Frage von johncena361, 166

abschaffung der gebetsräume an der tu berlin gerechtfertigt?

hallo community,

für alle, die es in den nachrichten noch nicht mitbekommen haben: ich als berliner musste neulich feststellen, dass es an der technischen universität hier zu protesten gekommen ist zwischen der hochschule und muslimischen studentinnen und studenten. auslöser dieser proteste ist die tatsache, dass die leitung die gebetsräume (unter anderem auch eine turnhalle) die ursprünglich für den freitagsgebet gedient haben nun nicht mehr zur verfügung gestellt werden, zum beten eben. das hat den muslimischen studenten natürlich gestört und haben deswegen als protest vor der universität gebetet, mittlerweile zum dritten mal, wenn ich mich recht entsinne.

natürlich habe ich mit meinen kommilitonen über dieses thema geredet und natürlich habe ich auch muslimische. und fakt ist, dass beinahe die hälfte der muslime gegen diese entscheidung ist: es sei "inakzeptabel". begründung: damit schränken die uns in der religionsfreiheit ein..

ist das denn zu fassen??? zumindest aus meiner persönlichen sicht ist dieser vorgang absolut gerechtfertigt. eine universität ist ein ort der bildung, der wissenschaft und vorallem des fortschrittes, ein ort der parteilosigkeit und gleichstellung, wo sowohl mann als frau gleichgestellt und jede religion und kultur toleriert werden soll.

religion - ob nun als moslem, buddhist, christ, jude oder hinduist - soll jeder selbst erscheinen, wer man ist. und es ist mir völlig wurscht für welche er sich letztlich entscheidet, aber direkt die hochschule an den pranger stellen und sich als die "opfer" darstellen? für etwas, wo sie sowieso einen vorteil hatten gegenüber anderen religionen? immerhin hatten christen, buddhisten usw. auch keine extra kirchen oder tempel an der uni.

bin zwar an einer anderen universität, wir begreifen aber diesen aufstand nicht, den die protestierenden dort veranstalten.

was meint ihr dazu? protestieren ist ja ein grundrecht, soll ja jeder machen. aber das hier ist doch lächerlich oder nicht?

es sei nochmal gesagt dass ich niemanden an die pelle rücken möchte. ich bin selbst atheistisch und mich störts nicht, wenn da jemand seinen glauben hat. nur bei sowas... dreht sich mir der magen um. ich bin da teilweise fassungslos, wenn ich mit muslimischen kommilitonen versuche darüber kurz zu schnacken, die aber teils aggressiv zurückantworten... und noch nicht mal mit einer vernünftigen begründung...

naja, vielleicht habt ihr ja mehr talent im diskutieren. mich würde es gerne interessieren, was ihr dazu sagt.

gruß, johncena361

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 35
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Ich erinnere mich, dass ich in der Schule einen Geschichtslehrer hatte, der bei unsicheren Antworten die mit einem zögerlichen "Ich glaube..." begannen, gleich erklärte "Glauben kannst du im Religionsunterricht!"

Das ist natürlich etwas hart formuliert - trifft aber auch in diesem Fall zu, wenn man den Satz so versteht:

"Alles zu seiner Zeit und an seinem Ort".

Die Bereitstellung von Gebetsräumen ist nicht Teil des Bildungsauftrags von Schulen und Universitäten und das Gebet nicht Teil des Unterrichts.

Wer meint, die schulischen Einrichtungen hier in die Pflicht nehmen und mit dem Argument der Religionsfreiheit erpressen zu können, ist meiner Meinung nach ziemlich schief gewickelt.

Aus meiner Sicht beharren ohnehin nur ultra-konservative Gläubige und religiöse Hardliner auf der genauen Einhaltung der Gebetszeiten und der Durchsetzung religiöser Regeln in weltlichen Einrichtungen.

Bei diesen Personen kann man sich dann auch durchaus Fragen, ob sie überhaupt für das Leben in einer westlichen Gesellschaft geeignet sind.

Kommentar von johncena361 ,

vielen dank für die  antwort!

Kommentar von johncena361 ,

ach und das mit dem geschichtslehrer... ich hatte im laufe meiner zeit am gymnasium drei geschichtslehrer, die das auch irgendwann gesagt haben. muss wohl ein "running-slogan" bei ihnen sein :-P

Antwort
von 1988Ritter, 41
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Das Problem war ja noch ein ganz anderes.

Die "Gebetsräume" wurden von externen Muslimen, insbesondere aus dem salafistischen Lager, zu Propaganda- und Missionszwecken missbraucht.

Zudem haben sich etliche Muslime fürchterlich daneben benommen. So wurden junge Studentinen hinsichtlich ihrer Kleidung und ihrer Lebensweise bedrängt und genötigt. Man wollte islamische Verhältnisse durchsetzen.

Da muss man natürlich einschreiten, und den Muslimen klar darstellen, die Religionsfreiheit endet da wo andere Menschen beschwert werden.

Auch wenn die Religionsfreiheit im Grundgesetz geregelt ist, wird daraus kein pauschaler Freibrief zur Rechtfertigung von konträren Lebensweisen.

Das wäre ja auch noch schöner. Dann bräuchten die Neonazis sich ja nur hinsichtlich ihres germanischen Kultdenkens auf die Religionsfreiheit berufen, und demnächst in Uniform und Fackelzug ihren krankhaften Vorstellungen nachgehen.

Kommentar von johncena361 ,

schöne, informierte antwort. vielen dank!

ich weiß auch von diesen aspekten, aber naja... kenne das von anderen fragen hier auf gutefrage dass die antwortenden eher auf diesen behauptungen von wegen "antisemitische, provokante predigten" oder eben das "durchsetzen islamischer verhältnisse" verharren würden und dann erst recht hier streit und beleidigungen ausbrechen würden. es gibt immer wen, der genau das anders sieht und sich dadurch provoziert fühlt.

aber mir ging's ohnehin eher um die tatsache, dass da jetzt schicht ist mit den räumen für die muslime.

Antwort
von Andrastor, 91
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Ganz klar ist hier die Universität im Recht. Man hat zwar das Recht seine Religion (im Rahmen der Gesetze) auszuleben, aber sobald man verlangt dass sich andere dem anpassen sollen, geht die Sache zu weit.

Wenn die Universität keine eigenen Gebetsräume für die anderen Glaubensrichtungen und Religionen einrichtet, dann ist auch für die Muslime hier keine Ausnahme zu machen.

Gleiches Recht für alle, wenn nur eine Religion einen Gebetsraum erhält, dann wird diese bevorzugt behandelt und ihr den Raum wieder zu entsagen ist ein Schritt in die Gleichstellung.

Ausserdem hast du ganz Recht, eine Universität hat mit Religion wenig am Hut, sie ist ein Ort der Bildung und des Fortschritts und wer nicht fortschrittlich genug ist sich von seinem Gebetszwang loszusagen, der hat an so einem Ort nichts zu suchen.

Antwort
von bonniedaniels, 89
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Also tut mir leid das so unverblümt zu sagen, aber ich finde es absolut lächerlich, dort in irgendeiner Weise zu protestieren. Ich möchte nicht mal unbedingt mit dem "Wir sind hier in Deutschland"-Knüppel um mich schlagen, aber es ist einfach ein Fakt, dass es an der Uni weder einen Gebetsraum für Christen gibt, noch für Buddhisten oder Hinduisten und das hat einen Grund. 

Religionsfreiheit schön und gut, aber doch nicht in der Uni. Das ist doch genau so als würde man sagen, ich geh aber jeden Freitag bei rewe einkaufen, warum gibt es dort keinen Gebetsraum.. Das ist absoluter Schwachsinn und WENN Religion schon in der Universität stattfinden muss, dann sollte aber auch JEDE Religion ihr Recht darauf haben.

Kommentar von johncena361 ,

vielen dank für die antwort!

Antwort
von ArbeitsFreude, 29
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Du hast alle Gründe ja schon richtig genennt, lieber Johncena - Ich brauche sie deshalb nicht zu wiederholen...

Antwort
von dadamat, 4
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Beten kann man zuhause oder in einer Kirche oder Moschee, die Uni dient allein der Berufsausbildung.

Antwort
von oelbart, 41

Waren das in Berlin denn tatsächlich Muslimische Gebetshäuser?

Ich kenne das aus anderen Städten (Bremen, Hannover, Frankfurt) eher als "Raum der Stille" (in Frankfurt mittlerweile "Haus der Stille"), die zumindest ofifziell neutral gehalten sind und das auch bleiben sollen. Teilweise halten die Hochschulgemeinden in diesen Räumen auch hin und wieder Gottesdienste (was meiner Einschätzung nach sogar die Neutralität fördert, weil es dann offizielle Ansprechpartner gibt, die dafür sorgen, dass hinterher alles aufgeräumt ist)

Im Alltag werden diese Räume (zumindest in Hannover) natürlich überwiegend von Muslimen genutzt, und es gibt wohl in einigen Städten hin und wieder Probleme damit, dass ein paar Übereifrige bspw. Trennwände aufstellen, um weibliche von männlichen Studenten zu trennen, oder die Hinweise am Boden aufkleben, in welcher Richtung Mekka liegt.

Insgesamt finde ich das Konzept - wenn es denn neutral gehalten ist - eigentlich ganz gut. Die Trennung von Staat und Kirche liegt dann für mich darin, dass der Raum jedem freisteht, egal, ob er das, was er darin tut, nun "Gebet" oder "Meditation" nennt. Allerdings ist es natürlich keine "Einschränkung der Religionsfreiheit", wenn der Raum geschlossen wird - es ist nur ziemlich schade, wenn man sich diese doch relativ gute Idee von irgendwelchen Intoleranten kaputt machen lässt.

Antwort
von Tilgung, 33
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Wo soll das bitte eine Einschränkung der Glaubensfreiheit sein? Wenn sie wollen können sie ja einfach auf den Fluren oder sonst wo Beten...

Die christlichen Studierenden bekommen auch keine Extrawurst. Es ist eher eine gerechte Anpassung.

Kommentar von johncena361 ,

vielen dank für die antwort!

Antwort
von Januar07, 88

Ich sage dazu, daß eine Uni nicht dafür zuständig ist, Räume zur Verfügung zu stellen, die Studenten ermöglichen, ihre Religionen auszuleben.

Antwort
von Ala34m, 40
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Ich als Moslem finde es ok.

Ich meine in Klassenräumen dürfen ja auch keine christlichen Kreuze angehängt werden.

Jede Religion hat in diesem Land die gleichen Rechte deshalb.

Kommentar von johncena361 ,

danke für die antwort!

Antwort
von MarkusKapunkt, 43

Ich bin deiner Meinung. Zum Beten braucht es keinen speziellen Raum. Diese Proteste sind lächerlich. An der Universität sollten derartige Debatten gar nicht erst geführt werden, überhaupt so etwas wie Gebetsräume zu erlauben. Sollen sie doch zu Hause beten, da gehört die Religion auch hin.

Kommentar von oelbart ,

Die alternative für viele ist halt eher, dann im öffentlichen Raum zu beten. Und das wird gewissen Personen vermutlich ebenfalls nicht passen...

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Prinzipiell sollte einer Minderheit alles erlaubt sein, wenn sie die Mehrheit dabei nicht in irgendeiner Weise stört oder beeinträchtigt. Das Beten in einem öffentlichen Gebetsraum einer Universität tut das.

Erstens steht der Gebetsraum anderen Veranstaltungen nicht zur Verfügung. Ich weiß noch aus meiner Studienzeit, wie sich damals um die Räumlichkeiten regelrecht geprügelt wurde, da ist es Schwachsinn, einen ganzen Seminarraum für eine kleine Minderheit zu opfern, damit diese ihren religiösen Regeln frönen kann.

Zweitens ist die Universität kein Tempel. Sie ist ein nichtreligiöser Ort, ein Ort der Wissenschaft.

Drittens sind Gebete in jeder Religion auch ohne einen Gebetsraum möglich, auch am Freitag. Ich kann als Christ ja auch überall beten, und ich denke dass viele Studenten das an der Uni auch praktizieren, besonders, wenn Klausuren geschrieben oder Noten ausgehängt werden. Einen eigenen Raum für ihre Gebete brauchen sie dafür nicht. Wer glaubt, Gott könne einem nur in einem solchen Raum erhören, irrt. Oder dieser Gott braucht vielleicht ein Hörgerät, wer weiß.

Wem das alles nicht passt, braucht nicht zu studieren und hat erst recht nicht das Recht, gegen diese Entscheidung zu protestieren. Wenn es nach mir ginge, hätte ich alle, die dort protestiert haben, sofort exmatrikuliert.

Antwort
von suziesext07, 35
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

das ist ja auch kein 'Protest', sondern heisst 'Dschihad' und zielt auf die progressive Machterweiterung sunnitischer Verbände im Land des Unglaubens (wrtl. Dar al Harb, Region des Krieges). Ähnliche immer dreistere Forderungen in Krankenhäusern, Gefängnissen u.a Einrichtungen des säkularen Staates nach Islamisierung: Essen soll halal sein, Gebetsräume überall, keine weiblichen Ärzte, keine Kreuze an den Wänden, kein Schulschwimm- oder Sexualkundeunterricht für Mädchen usw usw

Die Berliner TU-Unileitung hat hier, find ich, vorbildlich argumentiert und gehandelt.

Antwort
von halloschnuggi, 47

Die Stunden können auch in der Uni irgendwo beten, im Treppenhaus, in einem Raum wo grad niemand ist... Ich finde nicht das es gegen die Religionsfreiheit ist, da sie überall beten können...

Antwort
von Juli277di, 62
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Die Uni ist ein Ort der Wissenschaft, kein Ort des Glaubens.

Antwort
von PersiaPrince, 36

Ich verstehe eine Sache nicht, wieso gewährt man Ihnen diese Räume und nimmt sie Ihnen dann wieder weg? Das ist das einzig dumme was die Uni in dieser Sache getan hat. Und der Protest ist genauso behindert! Ich bin selber Muslim und bete einfach irgendwo wo es gerade geht und es keinen stört. Wir dürfen in jedem Gotteshaus beten. Dann soll man einen Raum zur Verfügung stellen, indem jeder sein Gebet sprechen kann, egal welchen Glaubens.

Antwort
von josef050153, 9
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)

Ja, das ist gerechtfertigt, so lange in der Al-Aqsa-Universität keine Synagoge eingerichtet ist.

Antwort
von Silmoo, 51
ja, eine universität ist keine kirche/tempel/moschee (trennung von staat und kirche)


Dieser Machtanspruch der Muslime  darf nicht genehmigt werden.

Religion ist Privatsache.

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