Frage von NewKemroy, 54

Ab wann wird Bildung unethisch?

Im Prinzip ist es ja möglich und kommt wahrscheinlich auch häufig vor, dass ein junger Mensch extrem überdurchschnittlich viel Zeit, Energie und Geld in seine eigene Bildung steckt (oder dessen Eltern), einzig mit dem Ziel hinterher mehr Geld zu verdienen und mehr Macht zu besitzen, als andere Menschen.

Aber wo ist die Grenze? Und wo beginnt der Wucher mit den eigenen Potenzialen?

Antwort
von gm125, 16

Erstmal zur Bildung: Du redest ja von einem jungen Menschen, also gehe ich jetzt einfach mal lediglich von Schule & Studium aus.

Die Kosten, die für die Schule anfallen sind verschwindend gering. Die Ressourcen Zeit und Geld kann jeder Mensch für sich selbst einteilen und da hier eine Chancengleichheit vorherrscht, d.h. dass jeder max. gleich viel investieren könnte, kann man überhaupt nicht von etwas "unethischem" sprechen, wenn jemand in der Schule gut ist bzw. viel in die Schule investiert. (Kann ich auf Nachfrage auch gern nochmal genauer ausführen)

Für das Studium gilt im Grunde genommen das Gleiche, allerdings haben es hier vermutlich Kinder von reichen Eltern leichter. Damit diese Chancendifferenz eingegrenzt werden kann, gibt es das Bafög. Im Studium muss man eh viel Zeit und Energie aufbringen, wer das nicht macht ist entweder ein Genie (selten der Fall) oder faul und bringt das Studium nicht zu Ende (oft der Fall).

Die Ausbildung habe ich mal außen vorgelassen, da junge Menschen, die "überdurchschnittlich" viel investieren, oft auch die Ambition besitzen, zu Studieren. Andere Bildungsmaßnahmen könnten höchstens als unethisch bezeichnet werden, wenn sie so angeboten werden, dass nur exklusive Gruppen (finanziell, diskriminierend etc.,) daran teilnehmen können.

Aber Ethik ist immer etwas Subjektives. Wenn man als normaler Mensch alles daran setzt sich Wissen anzueignen, kann das ja mit besten Willen nicht verwerflich sein oder? Die Konsequenz daraus dass sowas verwerflich sei, wäre ja, es gesellschaftlich allen zu verbieten sich viel zu bilden. Bitte mal dir das mal zu Ende aus...

Ich rätsel gerade auch darüber, was deine Motivation für die Frage war? Wollen deine Eltern, dass du neben der Schule noch was für deine Zukunft machst? Hast du selbst ein Kind, das aus dem Grund der ethischen Verwerflichkeit von Bildung nur chillt? Denkst du random über sowas nach und kommst da wirklich nicht alleine auf eine Lösung?

Zum Schluss: Macht und Geld ist auch nicht verwerflich. Der Umgang damit und wie man daran kommt hingegen kann "unethisch" sein, das ist allerdings ein ganz anderes Thema.

Hoffe ich konnte weiterhelfen

Kommentar von NewKemroy ,

Ja, vielen Dank. - Wie würdest Du es bewerten, dass einige wenige Eltern ihr vierjähriges Kind zusätzlich noch Chinesisch lernen lassen?

Ich denke einfach es gibt Grenzen. Die Frage ist nur wo? Wenn z.B. Eltern aus ihren Kindern Soziopathen machen, also Menschen mit einer ausgeprägten antisozialen Persönlichkeitsstörung, dann gibt mir das schon zu denken und so komme ich auf solche Fragen.

Kommentar von gm125 ,

Okay an so junge Menschen habe ich gar nicht gedacht. Menschen sind in so einem Alter noch viel unselbstbestimmter und formbarer und können Schädigungen aus dieser Zeit ihr ganzes Leben lang mit sich herumtragen.

Meine Mutter hat Chinesisch studiert und wollte mir das früher immer son bisschen beibringen :D Jetzt kann ich nicht mal mehr bis 10 zählen. Ich hab mich da früher auch immer ziemlich gegen gewehrt (bockig sein, abblocken) und meiner Mutter gesagt dass ich da überhaupt keine Lust drauf habe.

Was wichtig ist, ist, dass das Kind die Entscheidung selber trifft (komischer Satz :D). Wenn ein 4-jähriger Junge Asiaten cool findet wär das doch der Hammer. Bei solchen Geschichten kann man manchmal aber auch über die Sinnhaftigkeit streiten.

Den zweiten Absatz kann ich so unterschreiben

Kommentar von NewKemroy ,

Na, ich bin vielleicht etwas von meinem Kernpunkt abgewichen. Nehmen wir mal Sportler. Natürlich kann jemand, der extrem viel Zeit trainiert, wenn er gute Anlagen hat, alle Konkurrenz auf die Plätze verweisen. Aber ist das der Sinn? Und vor allem ist das der Sinn, wenn diese Person, dadurch dass sie soviel Zeit in das Training investierte nur eine mangelhafte Sozialisation unter Menschen erfahren hat und sich nun als Übermensch wähnt? Und nun im Bewusstsein seiner Übermenschlichkeit die Konkurrenz wie Ungeziefer zertritt und sich königlich bezahlen lässt.

Oder müsste die Selbstoptimierung nicht viel stärker vom Gedanken, der Gesellschaft zu dienen, anstatt davon sie hinter oder unter sich zu lassen getragen sein?

Kommentar von gm125 ,

Du denkst viel zu speziell und nicht allgemein, hast die Frage allerdings allgemein gestellt.

Ziel kann auch sein: Spaß haben am Sport, Spaß daran haben sich selbst zu verbessern, oder Spaß am Wettbewerb (ich zum Beispiel bin einfach sehr ehrgeizig und freue mich über das Gewinnen, über den Wettkampf/das Spiel hinaus wirkt sich das dann aber nicht aus)

Mangelhafte Sozialisation: Kann sein, muss aber nicht. Bei vielen Sportarten setzt der Körper ein Trainingslimit und es ist noch genug Zeit da, um Familie & Freunde zu treffen

Generell: Sporttraining=Bildung zum Geldverdienen und Macht erlangen?

Übermenschlichkeit und alles was du dazu geschrieben hast: Die beispielhafte Person könnte auch auf hundert andere Weisen denken

Der Gesellschaft dienen: Sehe das jetzt keinen Zusammenhang und nicht zwingend den angeprangerten Widerspruch zu dem Verhalten des imaginären Sportlers

so ich hoffe das reicht. 

Kommentar von NewKemroy ,

Ich schreib ja schon gar nx mehr.

Antwort
von GermanGold, 28

Ich finde, der "Wucher" beginnt dann, wenn deine Ziele (die du mit der Bildung erreichen willst) außerhalb deiner eigenen Person liegen.. Geld, Macht, Arbeit, usw sind solche "außerhalb liegenden Ziele" ... spätestens aber dann, wenn die Energie und die Zeit, die man investiert, dich körperlich und geistig überfordern, dann ist der "Wucher" auf jeden Fall erreicht.


Kommentar von gm125 ,

Hast du deinen Gedankengang mal zu Ende gedacht? Wenn Geld ein außerhalb meiner Person liegendes Ziel ist, was ist dann noch "innerhalb"? Meiner Meinung nach bleibt da nichts übrig, da Geld der Schlüssel zu allem ist. (z.B. auch Familie, wie zieht man ohne Geld Kinder groß?)

Und zu deinem zweiten Teil: Überforderung kann man mit Training entgegenwirken (bezogen auf die geistige). Körperliche Überforderung durch viel Zeitaufwand im Bildungsbereich kann ich mir gerade schwer vorstellen.

MfG

Kommentar von GermanGold ,

"innerhalb" wäre Geistiges, Mentales, usw. und "körperliche Überfoderung" wäre in meinem Bsp durch geistige Überlastung entstanden. MfG

Kommentar von gm125 ,

Okay. Meiner persönlichen Meinung nach ist es völlig in Ordnung sich durch Bildung Geld, Macht und eine erfüllende Arbeit zu verschaffen.

Das womit man im ersten Moment wahrscheinlich noch am meisten hadert ist die Macht. Aber mein Gott, wenn das jemand will und sich die Möglichkeit mit Können verdient, kann es ihm oder ihr keiner verübeln. Es muss immer jemanden geben, der sagt wo es lang geht und der, der am Meisten Ahnung hat sollte das auch machen. Die Art wie dann Macht ausgeübt wird, steht auf einem anderen Blatt.

Zum Geld: Geld ist in unserer Gesellschaft der schlüssel zu fast allem. Und das ist auf keinen Fall schlecht, sondern einfach das Upgrade der einzigen anderen reibungslos ablaufenden und wirklich funktionierenden Alternative für den egoistischen Menschen, nämlich den Tauschhandel. Geld eröffnet Möglichkeiten für jede Form von Konsum und Wohlstand. Auch die Liebe hängt mit dem Geld zusammen. Wer möchte denn seinen Liebsten nicht etwas bieten können?

Und sich selber über den Weg Bildung die Arbeit zu verschaffen, die man haben möchte kann doch auch nicht ethisch verwerflich sein.

Kommentar von NewKemroy ,

Schreiber beugt sich von seinem Computer weg und ruft durch den Türspalt: "Also Kevin, Wirtschaftswissenschaften! Und nach einem Praktikum bei der Bank wirst Du Fond-Manager, dass das klar ist! Machst Du jetzt endlich deine Hausaufgaben!!!"

Kommentar von NewKemroy ,

Auf jedenfall wird die Grenze durch die Ziele definiert. Zu dumm nur, dass man sich am Anfang seines Bildungsweges darüber nur wenig vernünftige Gedanken machen kann.

Antwort
von yoda987, 26

Solange Bildung umsost bleibt ist da nichts verwerfliches dran. Leider haben  einige Elite Unis den Nutzen ihrer Kontakte und Möglichkeiten zum Vorteil ausgespielt und machen damit Geld an den Schülern (deren Eltern). Da fängt bei mir die Ungerechtigkeit an und die Tatsache, dass ebend nicht jeder schaffen kann was er möchte.

Kommentar von NewKemroy ,

Aber hieße das nicht jemand anderes bezahlt für das Saatgut, den Dünger und die Nutzung landwirtschaftlicher Maschinen (Maschinenpark), aber das was hinterher geerntet wird, bzw. der Erlös hieraus, bleibt Eigentum des Bauern?

Kommentar von yoda987 ,

Klar...nur warum bekommen die einen von Anfang an die beste Kreuzung und dürfen damit anfangen zu sähen und die anderen bekommen Standard Samen die gerade so ausreichen um den Standard hin zu bekommen...ist doch ungerecht fürs Individuum. Was kann das Kind dafür, wenn es die Eltern verkakkt haben oder weniger haben als die anderen? 

Kommentar von gm125 ,

So funktioniert der liebe Staat ist das nicht toll? Ich merke mir deinen Satz für den Fall das demnächst mal wieder ein rechter Systemaussteiger um die Ecke kommt, der Satz war echt gut formuliert

Kommentar von yoda987 ,

Ist doch seine Sache wenn er kein Bock auf Arbeit hat. Heißt noch lange nicht, dass es Grund genug ist  jemanden verhungern zu lassen oder zu verachten. 

Kommentar von gm125 ,

war bezogen auf den satz von kemroy

Antwort
von kevin1905, 8

Es gibt keinen.

Man kann nicht zu gebildet sein, zu glücklich oder zu viel Geld haben.

Kommentar von gm125 ,

Prinzipiell schon, aber es gibt auch psychisch kranke Menschen die dabei übertreiben

Kommentar von kevin1905 ,

Das stimmt wohl, dass es psyschich kranke Menschen gibt, aber ich seh die Korrelation nicht.

Antwort
von rotreginak02, 20

Ob es beim Erwerb von Bildung immer und jedem darum geht, später mehr Macht und Geld als andere zu besitzen, wage ich zu bezweifeln. In diesem Zusammenhang kann ich dir die Frage nach Ethik und Wucher nicht beantworten.

Da finde ich folgende Aussage zutreffender:

"Wenn Sie meinen, Bildung sei teuer- was glauben Sie, kostet Dummheit?"

Kommentar von NewKemroy ,

Wenn Kosten und Nutzen etwa gleich groß und vor allem untrennbar
vereint oder gekoppelt wären, z.B. in einer Einheit wie einer Großfamilie, dann ist das sicher super.

Aber denken wir mal an Spanien, wo gut ausgebildete Leute nun in Scharen das Land verlassen. Da zahlen die Zurückgebliebenen einen hohen Preis, obwohl sie in Bildung investiert hatten.

Kommentar von rotreginak02 ,

Hier vermischt du aber gleich mehrere Konponenten. Worum geht es dir eigentlich? Dass Bildung verwerflich ist...wenn man damit später mehr Geld verdient als andere? Oder geht es dir um Wirtschaftskrisengebäutelte Länder un die Folgen der Abwanderung des geistigen Kapitals?

P.S.: diese Frage brauchst du mir nicht unbedingt beantworten....aber stelle sie dir mal selber. ----

Kommentar von NewKemroy ,

Das ist noch etwas im Fluss. Ich suche wohl die Gerechtigkeit selbst. Und die kann ich wohl entweder dadurch erreichen, indem ich sage, wer den "Nutzen hat trägt auch die Kosten", oder "wer den Nutzen hat sollte nicht überheblich werden sondern auch der Gesellschaft damit dienen" (wenigstens dadurch, dass er anständig seine Steuern bezahlt).

Antwort
von KalifvonBerlin, 17

ethik, moral, skrupel, gesetzestreue und so dinge, sind total hinderlich, wenn man richtig erfolgreich sein will

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten