Frage von Tageskarte1, 115

Abfindung für Rentnerin?

Hallo,

meine Oma ist ganz aufgelöst. Sie ist jetzt 80 Jahre alt, mit 67 in Rente gegangen, arbeitete aber bis jetzt noch für die Caritas und hat sich um kränkere noch ältere Menschen gekümmert. auf 450 Euro basis. Das Arbeitsverhältnis besteht seit mehr als 10 Jahren. Meine Oma hat sich vor kurzem ihren grauen Star weg operieren lassen, sieht jetzt wieder 1A, war deshalb aber krank geschrieben. Gestern an ihrem ersten Arbeitstag nach der Krankschreibung wurde ihr schriftlich die (fristlose) Kündigung eingereicht. Der Arbeitgeber möchte das Arbeitsverhältnis schon zum 31.05.2016 beenden.

Meine Frage ist nun. Lohnt sich der Verfahrensweg der Kündigungsschutzklage, in der Hoffnung darüber eine Abfindung durchzusetzen, weil der AG höhere Prozesskosten befürchten muss, oder lohnt sich das im Falle meiner Oma eher nicht?

Vielen Dank für eure eventuellen Antworten :D

Antwort
von FordPrefect, 74

Bei korrekt fristgerecht vorgelegter regelkonformer AU kann der AG ohne Begründung ganz sicher nicht fristlos kündigen; die Kündigung muss zudem entsprechend bergündet werden. Selbstverständlich kann er aber fristgemäß kündigen; aber auch für einen Minijob auf € 450.--  Basis gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen; diese wären 4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Bei einer Betriebszugehörigkeit von 10 Jahren verlängert sich die Frist auf 4 Monate (kann im TV abweichend geregelt sein); die Betroffene soll umgehend (Achtung - ganz kurze 14 Tage Frist ab Zugang der Kündigung) Widerspruch gegen die Kündigung einlegen und sofort zum Arbeitsgericht gehen (kostenfrei).

Siehe https://www.minijob-zentrale.de/DE/0\_Home/01\_mj\_im\_gewerblichen\_bereich/20\...

Lohnt sich der Verfahrensweg der Kündigungsschutzklage, in der Hoffnung darüber eine Abfindung durchzusetzen, weil der AG höhere Prozesskosten befürchten muss, oder lohnt sich das im Falle meiner Oma eher nicht?

Das lohnt sich schon deswegen, weil - sofern der TV dazu nichts anderes aussagt - das Beschäftigungsverhältnis frühestens zum 30.9. gekündigt werden kann. Nachdem das Arbeitsverhältnis hier ohnehin schon zerrüttet ist aufgrund der m.E. rechtsfehlerhaften und damit unwirksamen Kündigung seitens des AG, warum sollte da die Dame nicht den Spieß umdrehen und soviel Geld mitnehmen wie möglich?

Antwort
von beangato, 66

Ich würde direkt vors Arbeitsgericht gehen.

Fristlose Kündigung wegen Krankheit ist nicht so einfach durchzusetzen.

http://www.kanzlei-hasselbach.de/2014/fristlose-kuendigung/07/

Krankheit: Grundsätzlich ist Krankheit kein Kündigungsgrund, solange sich die Ausfallzeiten im Rahmen halten. Eine außerordentliche Kündigung ist dennoch möglich, wenn eine Krankheit nur vorgetäuscht wird.

Kommentar von FordPrefect ,

Richtig. Und da hier eine Beschäftigungsdauer von über 10 Jahren - und das in dem stattlichen Alter - vorliegt, besteht erstrecht keine Chance, dass das ArbG das dem AG durchgehen liesse.

Kommentar von Karl37 ,

Da man einen Katarakt (grauer Star) nicht vortäuschen kann, käme das als Kündigungsgrund nicht in Frage.

Antwort
von Ernsterwin, 21

Eine Kündigungsschutzklage ist möglich, wenn in dem Betrieb das Kündigungsschutzgesetz wirkt, also der Betrieb mehr als 10 Vollzeitbeschäftigte hat.

Unabhängig davon ist aber eine Feststellungsklage möglich, mit der das Gericht feststellt, dass eine Kündigung zum 31.05. unwirksam ist, weil die Kündigungsfrist nicht eingehalten wird. Falls der Arbeitgeber nicht "hilfsweise fristgemäß" gekündigt hat, würde das Arbeitsverhältnis dann mindestens bis zur gerichtlichen Klärung zuzüglich der gesetzlichen Kündigungsfrist bestehen. Das wären rund 6 Monate mehr Geld.

Die Klage kann ohne Anwalt direkt beim der Rechtsbehelfsstelle des Arbeitsgerichts eingereicht werden.

Ob darüber hinaus noch eine Abfindung ausgehandelt werden kann, kommt drauf an - siehe auch http://www.abfindunginfo.de/abfindung.html

Antwort
von polenaa, 71

Lass dich am besten direkt vom Profi beraten :)
Es gibt im Internet so eine Art "Rechtsberatungs Hotline" wo du direkt mit Anwälten verbunden wirst die du fragen kannst ob sich das lohnt (kostet aber pro Minute glaube ich 1€ oder so)
Viel Glück dir und deiner Oma :)

Antwort
von eulig, 34

einen Rechtsanspruch auf eine Abfindung gibt es nicht.

allerdings können Tarifverträge hier eine Abfindung vorsehen. dazu müsste deine Oma mal in den Tarifvertrag der Caritas schauen, wie es bei der Caritas geregelt ist.

der Arbeitsvertrag deiner Oma und die tarifvertraglichen Regelungen sind auch maßgeblich für die Kündigung. auch hier lohnt sich ein Blick.

ich kenne weder deren Tarifverträge und auch nicht ihren Arbeitsvertrag. deshalb erlaube ich mir nicht, einen Rat in Richtung rechtliche Schritte zu geben. hier sollte auf jeden Fall auch der Betriebsrat angehört werden.

auch wenn der Arbeitgeber nicht angeben muss, warum er außerordentlich kündigt, kann deine Oma verlangen, dass ihr der Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitgeteilt wird.

alles in allem eine komplizierte Falllage, weil deine Oma schon sehr alt und zudem bereits Altersrentnerin ist. hier wird der Arbeitgeber sicherlich Gründe finden/haben, weshalb er außerordentlich kündigt.

Kommentar von Maximilian112 ,

Ein Grund für eine außerordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses ist gegeben wenn dem Vertragspartner eine Weiterführung des Vertrages nicht zugemutet werden kann.

Alt oder Rentner ist ganz bestimmt kein solcher Grund.

Kommentar von eulig ,

da hast du Recht. Arbeitgeber finden aber für alles mögliche Schlupflöcher, dann vielleicht auch dafür.

Antwort
von hauseltr, 45

Also fristlos ist die Kündigung nicht:

aber:

Der Arbeitgeber hingegen muss längere Fristen zur Kündigung jedoch nach folgendem Schema einhalten:

Mind. 2 Jahre Anstellung – 1 Monat Kündigungsfrist

Mind. 5 Jahre – 2 Monate

Mind. 8 Jahre – 3 Monate

Mind. 10 Jahre – 4 Monate

http://www.kuendigungsfristen.net/arbeitsrecht/minijob/

Kommentar von PeterSchu ,

Fristlos ist die Kündigung nicht, aber trotzdem außerordentlich, weil die Kündigungsfrist nicht eingehalten ist.

Antwort
von Ontario, 16

Ich würde deiner Oma empfehlen, gegen die Kündigung Widerspruch schriftlich einzulegen. Dann evtl. eine Kündigungsschutzklage einzureichen, da sie schon 10 Jahre lang für die Caritas beschäftigt ist. Sie sollte dann durch das Gericht eine Feststellungsklage beantragen. Am besten sofort beim Arbeitsgericht vorstellig werden, damit keine Fristen versäumt werden. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Arbeitgeber die Kündigung zurücknimmt, deshalb könnte am Ende für deine Oma ein Abfindung herauskommen. Diese Chance sollte sie nutzen. Schon erstaunlich, wenn ein Verband wie die Caritas einer Frau die sich schon über 10 Jahre lang um Hilfsbedürftige kümmert, eine Kündigung ausspricht. Da sollte man denen wirklich die "rote" Karte zeigen.

Antwort
von fusselchen70, 52

Ich sehe als Nichtprofi bei diesem Thema keinen Grund, der eine fristlose Kündigung rechtfertigt.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community