Frage von Antifascist, 180

Ab wann spricht man von Sucht (in Bezug auf SVV/Ritzen)?

Hi. Also, ich ritze mich seit ca. 3 Jahren immer mal wieder.. das bedeutet: in schlechten Zeiten allerhöchstens 5 Mal im Monat, ansonsten eher weniger. Früher war es öfter, aber nur so kleine Kratzer, mittlerweile ist es halt echt selten und tiefer... nur habe ich seit ca. 4 Monaten eine richtig fette Narbe am Arm, was für mich der Grund war nur noch so tief zu schneiden, dass es zwar wehtut aber keine Narben bleiben. Ich will echt keine Narben haben. Vermutlich könnt ihr das Thema nicht mehr sehen aber... mein Problem ist einfach, dass ich wenn ich sauer/traurig bin, mir nicht anders zu helfen weiß als mich selbst zu verletzen. Ich will niemand anderes verletzen aber ich kann in solchen Situationen auch nicht rumsitzen, heulen und nichts tun. Ich gebe zu dass ich einfach diesen Schmerz liebe (hab auch so ne BDSM Neigung :D), aber naja..

Ein guter Freund weiß darüber Bescheid und hilft mir auch echt, ist immer für mich da usw., aber zum Beispiel gestern meinte er dass er mir nicht helfen kann und es ihn fertig macht (er liebt mich..). Er meinte außerdem, ich sei depressiv.... und süchtig und befände mich irgendwie bei "Schritt 1: Nichterkennen der Sucht"... aber da ich das ganze so selten mach kann ich mir echt nicht vorstellen warum ich süchtig sein soll. Das Ritzen beruhigt mich einfach, so wie es andere beruhigt mit anderen über die Probleme zu sprechen.. der Schmerz vergeht wieder und wenn keine Narben bleiben, ist doch alles gut oder nicht?

Zum Psychologen kann und will ich übrigens nicht gehen, also bitte gebt mir anderweitig Tipps... bzw: Bin ich süchtig? Ab wann spricht man da von einer Sucht? Und ist das echt so schlimm, wenn es mir hilft und doch eh keine Schäden hinterlässt?

Antwort
von EinNarr, 160

Es besteht ein gravierender Unterschied zwischen einer Sucht und einem angelernten Verhaltensreflex.

Von einer Sucht kann man in deinem Falle nicht sprechen, du verhältst dich, so im Therapiejargon gesprochen, lediglich dysfunktional. Es ist ein angelernter kausaler Zusammenhang, der schlussendlich im Selbstverletzendem Verhalten (kurz: SvV) mündet.

Das ist meist ein Fall für die Verhaltenstherapie, die es sich mitunter zum Ziel nimmt, diese Kette zu unterbrechen bzw. Alternativen aufzuzeigen. Aktuell, mal ganz vereinfacht dargestellt, ist die Kette folgende:

Auslösendes Ereignis -> Entwicklung heftiger Emotionen -> Selbstverletzung als Regulator

Dein Problem ist keine Sucht, dein eigentliches Problem hast du selbst benannt:

"ich [...] mir nicht anders zu helfen weiß als mich selbst zu verletzen."

Genau das gilt es zu verändern. Ziel ist es funktionale Regulatoren zu finden für diese Situationen. Diese nennt man in der Therapie Skill. Ein Skill ist eine Fertigkeit bzw. ein Regulator der weder kurz- noch langfristig schädlich ist. Eine recht umfangreiche Skillssammlung findest du bei Interesse hier:

http://www.dersteinigeweg.de/print.php?page=853144984&f=1

Lasse dich nebenbei nicht irritieren - das meiste im Bezug auf Skills findest du im Zusammenhang mit Borderline, dass heißt allerdings nicht, dass du es hast und von Eigendiagnosen möchte ich an dieser Stelle eindringlich abraten.

Kurzum - du hast keine Sucht, du hast ein Verhaltensproblem, dass klingt zwar hart aber man muss das Kind ja auch beim Namen nennen. Das lässt sich durch eine Therapie beheben aber dafür müsstest du auch die Bereitschaft zeigen und dich in eine therapeutische Behandlung begeben. Wenn du das nicht möchtest, dann schaue dir nach Skills um und versuche dich damit aus.

Lieben Gruß.

Kommentar von Antifascist ,

Danke für die hilfreiche Antwort!

Antwort
von GrEEnPlaYeR, 156

du überdeckst seelischen schmerz mit körperlichen schmerz. das ist alles. du musst jetzt lernen den seelischen schmerz zu bekämpfen und dich damit zu befassen. versuch das nicht zu vergessen durchs ritzen sondern erinner dich daran was passiert ist und versuche es zu verarbeiten 

Antwort
von ShimizuChan, 125

Sucht ist wenn auf etwas nicht verzichten kann. Wenn man etwas machen MUSS und man sich nicht selbstständig davon abhalten kann.

Hast du das Gefühl machtlos gegen den Drang dich zu verletzen zu sein, und es machen zu MÜSSEN in solchen Situationen? Dann bist du süchtig

Kommentar von ShimizuChan ,

Da du auf mich anhand des Textes jetzt nicht allgemein Depressiv wirkst sondern eher anders mit Problemen umgehst ist es im Grunde nichts arg schlimmes. Schlimm ist SVV dann wenn es einen kaputt macht und man keinen Tag ohne aushält, es einen kontrolliert und man sogar von seinen Verletzungen sterben könnte wenn es ganz extrem wird.

SVV ist nie normal, und es ist natürlich immer besser es nicht zu tun bzw. davon weg zu kommen. Wenn es aber nicht häufiger oder schlimmer wird bei dir und du allgemein keine Depressionen hast würde ich behaupten es ist deine Sache wie du mit Problemen umgehst c: Wenn es so für dich besser und leichter ist, dann ist das ok. Nur es sollte eben nicht häufiger oder noch tiefer werden, das ist wichtig!

Antwort
von FollowMeDown, 131

Also süchtig ist ja allgemein gefest wenn man von etwas abhängig ist und etwas in regelmäßigen abständen konsumiert oder tut  ;) Ich denke dass du wirklich ,,ritzsüchtig'' bist, weil du es in dem moment tuen MUSST um dich besser zu fühlen und das auch regelmäßig machst. Ich weiß nicht was für probleme du so hast aber du musst einen weg finden damit klarzukommen. Sonst gibt es statt dem ritzen noch einen guten anderen trick. Du nimmmst ein gummiband und spannst es dir um den arm dann lässt du es ein paar mal auf die haut schnipsen ;) vielleicht fühlst du dich dann besser auf jedenfall viel glück :)

Antwort
von hardty, 110

hallo Antifascist, ritzen ist sicher nicht normal, aber auch keine Sucht. Sehr schön, dass Du einen Freund hast, welcher zu Dir hält, das ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Statt zu ritzen empfehle ich Dir eine Alternative, power dich einfach mal richtig aus, das kannst Du mit einer Sportart deiner Wahl gerne tun. Sport treiben ist auch eine Methode den ritzen vorzubeugen.

Versuch es bei mir hat Pilates geholfen.

Ich wünsche Dir alles gute  hardty

Antwort
von AngelNr1, 106

Ich hab damit selber noch keine Erfahrungen gemacht. Aber so wie sich das anhört bist du schon süchtig würde ich sagen. Also klar ist das nicht im schlimmsten Grad aber gut hört sich das auf jeden Fall nicht an :/ In solchen Situation kannst du echt dankbar sein wenn du so einen besagten Freund hast ;) und überleg auf jeden Fall mal irgendwie doch zum Psychologen oder irgendwas zu gehen weil so sollte es nicht weiter gehen. Du bist viel zu wertvoll als das du dich selbst verletzten solltest!

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