Frage von LiCeSi, 131

Ab wann muss man stationär behandelt werden bei Depressionen?

Hallo

Ich bin 16 und habe Depressionen. Meine Eltern sind getrennt. Ich lebe bei meiner Mutter die auch Depressionen hat. Mit meinem Vater haben wir keinen Kontakt mehr. In der Schule werde ich immer müder, ich lerne so gut wie gar nicht mehr und meine Hausaufgaben mache ich immer auf den letzten Drücker. Ich bin sehr motivationslos. Selbstmordgedanken habe ich allerdings nicht. Trotzdem ist es sehr schwer,denn meine Mutter kann mir fast nichts beibringen und ich habe gemerkt dass ich sehr unsicher bin mit meinem Leben. Manchmal weiss ich nicht was oder wohin ich will. Viele Leute haben das Gefühl das es mir wieder besser geht, aber ich werde immer unsicherer. Ist das normal? Ab wann muss man stationär behandelt werden? Würde es mir gut tun? Ich persönlich hätte etwas angst davor, aber ich würde es machen. Könnt ihr mir vielleicht einen Rat geben?

Danke euch

Antwort
von EinNarr, 62

Für welche Form der Therapie man sich entscheidet unterliegt einem gewissen Toleranzspielraums.

Ein stationärer Aufenthalt ist dann unumgänglich bei Depressionen, wenn eine Suizidalität vorliegt und die aktuellen Lebensumstände einen Grad erreicht haben, der nicht mehr haltbar ist. Bei schweren Depressionen zum Beispiel kommt es immer wieder zu Verwahrlosung, dass heißt das die Hygiene vollkommen vernachlässigt wird, die Wohnung verkommt (also nicht nur unordentlich ist, sondern wirklich dreckig) und auch alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr nachgegangen werden kann - darunter fällt zum Beispiel, dass die Schule/Arbeit nicht mehr besucht wird. Bei zusätzlichem Substanzmissbrauch würde ein weiterer Faktor hinzu kommen, der eine stationäre Behandlung erforderlich macht.

Kurz gesagt: Wenn die Person eine Gefahr für sich oder andere darstellt und nicht mehr alleine lebensfähig ist, ist ein stationärer Aufenthalt erforderlich.

Unter anderen Umständen, kann eine Depression auch über andere Therapiekonzepte behandelt werden. Gängig ist die ambulante Therapie, bei der man regelmäßig, meist einmal die Woche, seinen Therapeuten trifft und an den Problemen arbeitet. Vorteil an einer ambulanten Behandlung ist, dass man seinen aktuellen Pflichten uneingeschränkt nachkommen kann - es fallen nur ein bis zwei Stunden Freizeit in der Woche weg.

Der Nachteil einer ambulanten Therapie liegt allerdings in ihrer Intensität. Natürlich kann man stationär wesentlich intensiver Arbeiten, denn schließlich ist man dort 24 Stunden sieben Tage die Woche und genießt auch ein umfangreicheres Therapieangebot. An dieser Stelle muss man also für sich selbst abwägen, ob in der aktuellen Situation eine ambulante Therapie in ihrem Umfang ausreichend erscheint.

Ein Mittelweg stellt die teilstationäre Behandlung dar, die man in einer Tagesklinik in Anspruch nehmen kann. Dort ist man von Montag bis Freitag von Morgens bis Nachmittags und nimmt seine Therapiestunden war. Das heißt, man geht Morgens und um acht Uhr hin und kann um 16 Uhr wieder Nachhause gehen. Dieser Mittelweg bietet den Vorteil, dass man nicht, wie bei einer stationären Therapie, aus seinem Umfeld herausgerissen wird, weiterhin sich auch noch frei bewegen kann und in dem eigenen Bett schlafen kann. Allerdings ist es in Kombination nicht möglich die Schule zu besuchen oder Arbeiten zu gehen.

Angemerkt sei hier, dass die meisten nach einer (teil-)stationären Therapie noch einen ambulanten Therapeuten in Anspruch nehmen für die Nachsorge und um auch weiterhin jemanden als Ansprechpartner an der Hand zu haben. Der eine Weg schließt also die anderen nicht aus.

Nun muss man selbst wählen. Eine Therapie geht für gewöhnlich drei Monate, zumindest in den Kliniken wo ich war. Das mag ein langer Zeitraum sein, ist allerdings für die Behandlung einer Depression unverzichtbar.

Wenn ich von deinen Umständen lese und von der Distanz eine Einschätzung abgeben darf, würde ich dir raten vorerst über den ambulanten Weg zu arbeiten. Das heißt, du rufst bei Therapeuten an und versuchst einen Platz zu bekommen. Eventuell kann dir dein Hausarzt/deine Hausärztin auch bei der Suche helfen oder dir jemanden aus deiner Nähe empfehlen. Sollte sich dann herausstellen, dass sich dein Zustand verschlechtert oder auch dein zukünftiger Therapeut der Auffassung sein, dass ein stationärer Aufenthalt angebracht wäre, ist das ein Thema welches zu diesem Zeitpunkt nochmals angegangen werden kann.

Kurzum - mein Rat wäre dich an deine Hausärztin/deinen Hausarzt zu wenden und dir dort Ansprechpartner vermitteln zu lassen. Wenn du dann einen Therapeuten hast, wird sich zeigen, ob dieser Umfang ausreichend ist oder nicht. Anhand dessen was du schreibst sehe ich allerdings keinen dringenden Bedarf für einen stationären Aufenthalt respektive eine Krisenintervention.

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe du feierst bald deine ersten Erfolge.

Liebe Grüße.

Antwort
von Anonym283, 51

Hallo, ein stationärer Aufenthalt ist auf jeden Fall wichtig, bei Suizid Gedanken. Ansonsten heißt es: Ein stationärer Aufenthalt ist die richtige Entscheidung, wenn man nicht mehr richtig im Leben klar kommt. Depressionen sind auf jeden Fall auch Ambulant möglcih zu therapiern. Auf einen stationären Aufenthalt musst du in der Regel sehr lange warten, da es imme und immer wieder Notfälle geben wird, die vorgezogen werden. Auf jeden Fall solltest du aber ein mal die Woche zum Psychologen. (Was natürlich auch lange Wartezeit kosten wird, bis du einen Platz bekommst, falls du noch nirgends bist.)

Bei näheren fragen kannst du mich ruhig noch mal fragen, ich habe den ganzen Prozess schon hinter mir.

Lieben Gruß und alles Gute :-)

Kommentar von LiCeSi ,

Danke sehr. Ja ich bin schon bei einem Psychologen. Muess das bestimmt weren oder kann auch selbst bestimmen ob es das richtige ist.. ich hab das Gedühl dass es nicht so eine schlechte Lösung ist. Meine Mutter, meine Schwester und ich leben zsm in einer Wohnung. Es ist nicht immer einfach. Meine Mutter arbeitet nicht wir bekommen Geld von der Gemeinde. Den Haushalt schafft sie auch fast nicht mehr und ich bin in der Schule auch nicht die hellste und auch nicht mehr motiviert. Was denkst du..? Was würde uns helfen?  :(

Kommentar von Anonym283 ,

Wenn du der Meinung bist, dass dir das helfen würde, dann mach das au jeden Fall! Rede mit deinem Psychologen darüber und stell so schnell wie es geht einen Antrag. Manche müssen auf einen Plat über ein halbes Jahr warten, daher würde ich dir Raten, nicht lange zu warten. Eventuell meldest du dich auch bei mehreren Kliniken an. Einen Platz absagen kannst du später immer noch. Aber dazu kann dir dein Psyhologe bestimmt noch ganz viel wichtiges erklären. Ich hoffe für dich, dass du nicht all zu lange warten musst.

Ansonsten könntet ihr euch vielleicht mal über einen sogenannten "Erziehungsbestand" informieren. Das hört sich krasser an, als es ist. Dann kommt jemand mehr mals die Woche zu euch nach Haus, hilft bem Haushalt, regelt Probleme und redet und unternimmt auch etwas mit dir. Ich habe schon von mehreren Leuten viel Positives darüber gehört. Aber wie gesagt: Am besten sprichst du mit deinem PSchologen drüber, der kennt dich und deine Situation besser als wir alle.

Antwort
von Wonnepoppen, 63

Das muß derjenige entscheiden, der die Diagnose gestellt hat(Therapeut)!

du bist doch bei einem?

Kommentar von LiCeSi ,

Ja bin ich. Danke für deinen Rat!

Kommentar von Wonnepoppen ,

Alles gute!

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