Frage von Baesko, 84

Abrechungsmöglichkeiten des eigenen Aufwands bei Versicherungsschaden?

Hallo Zusammen,

Ich besitze eine Eigentumswohnung.

Das dazugehörige Gebäude wird derzeit durch einen Bauunternehmer aufgestockt.

Das alte Dach wurde dementsprechend entfernt.

Selbstredend sind nun sämtliche Wohnungen während des Starkregens der vergangenen Tage nass geworden, da der Unternehmer die provisorische Dachfläche nicht hinreichend abgedichtet hatte.

Meine Frage ist, ob ich den mir dadurch entstandenen Aufwand der verursachenden Firma bzw. der Versicherung ebenfalls in Rechnung stellen kann, also in meinem Fall ganz konkret 480 km Fahrtstrecke ( drei Fahrten zur Wohnung á 80km ) sowie 14 "Arbeitsstunden" ( Zeiten vor Ort inkl. Fahrtzeiten ) die ich auch lückenlos protokolliert habe (eigene Besichtigung des Schadens, Begehung mit Gutachter, Begehung mit Handwerkern).

Aufgrund des Schadensumfangs muss ich davon ausgehen, dass sich die o.g. Zahlen noch vervielfachen werden.

Falls hier jemand Zahlen und möglicherweise noch eine passende Rechtsgrundlage oder Rechtsprechung parat hätte wäre ich sehr verbunden ;-)

MfG!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 37

Grundsätzlich hast du Anspruch darauf, so gestellt zu werden, als ob es nicht zum Schaden gekommen wäre.

Wenn du die Aufräumungsarbeiten selbst leistest, kannst du ortsübliche Kosten eines Putzdienstes in Rechnung stellen. Mwst. natürlich nur, wenn du vorsteuerabzugsverechtigt bist.

Die Fahrtkosten mit 30 Cent pro gefahrenem km

Kommentar von Baesko ,

Vielen Dank!

Kannst Du mir zufällig auch eine Hausnummer nennen, mit welchem Betrag man diesen... - ich nenne es mal "Koordinierungsaufwand" - in Rechnung stellen kann, falls überhaupt?

Also ich meine hier konkret die blosse Anwesenheit.

Wenn der Gutachter arbeitet muss ihn ja jemand rein lassen, wenn die Handwerker gearbeitet haben, möchte ich mir ja auch angucken ob sie es richtig gemacht haben etc...

Einen konkreten Verdienstausfall hatte ich durch diese Zeiten nicht, aber es ist halt meine Freizeit die hier wie ich finde nicht unerheblich beeinträchtigt wird.

Kann man da den Mindestlohn in Rechnung stellen oder ist das gar nicht abrechenbar?

Danke!

Kommentar von DerHans ,

Mindestlohn auf jeden Fall.

Aber du zahlst heute für eine Putzfrau mindestens 12 € vor allem, wenn sie nur 2 - 3 Stunden in der Woche arbeitet.

Kommentar von Baesko ,

Und nochmal herzlichen Dank!

Dann werde ich jetzt mal Rechnungen schreiben...

Antwort
von DG2ACD, 58

Also, Grundsätzlich könntest Du den Schaden ja auch von Fachfirmen beseitigen lassen, die sicher sehr viel teurer wären.

Daher ist MEINE Versicherung da sehr entgegenkommend.

Mein Beispiel: Durch das Hineinfallen einer Parfümflasche wurde ein Waschbecken beschädigt. Ich war Haftpflichtig und bin haftpflichtversichert.

Um den Schaden  zu begrenzen, habe ich die Reparatur in Eigenleistung durchgeführt. Meine Versicherung hat mir jede Stunde mit 15 Euro vergütet.

Ich habe die komplette Zeit, inklusive Baumarktfahrten und allem drum und dran, angegeben. Nachzuweisen gab es nichts.

Kommentar von Baesko ,

Schonmal gut zu wissen, Danke!

Allerdings ist das ja in meinem Fall kein "entweder Fachfirma oder ich selbst" sondern ein "die Fachfirma macht es und ich schreibe eine zusätzliche Rechnung" ;-)

Kommentar von DG2ACD ,

Auch das sollte möglich sein, denn auch Deine Eigenleistung, die Du erbringst, könntest Du in Auftrag geben. Mein erster Vermieter ist damals nie aus 400 km Entfernung angereist, er hat einen Gutachter geschickt.

Wenn ich das richtig verstehe, hast auch Du eine vermietete oder zu vermietende Wohnung. Gibt es durch die Angelegenheit Mietausfall oder eine Mietminderung des Mieters? Auch das solltest Du einreichen.

Kommentar von Baesko ,

Die Mietminderung ist mit meiner Mieterin schon besprochen und wird definitiv weiter gereicht, aber trotzdem Danke für den Hinweis!

Antwort
von schleudermaxe, 46

Das verstehe ich nicht. Bauherr ist doch somit die WEG, also leisten die Miteigentümer, oder übersehe ich etwas?

Zudem befürchte ich, daß keiner wegen Naturgewalten haften muß.

Wenn ein Baum auf das Haus geschleudert wird, haftet der Baumbesitzer ja auch nicht.

Kommentar von Baesko ,

Die Aufstockung wurde an einen Bauunternehmer verkauft.

Bauherr ist daher nicht die WEG sondern ein externer Unternehmer.

Wenn man sich die "Haftungskette" im Detail anschaut, dann hast Du möglicherweise recht, dass ich meine Forderungen an die WEG stellen muss, weil die "Dachfläche" Gemeinschaftseigentum ist und die WEG die Forderungen dann quasi an den Unternehmer weiter reicht.

Das mag durchaus sein, aber das ist mir dann für die eigentliche Fragestellung prinzipiell egal.

Die Frage, ob der Schaden durch höhere Gewalt hervorgerufen wurde wird sicherlich aufgeworfen werden, soweit stimme ich Dir zu.

Allerdings sehe ich das in diesem Fall nicht.

Wenn das Dach von einem Tornado weggeweht worden wäre, dann wäre ich da ganz bei Dir.

Hier wurde die Abdichtung aber nicht durch eine Naturgewalt zerstört, sondern war schlichtweg unzureichend ausgeführt, sodass Regenwasser eindringen konnte.

Ich sehe da einen Unterschied und der Richter im Zweifelsfall hoffentlich auch.

Danke für Deinen Beitrag!

Kommentar von schleudermaxe ,

Leider sehe ich dies nicht so, denn einige Erlebnisse dieser Art liegen hinter mir.

Laut Frage gab es Starkregen, also eine Naturgewalt.

Du als ASt. mußt ggf. gerichtsfest mittels Gutachter beweisen, daß die Absicherung nicht ausreichend war und dies kann nachträglich keiner, fürchte ich.

Zudem kann eine Aufstockung nicht verkauft werden. Grund und Boden und Haus sind und bleiben gemeinschaftliches Eigentum.

Mir als ET kann da niemand etwas wegnehmen.


Kommentar von Baesko ,

Also ob eine Haftung hier aufgrund höherer Gewalt ausgeschlossen wird, wird sicherlich eine Fragestellung werden, die ich aber gerne vor Gericht auszutragen bereit bin.

Wenn diese "Naturgewalt" die Ursache wäre, dann müssten im näheren Umfeld ja auch weitere Gebäude betroffen sein (Großstadt, zentrale Lage, dichte Bebauung).

Wir sind jedoch die einzigen.

Ich bin zuversichtlich, dass der Richter sich im Zweifelsfall nicht einreden lässt, dass sich das mutmaßlich verantwortliche Unwetter auf ein paar Quadratmetern exakt über unserem Haus abgespielt hat.

Im übrigen ist ja bereits ein Gutachter eingeschaltet und hat eine Bestandsaufnahme gemacht.

Die Abdichtung wurde als mangelhaft bezeichnet und es dringt derzeit immer noch Wasser ein, auch bei Witterungslagen die sich im absolut normalen Rahmen bewegen (man arbeitet mittlerweile endlich daran...)

Die Aufstockung kann sehr wohl verkauft werden.

Der Käufer hat bereits eine Zahlung an die WEG geleistet und dafür das Recht zur Aufstockung per WEG-Beschluss erhalten, die derzeit physisch noch nicht existenten Wohnungen wurden auch unverzüglich im Grundbuch eingetragen, man zahlt Nebenkosten (mit einigen Einschränkungen) etc pp...

Auf dem Papier wird der Bauunternehmer wie ein Wohnungseigentümer innerhalb der WEG behandelt, obwohl faktisch - noch - keine Wohnungen existieren.

Ich stimme Dir vollkommen zu, dass das ganze Thema der Schadensregulierung zu wirklich langwierigen Diskussionen bzw. zu einem Gerichtsverfahren ausarten kann und vermutlich auch wird.

Kommentar von DerHans ,

Wenn der Schaden wegen mangelhafter Abdeckung entstanden ist, hat das mit "Naturgewalt" wenig zu tun.

Kommentar von schleudermaxe ,

Doch doch, wetten?

Kommentar von DerHans ,

Da im Moment auch mit "Starkregen" gerechnet werden muss, ist selbstverständlich bei der Abdeckung besondere Sorgfalt zu beachten.

das ist dann eine Sache der Betriebshaftpflicht. Diese ist für Dachdecker ja nicht umsonst so teuer.

Antwort
von kim294, 58

Welche Versicherung meinst du? Vermutlich die Brtriebshaftpflicht der Firma, oder?

Kommentar von Baesko ,

Hätte ich auch dazu schreiben können, sorry.

Aber ja, die Haftpflicht des Bauunternehmers wurde bereits eingeschaltet.

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