Frage von liquorcabinet, 73

Ab wann zeigte sich während des ersten Weltkriegs allgemeiner Unmut in der Bevölkerung?

Also,

zunächst war es doch so, dass alle Soldaten geradezu vorfreudig in den Krieg zogen. Wann kam es zur Hungernöten, zur sozialen Problemen in Deutschland und zur Lustlosigkeit der Soldaten?

Aus einem Artikel habe ich: Auch an der Front sammelte sich viel sozialer Zündstoff an: "Für die verdammten Preußen und Großkapitalisten halte ich meinen Schädel nicht länger hin", schrieb ein Soldat in einem Feldpostbrief vom August 1917. Das war keine Einzelstimme. "Gleiche Löhnung, gleiches Fressen, wär’ der Krieg schon längst vergessen", lautete ein beliebter Spruch in den Schützengräben.

Also dachten die deutschen Soldaten, wenn sie den Krieg gewinnen würden, würde die Schere zwischen arm und reich nicht mehr so hoch sein und sie würden großzügig ausgezahlt werden?!

Antwort
von Modem1, 45

Nach überlieferung meiner Oma war 1917/1918 mit Nahrungsmittel eine Knappheit eingetreten was sich vor allem bei den Arbeitern und Angestellten bemerkbar machte.Die Reichen hatten vorgesorgt mit Anlegungen von Vorräten.Der Unmut gipfelte im November 1918 mit dem Matrosenaufstand in Kiel.

Antwort
von Hegemon, 30

Allgemeiner Unmut zeigte sich schon 1914. Noch während der Julikrise gab es Massendemonstrationen gegen den Krieg. Während des Krieges sowieso.

Daß "alle Soldaten" 1914 kriegsbegeistert gewesen seien, ist zeitgenössische Propaganda, die später von den Nazis kolportiert wurde und sich bis heute erhalten hat. Die Realität sah anders aus. Ein "Augusterlebnis" hat es höchsten in manchen bürgerlichen Kreisen gegeben.

Der Unmut in der Bevölkerung nahm freilich von Jahr zu Jahr zu - und entlud sich schließlich in der Novemberrevolution.

"Also dachten die deutschen Soldaten, wenn sie den Krieg gewinnen würden,
würde die Schere zwischen arm und reich nicht mehr so hoch sein und sie
würden großzügig ausgezahlt werden?!"

Glaub ich nicht. Den kleinen Leuten hat man noch nie etwas geschenkt. Es gab keinen Grund, jetzt etwas anderes anzunehmen.


Antwort
von voayager, 9

Es ist eine irrige Annahme und Fehlinformation in einem, anzunehmen, dass alle Soldaten begeistert in den Krieg zogen. Dies war so bei der akademisch-bürgerlichen Jugend der Fall, recht selten jedoch bei den jungen Arbeitern, deren Unmut die Medien bewußt übersehen.

Die Kriegsstimmung verdüsterte sich schon nach einigen Monaten, als ersichtlich wurde, dass sich kein leichter Sieg einstellt, stattdessen nur gestorben wurde.

Antwort
von lesterb42, 9

1914. Die sogenannte Kriegsbegeisterung dürfte nur in den Städten vorgeherscht haben. Auf dem Lande, wo die meiste Bevölkerung gelebt hat, war die Stimmung deutlich schlechter, weil die jungen Männer als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gefehlt haben und die Sache hoch gefährlich war, dass sie nicht und schwer verletzt wiederkommen.

Antwort
von palzbu, 38

Es ist doch immer der gleiche Mist seit tausenden von Jahren. Die "Obere Etage" in einem Land, also Reiche die noch reicher werden wollen, Waffenhersteller und gewissenlose Menschen die sich irgendwelche Vorteile versprechen wollen Krieg. Das gemeine Volk wird angelogen (wenn wir den Krieg gewonnen haben, sind wir alle reich) und aufgehetzt (diese Untermenschen die wir besiegen werden sind nicht wert zu leben). Wenn dann die ersten toten Soldaten heimgebracht werden, fangen die Leute an zu denken. Wenn man dann trotz Lügenpropaganda merkt, dass der Krieg doch kein Spaziergang wird, wenn man sich dann auf der Verliererstraße befindet, merkt meist auch der Dümmste, dass er mal wieder hereingelegt wurde.   Glaube nicht dass das heute anders ist. Was haben wir in Afghanistan erreicht außer 50 tote deutsche junge Soldaten???? Krieg wollen immer die "Oben" den Kopf hinhalten tun immer die Deppen. Was glaubt`s du wie viele der Bundestagsabgeordneten die für den Afghanistan Einsatz gestimmt haben, würden in den Kampfeinsatz gehen?? 

Ich wäre dir grenzenlos dankbar wenn du mir einen Namen nennen könntest. 

Antwort
von agrabin, 23

Also dachten die deutschen Soldaten, wenn sie den Krieg gewinnen würden, würde die Schere zwischen arm und reich nicht mehr so hoch sein und sie würden großzügig ausgezahlt werden?!

Nein, das haben sie nicht gedacht. Sie wussten ja für wen der Krieg geführt wurde.

Wenn alle Menschen, d.h. Franzosen, Briten Engländer, Deutsche, usw. gleiche Lebensbedingungen hätte und es nicht die Schere zwischen Arm und Reich gäbe, würde es gar keinen Krieg geben.

Kommentar von liquorcabinet ,

Der erste Weltkrieg entstand aber nicht aus sozialer Ungleicheit/sozialen Unruhen.

Kommentar von agrabin ,

Nein, das tun Kriege zwischen Ländern i.d.R. nicht. Die Interessen für  einem Krieg sind aber die der Politik und die von Leuten, die davon wirtschaftlich profitieren. Die "kleinen Leute" haben keine Vorteile durch einem Krieg. Eine "großzügige Auszahlung" besteht u.U. in einer schmalen Witwenrente.

Sind denn die Bedürfnisse der deutschen oder französischen Arbeiter so unterschiedlich, dass sie dafür in einen Krieg ziehen müssten?

Antwort
von lupoklick, 13

Probleme mit Lebensmitteln gab es im "Steckrübenwinter" 1916/17

als sogar Kaffee-Ersatz aus jenen "Mecklenburger Ananas" geröstet wurde....

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