennte.

Antwort
von skyberlin, 47

Ich würde mich NICHT umbringen.


Hermann Hesse



Stufen



Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.


Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.


Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!




Selbstmord

Die letzte aller Türen

Doch nie hat man

an alle schon geklopft

-Reiner Kunze-





Antwort
von Mojoi, 66

Sowohl als auch. Ein Suizid hinterlässt viele offene Fragen, Zweifel und Selbstvorwürfe.

Antwort
von Greta1402, 70

Ich würde es besser finden ,wenn die Person sich Hilfe holt .

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community