Immer wieder ist unser 7jähriger Sohn beleidigt oder total irritiert, wenn wir ihn ein bißchen aufziehen wollen. Ab welchem Alter entwickeln Kinder ein Gespür dafür, daß nicht alles bare Münze ist?
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Gast Zum Kommentar von jokarema am 22.1., 16:52: Wieso kann man dann eigentlich in Romanen die Ironie verstehen? Meine Romanhelden und ihre Art jedenfalls habe ich noch nie persönlich kennengelernt.
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jokaremajokarema
Eine pauschale Antwort würde ich jetzt nicht geben wollen. Manch ein Erwachsener hat diese Erfahrung (was ist Ironie) noch nicht gemacht und nimmt alles für bare Münze. Doch möchte ich sagen, es wird bei deinem Sohn nicht mehr lange dauern und er kann eure Art besser "wechseln". Euer "Augenzwinkern" sollte dabei für ihn deutlich zu erkennen sein. Das Elternwort ist für Kinder in erster Linie eine Richtschnur und der Wahrheitsgehalt für sie sehr wichtig.
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KnowledgeKnowledge
So pauschal kann man das nicht sagen. Es kommt drauf an, wie ironisch du bist. Bei Kindern soll die Ironie schon etwas "direkter verpackt" sein (z. B. mit einem extrem überzogenen Beispiel) und dann erkennen sie sie auch.
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Gast Ich habe den Eindruck, dass in GF auch viele Erwachsene Ironie nicht verstehen
Kommentar von
jokaremajokarema Ist auch schwer. Das nähere Kennen des Gegenüber und seiner Art an sich ist dafür schon wichtig.
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SamuelL Studien dazu reichen weit auseinander: In manchen ist die Rede davon, dass sie Ironie schon im Kleinkindalter verstehen (dass etwa eine Geste nicht zur Aussage passt und sie dann lachen), andere gingen sogar bisweilen davon aus, dass erst Erwachsene ironiefähig seien. Ein Problem, was offenkundig die Forschung hat, ist vielleicht auch eines, das sich Eltern stellen sollten: Was ist Ironie? Wo hört sie auf, und wann beginnt etwa Sarkasmus? Oder ab wann wirkt etwas sogar wie eine Lüge für ein Kind? Ich denke, dass man einmal nach der Komplexität unterscheiden sollte: Wenn man zu einem Kind sagt "Schönes Wetter heute", obwohl es regnet, dann verstehen wohl die meisten Kinder, die der Sprache mächtig sind wohl zumindest, dass das so nicht gemeint war - aber nicht zwingend, was man eigentlich meinte. Pädagogisch sollten Sie sich also vielleicht fragen, was Sie ihrem Kind eigentlich sagen wollen und ob es, wenn Sie ironisch werden, etwas verstehen könnte, das Sie eigentlich nicht bezwecken. Ein zweijähriges Kind wäre bei "Schönes Wetter heute" vielleicht etwas unsicher über den Groll, denn es heraushört, und würde sich vielleicht zu fragen beginnen, ob es etwas für Ihre schlechte Laune kann. Ein zehnjähriges Kind würde sich das an dieser Stelle wahrscheinlich nicht fragen. Wenn Sie auf der anderen Seite sagen: "Also ich finde, dass die Frau X wieder einmal ein höchst vortreffliches Mahl zubereitet und mich dankenswerter Weise davon nehmen gelassen hat, sodass ich mich an diesem Wohlgenusse laben konnte", obwohl sie eigentlich nur ein recht gängiges Essen gekocht hat, das auch ihrem Kind vertraut ist, dann versteht ein Siebenjähriger kurzum nichts und mag sich bestenfalls fragen, warum sie so eigenartig reden. Für einen Sechzehnjährigen könnte es schon wieder amüsant sein. Wenn Sie versuchen mit zu bedenken, ob die Inhalte, über die sie in Anwesenheit eines Kindes reden, überhaupt für dieses in der entsprechenden Situation geeignet sind, dann vermeiden sie Risiken im Hinblick auf den Ironiegebrauch. Und wenn Sie versuchen so mit dem Kind zu sprechen, dass es auf keinen Fall unwirsch gekränkt wird oder das Gefühl bekommt, von Ihnen jegliche Anerkennung entzogen zu bekommen, dann brauchen Sie keine Angst zu haben, dass Ironie wie Sarkasmus oder Zynismus wirkt. Wird aus Ironie nicht Sarkasmus oder Zynismus, dann kann sie durchaus helfen, schwierige Beziehungsaspekte zur Sprache zu bringen und Krisen miteinander in gleichsam aufgelockerter WEise zu bewältigen. Dafür muss man aber auch selbstironisch sein können.
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gurgitiergurgitier
Ich habe mal in der Ausbildung gelernt, das die meisten Kinder ab der ersten Klasse Ironie verstehen können. Habe aber auch festgestellt, das einige Kinder dies schon im Kindergarten (letztes KGJahr)verstehen. Aber es wird bestimmt nicht mehr lange dauern, bis er es versteht. lg
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MandyM88 Hallo, ich studiere auf Lehramt(Deutsch und Französisch im 7. Semester) und habe an der Uni gelernt, dass Kinder im Alter von 10-11 Jahren beginnen, Ironie und Witze zu verstehen.
Liebe Grüße
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IjanaliI Lapp beschreibt in "Linguistik der Ironie", dass Kinder unter 6 Jahren wahrscheinlich nicht die Inkongruenz in der Aussage erkennen und deshalb die Ironie nicht nachvollziehen können.
Ein Gespür für Lüge (als bewertete Ironie) und die Intention des Sprechers entwickeln Kinder schlussfolgernd also ab dem 6. Lebensjahr.
Vielleicht hilft es deinem Sohn, die Motive des Sprechers zu erforschen.
Schöne Grüße und ein Augenzwinkern an deinen Sohn!
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SamuelL Aber konkret zu Ihrer Frage: Wenn Sie es nicht böse gemeint haben, sich aber Ihr Sohn ärgert, warum fragen Sie ihn nicht einfach, was ihn daran geärgert hat? Davon haben Sie wahrscheinlich mehr, als Ihnen die Ironieforschung, Psychologie und Pädagogik dazu sagen könnten - zumindest ist die Quelle zuverlässig.
Das hängt damit zusammen, dass Sie eine Ausdrucks-Kontext-Inkongruenz feststellen: Was jemand sagt (oder ihm vom Autor in den Mund gelegt wird), passt nicht zu dem, was Sie von ihm erwarten oder was die Umstände, in denen er es sagt, erwarten lassen. So funktionieren Ironisierungen im Allgemeinen. Aber so wie nicht jeder imstande ist, das in der Alltagssprache mit zu bekommen, so ist auch nicht jeder imstande, das im Roman wahrzunehmen. Eine allgemeine psychologische Grundlage dafür ist diese, dass jemand, der Ironie versteht, seine Erwartungen an sich selbst von diesen an einen anderen unterscheiden kann(damit tun sich Kinder bis zu einem gewissen Alter schwer, aber das kann man z.B. mit Ironie auch befördern). Wer das nicht kann, bzw. daran kein Interesse hat, der wird auch wenig Interesse an Romanen haben. Aber auch im Roman kann man unterscheiden zwischen der Wortironie (also der Ironie, die ein Protagonist an den Tag legt) und der Ironie der Erzählung selbst. Z.B. in einigen Romanen Michel Houellebecqs ist relativ wenig Wortironie zu finden, dafür belaufen sich die Erzählungen selbst auf eine ironische Pointe. Diese dürfte wiederum vielen Lesern entgehen, die primär bei der Schilderung von Handlungsabläufen ihr vorrangiges Vergnügen haben und darauf ihre Konzentration verwenden.