Frage von Till87, 43

Ab wann (wenn ihr Buddhisten seid) habt ihr euch als Buddhisten bezeichnet?

Einerseits denke ich mir, dass es zum praktizieren völlig unnötig ist, sich als Buddhist zu bezeichnen, andererseits merke ich aber, dass wenn man sich als Buddhist bezeichnet, auch mehr Ansporn hat, den Buddhismus zu praktizieren. Darum wollte ich einmal fragen, ab wann ihr euch als Buddhisten bezeichnet habt und ob ihr auch konvertiert seid. In Österreich ist das ja möglich. Ich glaub in Deutschland nicht. Danke ...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ArbeitsFreude, 21

Ich habe mich als Nichiren-Buddhist bezeichnet seitdem ich die offizielle "heilige" Schriftrolle der Nichiren-Buddhisten, den Gohonson, offiziell von einem Soka Gakkai (größte Gemeinschaft der Nichiren-Buddhisten) -Verantwortlichen überreicht bekommen habe.

Das war 2008 - Wie Enzylexikon richtig geschrieben hat, geht das mit dem Konvertieren hier in D nicht.

Ich habe allerdings die gleiche Sache wie Du beobachtet: Wenn man sich als Buddhist bezeichnet, handelt man auch "buddhistischer" bzw. praktiziert eher.

Ansonsten dürfte ich mich lt. NewKemroy überhaupt nicht als Buddhisten bezeichnen, da die Nichiren-Buddhisten die precepts 3 und 5 nicht beherzigen - zumindest nicht durchgehend:)

...liegt sicher daran, dass wir eine Laienorganisation sind...

Antwort
von NewKemroy, 23

Für mich war das immer nur ein Wort. Also nix als Blabla. Sicher gab es einen Zeitpunkt wo ich mich als Buddhisten bezeichnet hatte. Allerdings nicht mit Inbrunst und nicht so dass ich unbedingt Wert darauf gelegt hätte etwas zu sein was man Buddhist nennt.

Ich glaube daraufgekommen war ich als ich in einem Buch von Buddhadasa Bhikkhu gelesen hatte, indem er schrieb, man sei Buddhist, sobald man einen Nutzen aus der buddhistischen Lehre zieht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht meditiert.

Neben der zeremoniellen Zufluchtnahme könntest Du Dich auch als Buddhist bezeichnen, wenn Du die Sila (Sittenregeln) auch genannt die "five precepts" achtest, anerkennst, versuchst zu befolgen oder einhältst.

Diese Fünf wären:

Nicht töten.

Nicht stehlen.

Keine sexuellen Handlungen vorzunehmen.

Nicht Lügen.

Und keine berauschenden Mittel (Alkohol) zu sich zu nehmen.

Kommentar von Till87 ,

Kein sexuelles Fehlverhalten, oder? Weil das man auch als Laie den Zölibat leben soll stimmt ja nicht, oder?

Kommentar von NewKemroy ,

Die Frage hat mich auch schonmal gejuckt. Genaues gefunden habe ich allerdings nichts. Ausgenommen den Pali-Text, aber wer kann schon Pali? Ich vermute gemeint ist vor allem eine sexuelle Betätigung, also sowohl Geschlechtsverkehr als auch Masturbation zu dem Zweck sich Lustgefühle zu verschaffen. Das wäre vernünftig.

Kommentar von NewKemroy ,

Jetzt habe ich es doch gefunden. Also bei den 5 Tugend-Regeln heißt es: Kein sexuelles Fehlverhalten (kein Zölibat-Charakter). Bei den 8 Tugend-Regeln ist es dann mit zölibatärem Charakter.

Von 5 auf 8 schaltet man z.B. um, wenn man auf ein Meditations-Retreat (Kurs) geht. Und hinterher wieder zurück.

Kommentar von Till87 ,

Und welcher Richtung gehörst du an?

Kommentar von NewKemroy ,

Theravada-Buddhismus.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 25

In Deutschland ist der Buddhismus keine anerkannte Religionsgemeinschaft im Sinne einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und daher kann man auch rein amtlich keine buddhistische Konfession angeben.

Für mich ist jeder Buddhist, der die buddhistische Lehre annimmt, Buddhismus praktiziert und dabei keine Patchwork-Religiosität betreibt.

"Buddhist" habe ich mich erst genannt, nachdem ich formell, im Rahmen einer Zeremonie die so genannte "Zufluchtnahme" absolviert hatte - also dass, was man im landläufigen Sinne vermutlich als "offiziell konvertiert" bezeichnen würde..

Kommentar von Till87 ,

Und wie ist die Zufluchtnahme abgelaufen? Du nimmst Zuflucht zu den drei Juwelen Buddha, Dharma und Sangha, nicht?

Kommentar von Enzylexikon ,

Dafür gibt es im Zen eine Zeremonie die "Jukai" (Empfangen der Gelübde) genannt und gemeinsam mit der Sangha begangen wird.

Man spricht das Gelübde, sich zu den drei Kostbarkeiten zu bekennen, verspricht die Einhaltung der drei Grundgelübde (handele gut, unterlasse böses, handele zum Wohle anderer) und die Befolgung der zehn Gelübde des Bodhisattva. 

Insgesamt werden also in der Soto-Tradition von einem Laien im Rahmen der Jukai-Zeremonie 16 Gelübde abgelegt.

Man erhält dann das Rakusu (einen Stofflatz, der das Gewand Buddhas symbolisiert und das man in den Monaten zuvor unter Anleitung genäht hat) und einen Dharma-Namen.

In einigen Fällen erhält man auch ein Kechimyaku (Traditionslinie, die sich bis auf Buddha zurückführt), aber das wird wohl zwischen den verschiedenen Gruppen unterschiedlich gehandhabt.

Kommentar von Till87 ,

Und wie lange hast du gebraucht, um die passende Richtung im Buddhismus für dich zu finden?

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich denke, das ging vergleichsweise rasch.

Ich hatte mich ja schon vorher mit verschiedenen Religionen inkl. des Buddhismus befasst und meditiert, bin dann näher in Kontakt zum Zen gekommen und dann festgestellt, dass mir diese Ausprägung am meisten zusagt.

Die eigentliche Entscheidung für Soto-Zen hatte ich innerhalb eines Jahres getroffen und mich dann tiefer in das Thema eingearbeitet, Kontakte geknüpft usw. Natürlich gab es nicht sofort die Jukai.

Antwort
von derMannohnePlan, 15

Für einen wahren Buddhisten ist es belanglos sich Buddhist zu nennen.

Es geht darum sich von seinem Ego zu befreien, das nicht mehr bewertet und kein Verlangen hat.

Wir denken, das der Mensch, dessen Geist sich mit seinem Glauben beschäftigt, heiliger ist als der Mensch, der an Geld denkt. Doch sie sind praktisch beide das gleiche. Beide wünschen Ergebnisse!

Das Bild im Anhang, trifft es am besten.

Antwort
von suziesext10, 7

sowas wie Buddhisten gibts eigentlich gar nicht. Wenns aber denn hilft, die Buddha-Lehre etwas konsequenter auszuüben, na denn. Im Altbuddhismus, da hat es gereicht, und reicht heute immer noch beim Theravada, wenn ein Laie (Nichtmönch) feierlich gesagt hat:

So nehme ich meine Zuflucht zum Buddha, dem Erwachten; so nehme ich meine Zuflucht zum Dhamma, dem Lehrprinzip des Erwachens; so nehme ich meine Zuflucht zur Sangha, der Gemeinschaft der Erwachenden.

Du bist dann ein Upasaka, ein Dabeisitzender, Hörender, und das ist wohl so ein Wort wie 'Buddhist'. Du musst ansonsten keine Gelübde ablegen, kriegst aber Ratschläge mit auf den Weg, wie du künftig dein Leben gestalten sollst, um dein seelisches Klima günstig zu beeinflussen. Wie du ansonsten deinen Tag gestaltest, ob und welche spirituellen Übungen zu machst, das ist ausschliesslich deine Entscheidung. In der Buddha-Lehre gibt es keine Sünde; alles üble, das du tust, tust du immer auch dir selber an, wie mit dem Hammer auf deinen Fuss zu kloppen, zum Beispiel.

Kommentar von ArbeitsFreude ,

Danke für Deine Antwort, liebe Suziesext!

Wollte mal wieder was fragen, was der FS vielleicht auch noch nicht weiß: Warum sprechen sehr viele Buddhistische Strömungen vom "Zuflucht nehmen"? (ich meine: Wir Nichirens kennen das nicht...)

Woher kommt der Ausdruck?

Ich meine: Ich war nicht auf der Flucht, bevor ich den B. kennenlernte (außer vielleicht vor mir selbst?)

- bzw. wenn mich ne Mörderbande verfolgt, hätte ich jetzt nicht so das volle Zutrauen, dass ich zum Dharma Zuflucht nehmen könnte...:)

Kommentar von suziesext10 ,

das Wort in der Buddha Sprache Pali heisst: Buddham saranam gacchami, dhammam saranam gacchami, sangham saranam gacchami. Und ist eben die älteste Formel, die ziemlich sicher noch aus der Buddha Zeit stammt. Mit Zuflucht ist in dem Fall konkret gemeint: du bist am Untergehen, am Absaufen, ich hab mich total verlaufen und verirrt, ich bin tief verwirrt ratlos und unglücklich, und du sagst dann: Ich nehme meine Zuflucht, heisst, ich halt mich nicht an Drogen oder religiöse Wahnvorstellungen oder an Sexbeziehungen oder ans Fressen und Saufen, sondern an das Lehrprinzip des Erwachens Dhamma)  als fixes Ziel. Nicht der Buddha hilft dann, sondern indem du den ganz real Erwachten in deinem Geist erstehen lässt. Die Zufluchtnahme stärkt dann deine mentalen Selbstheilungskräfte.

Kommentar von ArbeitsFreude ,

Oh, prima - ja - so ähnlich hätte ich das vermutet, aber gewusst habe ich`s nicht...:)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten