Vorneweg: Ich habe 2009 mein Abitur in Bayern gemacht, meine also, an der Sache noch recht dicht dran zu sein. ;-)
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Zunächst möchte ich sagen, dass mit dem Abi eigentlich noch nichts erreicht ist. Was hat man schon geschafft? Man hat keinen Job, keine Ausbildung, letztlich noch nichts Großartiges geleistet, aber: Es besteht die Möglichkeit an eine Hochschule zu gehen! Das ist das, was für mich gezählt hat. Deshalb verstehe ich nicht, wieso manche ihr Abitur gefeiert haben, als ob sie ihr Lebenswerk vollendet hätten. Einige erhielten beispielsweise ziemlich teure "Geschenke" von ihren stolzen Verwandten. Klar ist das Abitur eine Leistung, vor allem in Bayern, aber ausflippen braucht man deshalb nicht. Das Abitur ist gut machbar, sofern man nicht faul ist - im G9 war es zumindest so. Das G8 ist wohl etwas happiger...
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Das Abitur ist nur eine Zwischenstation im eigenen Leben, denn mit dem Abitur hat man nur bewiesen, dass man in vielen Fächern mit Lernbereitschaft ordentlich oder sogar gute und sehr gute Leistungen bringen kann - so wird man für Arbeitgeber attraktiv! Spezialwissen, das für einen angesehenen und gutbezahlten Beruf nötig ist, hat man mit dem Abitur keineswegs. Nach ein paar Semester an einer Universität merkt man erst, wie wenig man in der Schule eigentlich gelernt hat: Alles nur grob, im Überblick, ohne klares Wissen und ohne klare Struktur. Deshalb würde ich das Abitur nie überbewerten.
Wenn man aber ein Hochschulstudium abgeschlossen hat, dann ist es einem erlaubt auszuflippen, besonders wenn man einen richtig schwierigen Studiengang gepackt hat. Ich kann nur für mich sprechen: Wenn ich mein Studium abschließe, habe ich mein Lebensziel erreicht, was Lernen und (Fach-)Wissen angeht. Das Abitur war für mich kaum ein Grund zum Feiern, beim Hochschulabschluss würde es anders aussehen, denn dann hat man wirklich Großartiges geleistet. ;-)
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Ich habe übrigens nicht die Erfahrung gemacht, dass Abiturienten auf Hauptschüler etc. herabgesehen haben. Es ist sicherlich nicht falsch, wenn man sagt, dass sich die Lernfähigkeit beider "Gruppen" sehr unterscheidet, eventuell auch das Alltagsleben, das soziale Umfeld, die Wortwahl etc. Aber grundsätzlich kann man nicht sagen, dass ein Abiturient mehr weiß als ein Hauptschüler. Es kann sein, dass ein Abiturient kaum Hobbys und keine Ahnung hat von dem, was er in der Schule lernt, also das Abi gerade so mit 4,0 geschafft hat. Da ist ein Hauptschüler, der in der Schule engagiert ist und sich in seinen Hobbys sehr gut auskennt, besser dran - vielleicht nicht, was den Beruf zwecks Einstellungschancen angeht, aber was das Leben an sich angeht.
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Es können sich ja sogar Freundschaften zwischen Abiturienten und Hauptschülern bilden, z.B. durch gemeinsame Schnittstellen wie es in einem Sportverein der Fall ist. Wenn man als Abiturient oder Student über seine Fächer reden will, ist es aber natürlich sinnvoller, Kommilitonen, Dozenten oder einfach ältere, lebenserfahrenere Menschen, die darin interessiert sind, aufzusuchen.
Aber diese allgemeine Kategorisierung in "Ha, der hat Hauptschule, der ist dumm." und "Oh, der hat Abitur, der hat was auf dem Kasten." findet ich völlig daneben. Natürlich braucht man einen Anhaltspunkt für Leistungsvergleiche, daher auch die unterschiedlichen Schulnoten, aber einen Menschen nur nach solchen Bewertungen einzuteilen und teilweise schon abzustempeln finde ich unmenschlich. Der, der es so sieht, hat wohl ein Schubladendenken und teilt Menschen mithilfe seiner Vorurteile ein. Fehlende Lebenserfahrung spielt sicherlich auch eine Rolle.
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Man muss übrigens als Student und wohl vor allem als späterer Hochschulabsolvent aufpassen, dass man auf dem Boden der Tatsachen bleibt. Die Gefahr ist groß, dass man sich selbst für das Beste hält und nichts anderes mehr als sein Fach im Kopf hat. Selbst wenn jemand ein Experte auf seinem Gebiet ist und eine Menge Geld verdient - ein schönes Leben sieht für mich anders aus, denn Hobbys, Freunde und Familie sind mindestens genau so wichtig. :-)
Es können sich ja sogar Freundschaften zwischen Abiturienten und Hauptschülern ...
Im späteren Leben, nach der Schule und der Uni (sowas gibts ;-))) macht es überhaupt keinen Unterschied.
Ja, da natürlich sowieso! So weit habe ich noch nicht gedacht... ;-))