Gerade lese ich in der Zeitung die grauenhaften Details der Angriffe Israels auf Gaza und bin erschüttert. Dennoch sitze ich hier mit meiner Tasse Kaffee und fresse mein Käsebrot während ich lese "waren so entstellt, dass der eigene Vater ihn nicht erkannte.." und so weiter. Es ist doch irgendwie so, dass man es schon so gewohnt ist sowas zu lesen, dass es einen für einen kurzen Moment berührt, aber mehr auch nicht. Das ist irgendwie so schlimm, aber man kann ja sowieso nichts machen. Für andere Leute hört das Leben heute auf und ich scheiße mir in die Hosen wegen Bagatellen wie ob ich wohl mein Referat morgen gut über die Bühne bringe und ob meine Schimmelallergie schon besser geworden ist und so.
der raue wind der einem täglich ins gesicht bläst, bewirkt dass man ein dickes fell bekommt. ich halte das für eine selbstschutzfunktion des geistes und des körpers. wäre dem nicht so, würde man wahrscheinlich durchdrehen.

Das hat in meinen Augen weniger mit Abgestumpft-Sein oder fehlender Empathie zu tun, als mit Selbstschutz - und ich denk, dass das ein uraltes Verhaltens- oder Empfindungsmuster ist.
Selbstschutz ist ein ursprüngliches und überlebenswichtiges Verhalten. Sicherlich kann man trainieren, offener für das Leid anderer zu werden - aber wenn Du auf jedes Leid, das Dir begegnet, emotional reagierst, dann wirst Du bald einen Psychotherapeuten brauchen, um weiterhin einen Willen zum Leben aufrechtzuerhalten.
:-)
DH, danke für die interessante Antwort! so kann man es natürlich auch sehen. das ist ein schöner gedanke, wenn das nämlich so ist stehe ich nicht ganz so egoistisch da;-)!
Baiana am 7. Januar 2009 08:31 Ganz rational betrachtet hilft es den Menschen im Gaza-Streifen nicht, wenn Du wegen Deines Mit-Leides Dein Käsebrot nicht isst, dadurch mit knurrendem Magen Deinen Tag beginnst, vielleicht unkonzentriert bist - und schließlich wirst Du doch etwas essen. Denn es hilft niemandem, wenn Du für Dich allein hungerst (jetzt mal ein wenig übertrieben, damit mein Punkt deutlich wird).
Das Leid in der Welt wird dadurch nicht geringer - sondern größer, denn jetzt ist Deine "Leidskala" auch noch angestiegen.
Wenn Du die Nachricht stattdessen als neutrale Information aufnimmst (versteh mich nicht falsch - die Info ist nicht neutral - aber so nimmst man sie auf) und Dich mit aller Macht auf die Dinge konzentrierst, die Dein eigenes Leid mindern oder dafür sorgen, dass kein weiteres Leid für Dich entsteht, dann wird dadurch das Leid auf der Welt weniger.
Wirklich aktiv werden wir halt zuallererst, wenn es um uns selbst geht. Als nächstes dann, wenn es um die Menschen geht, die wir lieben, die uns besonders am Herzen liegen.
Wenn man darüber hinaus auch noch hilft, anderes Leid zu vermeiden bzw. anderes Leid zu verringern, dann ist das eine wunderschöne Sache.
Das bedeutet aber nicht, dass man sein Frühstück nicht isst - sondern vielleicht einen Bettler bei diesen Temperaturen auf einen Kaffee einzuladen oder der alten Nachberin einen Einkauf abzunehmen.
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Versuche Leid auf der Welt zu vermeiden und zu verringern - durch Handlungen und in dem Rahmen, in dem Du tatsächlich etwas machen kannst. :-)
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Hab einen wunderschönen Tag - und zaubere ein paar Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Damit hättest Du eine ganze Menge mehr gegen das Leid in der Welt getan, als die Mehrzahl der Menschen es heute schaffen wird. :-)
Eppendorf am 7. Januar 2009 08:33 Vielen Dank für Deine wunderbare Antwort! Du hast so Recht! Habe sie leider erst jetzt gelesen, aber schade dass ich keine blauen Däumchen mehr vergeben kann. Deshalb dreifach DH, DH, DH!!!!
Eppendorf am 7. Januar 2009 08:24 aber wenn Du auf jedes Leid, das Dir begegnet, emotional reagierst, dann wirst Du bald einen Psychotherapeuten brauchen, um weiterhin einen Willen zum Leben aufrechtzuerhalten.
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Deswegen sehe ich kaum Nachrichten.
Das sollte ich vielleicht auch so halten. ich habe erst vor 2 Wochen angefangen Zeitung zu lesen und bin jetzt schon reif für die Klapse!
Eppendorf am 7. Januar 2009 08:27 Zeitung lesen ist okay für mich, aber wenn dazu bewegte Bilder gibt....
Baiana am 7. Januar 2009 08:32 Dann sehe ich nicht das Leid, sondern die Manipulation durch bildgestützte Medien. Aus dem Grund schaue ich mir keine Nachrichten mehr im TV an - meine Meinung möchte ich mir gerne selbst bilden und nicht durch geschickt ausgewählte Fotos manipulieren lassen. :-)
thomas37 am 7. Januar 2009 08:29 DH sehe ich ich auch so

Ich verstehe genau was du meinst, mir geht es teils genauso aber....in dem Fall kann man persönlich jetzt nichts machen. Ich helfe, wo immer es mir möglich ist und gleiche dadurch ein wenig aus! LG
eigentlich ist das so schlimm, dass man den ganzen tag dasitzen und heulen müsste, aber das leben geht halt weiter

Wenn du dir alles so zu Herzen nehmen würdest, kämst du vor lauter Mitgefühl zu gar nichts mehr.
Abstumpfung und Mitleidlosigkeit dienen dem Selbstschutz.

Naja was willst du dagegen machen? Du kannst darüber nachgrübeln und grübeln aber ändern wird sich letzendlich auch nichts! Ich würde mich nicht so reinsteigern in das Thema oder zuviel darüber nachdenken sonst frisst man sich auf! Das ist genauso wenn man Im Krankenhaus auf der Intensiv oder noch schlimmer Kinderintensiv arbeitet und jemand stirbt, man muss einfach weitermachen, kann Gefühle für kurze Zeit zeigen aber sobald man aus der Arbeit draussen ist alles vergessen und loslassen sonst kannst dich gleich wegschmeißen! lg mona
Hast recht. aber das schlimme (oder das gute?) ist, dass ich mir ja auch nicht lange gedanken mache. jetzt gehe ich zur uni und schon ist das leid der welt vergessen und meine größte sorge ist die nächste klausur!
Monaaa am 7. Januar 2009 08:29 Ja genau und das MUSS auch so sein um deine Lebensqualität zu erhalten!

ich denke, du bist ein gutes Beispiel unserer gesellschaft und kein einzelfall.
ja, denn jeder mensch ist ja im grunde egoistisch und denkt "schlimm, schlimm! aber na ja, hauptsache mich passiert das nicht!"
Ich lese sowas gar nicht, wozu auch, krieg ist immer schrecklich und die presse verfälscht auch viel, propaganda ist das werkzeug mit den kriege verloren oder gewonnen werden, die wahrheit erfährt man ja durch die presse oft nicht, nur vielleicht teilwahrheiten. ob die stimmen weiß man auch nicht. worte sind geduldig und beweise sind schnell gefälscht.
Wir sind Alle so zugemüllt mit immer schrecklicheren Bildern, dass wir schon aus Selbstschutz weiterfunktionieren. Ich habe da ein gutes Rezept. Zum Frühstück weder Zeitung noch Radio noch Fernsehen. Die Welt dreht sich trotzdem weiter. LG
du warst sicher wie alle anderen geschockt vom anschlag aufs world trade center ne !
stell di vor sowas pasiert nochmal, du wirst mit sicherheit nicht mehr so erschrocken sein wie am 11.10.01. du hast eben sowas schon gesehen und daher ist es für dein gehirn nix neues deshlab bleibt das entsetzen und die erschrockenheit bei bekannten situation aussenvor. wenn du aber sowas live miterleben würdest ist es wieder eine andere sache.....

hmm also ehrlich gesagt lassen mich diese sachen auch ziemlich kalt..ich mein..es vergeht kein tag wo man nich davon hört und sieht...aber ich denke auch das es ein selbstschutz ist: 1. die menschen denken einfach: das is so weit weg- das wird hier nicht passieren! also kann ich mein leben so weiter leben ohne angst 2. Wenn man sich all das total zu herzen nehmen würde, würde man ja nie mehr glücklich sein. es passiert soviel schreckliches- aber man kann nicht jedem seine ganze Aufmerksamkeit schenken-. so hart das auch klingt :(
Mir gehts auch oft so..lese von (Massen-)Morden, Krieg, Verhungerte...mache mir einen Augenblick gedanken, ab und an fällt es mir wieder ein aber..hm..es ist irgendwie nichts, woran ich dauernt denke.
Ich glaube das das auch daran liegt, dass ich sowas noch nie im "wahren Leben" erlebt habe,also nie selbst gesehen, imemr nur davon gelesen. Ich habe nie neben einer verstümmelten oder toten Frau gestanden, nie ein Kind nach ihrer Mutter schreien hören.. Natürlich ist das alles schlimm und viele sagen:" Wieso tut ihr nichts? Ihr sitzt da, esst den ganzen Tag was ihr essen wollt und beschwert euch, wenn euere Lieblingssorte Kaffee ausverkauft ist..
Sie haben recht, aber was soll ich tun? Ich bin froh das ich lebe und mein Leben als gut und schön bezeichnen kann..Würde mir jemand die Möglichkeit bieten den Menschen dort direkt und effizient zu helfen würde ich es tun..
Aber z.Z. weiß ich nicht wie.
Wir sollten einfach mehr zu schätzen wissen was wir besitzen, mehr können viele von uns nicht tuen.

Ich kann Deine Betroffenheit nachvollziehen, aber Du bist hier mit Deinen Gedanken an der falschen Stelle. Dies hier ist eine Ratgeber-Plattform. Warum rufst Du nicht im "Forum" zum Gedankenaustausch auf?