Frage von Tafelheld, 54

Abgabenberechnung bei Selbstständigkeit - wie berechne ich die Abgaben korrekt?

Hallo!

Ich habe eine Frage bzgl. der Abgaben, die auf einen zukommen, wenn man sich selbstständig macht.

Rechtsform soll eine UG (haftungsbeschränkt) sein. Abgaben die ich Leisten muss: 1. Abgaben für die UG 25% 2. Gewerbesteuer der Kommune (momentan 420 v.H.) 3. Einkommenssteuer 4. Umsatzsteuer

Natürlich noch KK und private Altersvorsorge, aber die möchte ich momentan außen vor lassen.

Werden alle Abgaben immer prozentual vom gesamten Umsatz berechnet oder in welcher Reihenfolge werden die Abgaben verrechnet?

Beispiel: Bei 100 Euro Umsatz, 25 Euro Rücklagen für die AG, von den übrigen 75 Euro dann die nächste etc, oder werden alle Abgaben über diese 100 Euro berechnet?

Evtl. kann mir jemand dies mit folgendem Beispiel einmal erläutern:

Waren werden im Wert von 500 Euro eingekauft und für 700 Euro verkauft. Wie sehen nun die einzelnen Abgaben aus?

Vielen Dank für Deine Hilfe!

Tafelheld

Antwort
von BarbaraHo, 27

Hast du mal irgendwann in einer Schule Rechnungswesen gehabt? Falls nicht, würde ich dir vorschlagen, mal ein gebrauchtes BEL-Schulbuch (nicht zu alt) zu besorgen. Dann kannst du dir das als Vorbereitung ebenfalls zu Gemüte führen. Sicherlich sind da einige Sachverhalte erklärt, die dir als Unternehmer nützen (so als leichtes Vorwissen). Natürlich reicht das alleine nicht aus. Als Ergänzung dann ein Existenzgründerseminar. Dann solltest du auch einen Businessplan erstellen. Hier werden dann eine Unzahl an Fragen auftauchen. Du kannst dir dafür dann auch professionelle Unterstützung durch einen Existenzgründungsberater holen. Vielleicht auch vor dem Seminar mit dem Plan schon recht weit sein, dann kannst du im Seminar auch schon Fragen loswerden. Du brauchst dann auch noch Rat bzw Beratung durch einen Steuerberater und Anwalt.

Wenn du mit deiner Frage meinst, ob du laufend Rücklagen bilden solltest, so finde ich die Idee vorbildlich. Das Problem könnte die Durchführung werden, wenn nicht alles planmäßig verläuft (und davon kannst du ausgehen). Die UG hat Körperschaftsteuererklärung, Gewerbesteuererklärung und Umsatzsteuerjahreserklärung abzugeben. Demzufolge Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer zu zahlen. Ja, einen Teil vom Gewinn musst du der UG zuführen, bis sie zur GmbH wird.

Die pauschalen Sätze von dir haben einen großen Haken: die Bemessungsgrundlage ist nicht der Umsatz! Das ist nur bei der USt so. Aber da ziehst du noch die Vorsteuer ab. Bei den anderen Steuern ist es der Gewinn, der die Bemessungsgrundlage bildet. Allerdings ist der Gewinn bei beiden nicht unbedingt gleich, da durch die Gesetzgebung unterschiedliche Vorgaben gelten (Hinzurechnungen und Kürzungen). Der Gewinn hängt dann natürlich von der Kostenstruktur ab.

Also dir hier alles zu erklären, würde den Umfang sprengen.

Also falls du Rücklagen bilden willst und kannst, dann versuche mal 30 % des Bruttoumsatzes für die Steuern zurückzulegen. Keine 19 % wären dann für die monatliche Umsatzsteuer und der Rest für die anderen Steuern, die erst nach Ablauf des ersten Kalenderjahres berechnet werden. Und dann... Dann kann es passieren, dass du in den ersten Monaten in der Umsatzsteuer fast nur Vorsteuerüberhänge hattest (Erstattungen) und insgesamt einen Verlust erwirtschaftet hast und demzufolge gar keine Steuern fällig werden. Die Rücklagen sind dann ganz nett, aber unnötig - und haben vorher vielleicht zu Liqiditätsproblemen geführt. Anders rum kann auch das Gegenteil erfolgen und du bist froh um die Rücklage. Ab dem ersten Jahresbescheid je Steuerart sollte ggf eine Vorauszahlung festgesetzt werden, damit die Nachzahlung nicht mehr so hoch ist.

Deswegen... Eigne dir Wissen an, investiere in Beratung. Und lasse dir die Buchhaltung von jemanden machen (Buchführungsbüro oder Steuerberater). Wenn du mit der Fibu immer schön ordentlich bist und bei bleibst, hast du das Jahresergebnis immer im Blick (studiere monatlich die BWA).

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 14

Tafelheld? Bist Du Lehrer? Die Frage klingt danach. Das ist schon etwas komplexer als mit einem Tafelbild darstellbar. Jedenfalls wenn es in den einzelnen Steuerarten übersichtlich und halbwegs vollständig bleiben soll.

Was bei Dir nicht notwendig ist. Diese Tiefe kann man sich selbst wohl kaum aneignen und es lohnt der Zeitaufwand und die Akutalisierung nicht. Das wären einfach Kosten, die im Vergleich zum Steuerberater unverschämt hoch wären und keine vergleichbare Qualität in allen Bereichen bietet.

Dann hoffe ich mal Du kannst den Dreisatz? Also nur den: Je mehr desto mehr.

Deine 700 Euro sind 119%. Also durch 1,19 teilen. Dann hast Du die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer - Man könnte auch behaupten das wäre Dein Rechnungsnetto. Wenn es nicht zu viele Möglichkeiten gäbe um die Aussage als falsch zu bezeichnen.

Wenn wir als der rechtlichen Auslegung des Wortes Grundsatz folgen stimmt es aber. Wenn Du nur Umsätze zum vollen USt-Satz tätigst. Bei den Ausgangsrechnungen verfährt man in der Praxis genau so. Allerdings ist da einzeln zu prüfen, ob die jeweilige Rechnung auch zum Vorsteuerabzug berechnet.

Die paar Punkte bitte beim Steuerberater erfragen oder den Buchführungshelfer bitten. Der hat dann auch einen Weg Dir das auf rechtlich einwandfreie Art und Weise zu vermitteln.

Umsätze * 19% = Umsatzsteuer
Netto Rechnungseingang * Steuersätze entweder 7%/19% und daraus die Summe bilden. Summe wird als Vorsteuer von o.g. Umsatzsteuer abgezogen. Ergebnis ist die Zahllast.

An der Stelle sagt mir die Erfahrung machst Du den Kopf zu und fragst Dich, wie soll ich das denn alles machen? Nunja, es ist nicht so kompliziert, wenn man es erst einmal richtig macht.

Allerdings ist es zeitaufwendig und unnötig. Da man eben zur Buchhaltung verpflichtet ist.

Obwohl ich das alles gelernt habe, mache ich das bei Monatszahlung wie folgt: Ich gucke mir meine Zahlungseingänge an. Addiere die mit fünf ungelenken Fingern zusammen und schätze einen Betrag zwischen 20% und 15%. Als Berater hat man kaum Kosten, daher so hoher Prozentsatz.

Dann habe ich eine Größenordnung, was auf dem Konto zu bleiben hat. Das wirklich gemeine ist in den letzten Jahren die Dokumentation solcher Überlegungen geworden. Hier sind im Rahmen der Rechtsprechung so viele Verschärfungen im Bereich Haftung des Geschäftsführers gekommen...

Frage dazu aber nicht Deinen Steuerberater, die verfolgen solche Haftungsfragen oft nicht. Lieber den Unternehmensberater. Der sollte nämlich schon aus wirtschaftlichen Gründen und vor der Rechtsprechung auf diese Ideen gekommen sein und kann das mit wenig Methodenkenntnissen schnell für Dich machbar aufbauen.

Die Umsatzsteuer ist nicht die einfachste Steuerart. Aber sie ist am wenigstens komplex. Daher erspare ich Dir jetzt auch genaueres zu den anderen Steuerarten.

Wer seine Bemessungsgrundlage nicht kennt, dem sagt der Steuersatz ja auch nichts. Aber eine Vereinfachung kann man sich sich trotzdem für das Hinterstübchen bauen.

Du hast von 700 Euro Einnahmen und 500 Euro Ausgaben gesprochen. Waren bei Dir die falschen Begriffe. Verwende bitte die hier, dann stimmts.

Rechne jeweils die USt bzw. Vorsteuer raus. Achtung - bei Löhnen gibt es keine Vorsteuer und es gibt dafür Lohnnebenkosten, die werden bei Kostenschätzungen gern übersehen. Dazu gehören Urlaub, Krankheitsrisiko, Sozialversicherungsbeiträge und auch die Umlagen.

Hast Du also die Netto-Beträge errechnet, dann ziehst Du von den Umsätzen (Einnahmen abzgl. USt) die laufenden Betriebsausgaben (auch netto) ab. Was da über bleibt, dass wäre so etwa ein Gewinn vor Abschreibungen.

Wenn die berücksichtigt werden sollten, dann wird es nicht mehr handhabbar. Weil man sie dann sowohl als Monatszahl, Wochenzahl und Tagesbetrag bräuchte. Aber auch auf Umsatzgrößen beziehen müsste.

Also wieder so ein Ding: Wenn genauer gewollt - Mit Berater reden: Macht das bei Dir Sinn?

Von dem Gewinn kannst Du als Schätzung(!) 25% für die Körperschaftsteuer abziehen und noch einmal 25% für die Gewerbesteuer. Da wäre dann ein Zwischenergebnis: Nämlich was dem Unternehmen jetzt mehr zur Verfügung steht. Oder zum Teil ausgeschüttet werden dürfte.

Bei Ausschüttung käme eine weitere Steuerbelastung. Lasse ich weg, da die Relevanz von Deinem Grenzsteuersatz abhängt. Klingt kompliziert? Stimmt - Man rechnet viel hoch und runter, mit sich immer wieder verändernden Zahlen bis man ein brauchbares Ergebnis hat.

Aufgabe für den Fachmann.

Nicht das ein Einzelunternehmen einfach wäre. Aber ob die UG tatsächlich die für Dich notwendige Rechtsform ist? Du merkst: Hier ist schon der erste Gewinn sofort steuerlich Belastet. Und ob die Haftungsbeschränkung bei Dir greift, dass hängt auch sehr von Vertragspartnern ab.

In der Regel wird in den ersten Jahren ohnehin niemand auf Ziel liefern. Das bedeutet, dass die Haftung nur zu den Kunden hin begrenzt wird. Ob das nötig ist, also welches Risiko da steht?

Bedenke auch, dass Bilanz, Bericht und Steuererklärungen zu höheren Kosten führen als bei einem Einzelunternehmen. Dazu kommen noch die Veröffentlichungskosten.

So - gemein wie ich bin - habe ich jetzt nämlich einen Bogen geschlagen: Ob die Frage der Besteuerung oder Haftungsfreistellung überhaupt wirtschaftlich überprüft wurde. Nur als Tipp, sollte man tun. Gibt genug die das nicht machen und dann Jahr für Jahr Minimum 2.000 Euro mehr ausgeben.

Viel Erfolg.

Antwort
von Geochelone, 25

Werden alle Abgaben immer prozentual vom gesamten Umsatz berechnet ?

Sorry, aber dir fehlen ja alle maßgeblichen Kenntnisse für den Betrieb eines Wirtschaftsunternehmen. So stürzt du dich ins Unglück ! Mach doch erst ein Gründerseminar bei deiner IHK mit !

Kommentar von kevin1905 ,

Und bemühe dann einen Steuerberater....

Antwort
von grubenschmalz, 27

Natürlich noch KK und private Altersvorsorge 

aber die möchte ich momentan außen vor lassen.

Warum? Das ist ein riesiger Brocken. Sinnvollerweise brauchst du hier fast 1000,- im Monat für. 500-800 EUR alleine für die Altersvorsorge.

Antwort
von Griesuh, 6

Da du anscheinend weder etwas über BWL noch das Steuerwesen und die Betriebsformen weißt, rate ich dir ganz dringend, besuche einen Kurs für Existenzgründer.

Dort lernst du  grundlegendes  zur Selbstständigkeit.

Und weiter würde ich anraten, sollte es wirklich bei dir zur Selbstständigkeit kommen, suche dir einen Steuerberater und besuche vorher noch einmal BWL Kurse.

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