Frage von RoBinHo13, 56

Abmahnung wegen verspäteter AU?

An Rosenmontag haben wir generell frei für alle Mitarbeiter. Mitteilung über AU abends telefonisch nach meinem Artztermin. Da ich am nächsten Tag ggf wieder arbeitsfähig gewesen wäre, habe ich vorher nicht Bescheid gegeben, dass ich an dem so wieso freien Tag AU bin, bzw es ja auch noch nicht war. Nun erhielt ich eine Abmahnung wegen verspäteter AU. Ist diese rechtens? Bisher keine Abmahnung oder ähnliche Vorfälle

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Expertenantwort
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 22

Nach Deinen Informationen ist eine solche Abmahnung völliger Unsinn!

Wenn Du nach Deinem Arztbesuch am arbeitsfreien Rosenmontag Deinen Arbeitgeber informiert hast (er hat ja auch reagiert), dass Du bis zum folgenden Tag krankgeschrieben bist, dann bist Du Deiner Verpflichtung zur Information des Arbeitgebers nachgekommen!

Für die Einreichung der AU hat der Arbeitgeber die üblichen Postlaufzeiten hinzunehmen; er darf nicht verlangen, dass Du ihm die AU schon am Tag der Krankschreibung zukommen lässt!

Die Abmahnung ist bezüglich des Hinweises auf Vertragsverletzungen in der Vergangenheit irrelevant! Du musst die Abmahnung auch überhaupt nicht unterschreiben und hast das hoffentlich auch nicht getan - weder als Bestätigung des Empfangs oder gar als Anerkenntnis!! Eine Klage gegen die Abmahnung lohnt sich nicht; da sie von falschen Voraussetzungen oder Behauptungen (sofortige Aushändigung der AU als Abmahnungsgrund) ausgeht, würde sie im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung wegen einer Kündigung als "Beweismittel" eher auf den Arbeitgeber selbst "zurück fallen"!

Übrigens darf der Arbeitgeber nicht von Dir verlangen, während der Krankschreibung zu einem Gespräch bei ihm zu erscheinen - gleichgültig, ob bettlägrig oder nicht.

Antwort
von Nightstick, 36

Da die Fragestellung ziemlich unklar ist, wären zur Beurteilung, ob die Abmahnung rechtens ist, einerseits die konkreten Tagesdaten, andererseits der genaue, vollständige Abmahnungstext hilfreich.

Dann sehen wir weiter!

Kommentar von RoBinHo13 ,

Tagesdaten:

8.2.16 Rosenmontag - generell frei für alle Mitarbeiter. Mir ging es an diesem Tag besser & ich wollte am Tag drauf wieder in's Büro zum Arbeiten gehen. Gegen Nachmittag ging es mir wieder schlecht, so dass ich meinen Hausarzt aufsuchte. Auf Grund Urlaubsvertretungen hat der Besuch dort von ca. 16 Uhr bis ca. 19:30 verzögert. Als ich gegen 19:30 die Praxis verließ & bis einschließlich 9.2.16 krankgeschrieben wurde habe ich sofort meinen Chef angerufen & ihm auf die Mailbox gesprochen. Noch am selben Abend hat er reagiert & mir eine SMS geschrieben, da er ein Gespräch am 9.2.16 mit mir in seinem Büro führen möchte. Ich sagte ihm, dass ich das nicht garantieren kann, da ich bettlägerig krankgeschrieben bin. Er wollte dran festhalten. Am 9.2. gegen 12 Uhr habe ich den Termin für 14:30 endgültig abgesagt. Am Samstag hatte ich dann folgende Abmahnung per Einschreiben im Briefkasten.

"ANREDE,

bedauerlicherweise mussten wir feststellen, dass Sie in der Vergangenheit Ihre vertraglichen Pflichten aus dem mit uns bestehenden Arbeitsverhältnis mehrfach in einer Art und Weiter verletzt haben, die wir als Arbeitgeber nicht weiter hinnehmen können.

In Einzelnen führen wir die nicht fristgerecht eingereichte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom 8.2.16 an, die uns nicht gemäß den im Arbeitsvertrag geregelten Fristen (Anmerkung von mir: Mitteilung am Tag der AU, Einreichung der AU am Tag drauf) angezeigt wurde. Hierdurch ist ein großer organisatorischer Aufwand bezüglich der Umstrukturierung in Ihrer Abteilung entstanden.

Wir fordern Sie hiermit auf, in Zukunft die vorgegebenen Absprachen gewissenhaft und fehlerfrei zu erledigten. Wegen dieser Pflichtverletzung mahnen wir Sie hiermit ab.

Gleichzeitig teilen wir Ihnen mit, dass wir weitere Verstöße dieser Art nicht mehr hinnehmen werden. Sollten Sie Ihr diesbezügliches Verhalten nicht ändern, müssen Sie mit der Kündigung Ihrer Arbeitsverhältnisses rechnen.

Bitte senden Sie uns ein gegengezeichnetes Exemplar der Abmahnung innerhalb von 48 Stunden nach Erhalt zu.

MfG..."

"Ich bestätige, die Abmahnung erhalten und gelesen zu haben. Gegen den Inhalt der Abmahnung habe ich in tatsächlicher Hinsicht keine Einwendungen."

Es gab bisher keine Abmahnungen oder mündliche Beschwerden, auch kann ich mir die erwähnten in der Vergangenheit mehrfach nicht nachgekommenen Verpflichtungen nicht erklären. Ich habe bisher alle meine Pflichten erfüllt. Wohingegen mein Arbeitgeber seiner Sorgfaltspflicht nicht immer nachgekommen ist. Ich sollte trotz AU arbeiten & mir wurde Druck gemacht, da die Abteilung unterbesetzt ist, dass ich schnell wieder im Büro sein soll. Auf ein "gute Besserung" seitens des Arbeitgebers warte ich auch vergebens.

Was kann ich nun machen? Kann ich den letzten Satz streichen & erstmal nur den Erhalt & das Lesen bestätigen?

Danke im Voraus für die Antworten & Tipps

Kommentar von Nightstick ,

Hallo @RoBinHo13,

bevor ich konkret zu der erfolgten Abmahnung bzw. zu Deinem daraus resultierenden Verhalten komme, ein paar Vorbemerkungen:

° Wenn ich mir (auch für die Vergangenheit) nichts vorzuwerfen hätte, und ein Arbeitgeber würde so mit mir umgehen, würde ich mir darüber Gedanken machen, ob ich dort den Rest meines Arbeitslebens verbringen möchte. Dann würde ich zu dem Schluss kommen, dass das (hoffentlich bis dahin) vertrauensvolle Verhältnis zwischen dem AG und mir einen erheblichen Riss bekommen hat, und dass ich dort auf Dauer wohl nicht glücklich werde. Dies wiederum würde mich veranlassen, ab sofort Bewerbungen zu schreiben, um kurz- bzw. mittelfristig einen besseren Arbeitgeber zu finden.

° In diesem Fall muss man zwischen den Zeilen lesen - eine rein arbeitsrechtliche Betrachung (wie von meinem Experten-Ratgeberkollegen @Familiengerd abgegeben) reicht hier nicht.

Wenn ein AG so agiert, steht er offensichtlich mit dem Rücken an der Wand (wie eine Ratte, die dann angreift). Dies mag -immer unter der Prämisse, dass es in der Vergangenheit besser war- an der momentanen Situation (z.B. auch an der personellen Unterbesetzung und/oder der ominösen Umstrukturierung der Abteilung), liegen, zeigt aber auch, dass der Chef wohl mit einigen Dingen -insbesondere mit der Mitarbeiterführung- überfordert ist.

° Des Weiteren lässt sein gesamtes Führungsverhalten zu wünschen übrig, da er scheinbar nicht erkannt hat, dass die Mitarbeiter das wichtigste Kapital eines Unternehmens sind.

Diesen Chef wirst Du nicht mehr ändern, und wenn solch ein Mensch erst einmal jemanden "auf dem Kieker" hat, wird er es auch weitertreiben, d.h. es könnten im ungünstigsten Fall mehrere Abmahnungen wegen kleinerer Verfehlungen folgen, worauf dann eine Kündigung folgen könnte. Unabhängig davon, ob man dann vor dem Arbeitsgericht Recht bekommen würde, der Arbeitsplatz wäre ohnehin verloren (hier gehe ich davon aus, dass eine erklagte Weiterbeschäftigung nicht in Frage kommt).

Was ist nun zu tun?

° Ich gehe einig mit meinem vorgenannten Ratgeber-Kollegen, dass die Abmahnung zwar schlussendlich eines Tages vor Gericht nicht wirksam wäre, wohl aber ist sie erst einmal vorhanden. Das heißt aus meiner Sicht (ich war viele Jahre in leitender Funktion im Personalmanagemnt tätig), dass es für den Mitarbeiter von großer Wichtigkeit ist, diese Abmahnung zu elimineren, bestenfalls aus der Personalakte wieder heraus zu bekommen. Jetzt kann man natürlich trefflich darüber diskutieren, in welcher Form. Hier gibt es zum Einen die harte Möglichkeit, den Arbeitgeber aufzufordern, diese wegen des unrechtmäßigen Inhalts aus der Akte zu entfernen, und wenn er dies nicht tut, Klage deswegen vor dem zuständigen Arbeitsgericht zu erheben. Diesen Prozess würde man gewinnen, aber da Arbeitgeber ungerne Prozesse verlieren, würde dies naturgemäß die Stimmung nicht verbessern - eher verschlechtern.

Die zweite Möglichkeit wäre, eine Gegendarstellung zu schreiben, die der AG dann zur Personalakte nehmen muss. Damit wäre die Abmahnung zunächst eliminiert.

Wie weit Du im Miment hier gehen möchtest, hängt von verschiedenen Faktoren (wie z.B. Lebensalterm berufliche und private Situation usw.) ab.

° Eine Bestätigung des Arbeitnehmers über den Erhalt und/oder das inhaltliche Einverständnis der Abmahnung kann der AG nicht verlangen, und ist eigentlich auch nicht üblich. Dies würde sich übrigens auch durch weiteren Schriftwechsel (Gegendarstellung oder Klage) erübrigen.

Fazit: 

==> Nichts zu machen, wäre aus meiner Sicht die schlechteste Lösung.

==> Je nach eigener Situation sollte entweder eine Gegendarstellung geschrieben oder die Herausnahme aus der Personalakte betrieben werden.

Ich wünsche Dir viel Erfolg (und hoffentlich bald einen besseren Arbeitgeber!

Gruß @Nightstick         

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