Frage von Wurstfinger23, 85

Ab wann muss eine Einkommensteuer erfolgen?

Hallo,

ich habe demnächst zum zweiten Mal einen kleinen Auftritt. Insgesamt habe ich dann also 200,-€ (100 pro Veranstaltung) verdient und eine Privatrechnung dem Unternehmen gegeben - dankend in Bar erhalten, fertig.

Muss ich nun eine Steuererklärung machen? Was geschieht, wenn ich das nicht tue?

Ich habe noch nie eine Steuererklärung gemacht oder mit Dingen dem Finanzamt betreffend zu tun gehabt.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort
von Zappzappzapp, 41

Wenn Du mehr als € 8652 p.a. zu versteuerndes Einkommen hast (d.h. nach Abzug von Werbungskosten und Sonderausgaben), dann musst Du eine Steuererklärung abgeben.

Wenn Dein normales Gehalt die Grenze bei weitem überschreitet, wie Du sagst, hättest Du wohl schon längst eine Steuererklärung abgeben müssen. Dann solltest Du Dich auf jeden Fall bald beraten lassen.

Nebeneinkünfte musst Du erst angeben, wenn Du mehr als € 410 p.a. hast. Das ist ja aber im Moment wohl noch nicht der Fall.

Hier kannst Du alles nachlesen, was Du dazu wissen musst:

https://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/wer-muss-eine-steuererklaerung-abge...

hier noch etwas ausführlicher:

http://www.finanztip.de/steuerklaerung-abgabeplicht/

Hättest Du schon länger eine Steuererklärung abgeben müssen und dies bisher versäumt, muss das noch kein Drama sein, denn Dein Arbeitgeber wird ja Steuern abgeführt haben und es kann auch sein, dass Du mit einer Steuererklärung Steuern zurück bekommen würdest.

Auf keinen Fall würde ich abwarten, irgendwann erfährt das Finanzamt doch davon und dann kann es einen Verspätungszuschlag oder ein Zwangsgeld verlangen. Das ist aber Ermessenssache. Man seine Situation also nur verbessern, wenn man sich selbst kümmert.

Die Leute aus dem ersten Link kannst Du auch für eine Beratung in Anspruch nehmen, günstiger findest Du kaum jemanden. Das ist ein anerkannter Verein und die machen auch für einen günstigen Mitgliedsbeitrag Deine Steuerklärung wenn Du selbst nicht damit klar kommst. Es gibt mehr als 3000 Berater in Deutschland, so dass man normalerweise einen in der Nähe findet:

https://www.vlh.de/die-vlh-ihre-leistungen/beitraege.html

https://www.vlh.de/die-vlh-ihre-leistungen/haeufige-fragen.html

Ich habe persönlich nichts mit dem Verein zu tun, aber vor ein paar Jahren, als es bei mir etwas komplizierter war, dort meine Steuererklärung machen lassen und war sehr zufrieden.

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 20

Du trägst das einfach in die Anlage "S" zur Einkommensteuererkärung ein.

steuerliche Auswirkung null, weil 410,- Euro Nebeneinkünfte im Jahr völlig steuerfrei sind.

Wenn Du in Deiner Hauptanstellung auf Steuerklasse 1 arbeitest, müsstest Du nicht einmal eine Erklärung abgeben, wenn sich nicht eine freiwillige Erklärung wegen Werbungskosten lohnt.

Wegen Nebeneinkünften muss man erst eine Erklärung abgeben, wenn die 410,- Euro übersteigen.

Kommentar von Zappzappzapp ,

Wenn Du in Deiner Hauptanstellung auf Steuerklasse 1 arbeitest, müsstest Du nicht einmal eine Erklärung abgeben

Wo steht das denn? Meines Wissens ist die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung doch nicht abhängig von der Steuerklasse bei der Hauptanstellung, sondern von der Höhe des steuerpflichtigen Einkommens ?? Oder ist mir da was durchgerutscht?

Kommentar von wfwbinder ,

Es war etwas volkstümlich ausgedrückt.

Wer nur Einkünfte hat, die dem Steuerabzug vom Lohn unterliegen, ohne das eine zweite Anstellung dabei ist, braucht keine Steuererklärung abzugeben. Wenn Zusatzeinkünfte dann 410,- Euro nicht überschreiten entfällt die Pflicht zur Steuererklärung:

§ 46 EStG

(2) Besteht das Einkommen ganz oder teilweise aus Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit, von denen ein Steuerabzug vorgenommen worden ist, so wird eine Veranlagung nur durchgeführt,

1.
wenn die positive Summe der einkommensteuerpflichtigen Einkünfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen waren, vermindert um die darauf entfallenden Beträge nach § 13 Absatz 3 und § 24a, oder die positive Summe der Einkünfte und Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, jeweils mehr als 410 Euro beträgt;
Kommentar von Zappzappzapp ,

Ok, ich bin kein Steuerberater aber wie erklärt sich denn das hier:

https://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/wer-muss-eine-steuererklaerung-abge...

die müssten das doch eigentlich wissen?

Kommentar von wfwbinder ,

Sagen wir, die sollten es wissen, aber das ist kein amtlicher Text. Aber dieses Zitat von der Seite ist richtig:

Als Arbeitnehmer müssen Sie unter anderem eine Steuererklärung abgeben, wenn...: ...Sie neben Ihrem Gehalt Lohnersatzleistungen wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Elterngeld oder Krankengeld von mehr als 410 Euro im Jahr bekommen haben....Sie von mehreren Arbeitgebern Lohn erhalten haben, der nicht pauschal versteuert wurde.

Und das ist genau das, was ich oben geschrieben habe und was in § 46 EStG steht.

Kommentar von Zappzappzapp ,

Schon klar, aber die Grundaussage war ja nun (eigentlich) eindeutig. Na ja ..

Antwort
von kevin1905, 49

Unzureichende Informationen!

Kommentar von Wurstfinger23 ,

Welche Informationen fehlen?

Kommentar von kevin1905 ,

Einkünfte.

Man lebt nicht von 2 Auftritten im Jahr.

  • Folgen da mehrere?
  • Reden wir über Musik?
  • etc.
Kommentar von Wurstfinger23 ,

Ich stehe in einem normalen Angestelltenverhältnis. Die Tätigkeit, ja wir sprechen über Musik, gilt nur nebenbei. Es wird sich schätzungsweise um maximal zehn Auftritte im Jahr handeln.

Kommentar von kevin1905 ,

Ist wiederkehrend, also Einkünfte aus Leistungen kannst du mal langsam knicken.

Hier liegen Einkünfte aus selbständiger Arbeit vor.

Es wird sich schätzungsweise um maximal zehn Auftritte im Jahr handeln.

10 x 100,- € = 1.000,- €

Besonders gut verhandeln tust du nicht oder du spielst nur für arme Leute.

Anyway, du musst deine Betriebsausgaben abziehen (Fahrtkosten vor allem) und schauen was dann übrig bleibt.

Bis 410,- € Nebeneinkünfte p.a. sind steuerfrei. Von 411 bis 820,- € wird ermäßigt besteuert, erst darüber wird volladdiert.

Kommentar von Wurstfinger23 ,

Du, ich würd's auch für 20 machen oder einfach nur für Freibier. Um das Geld geht's mir vorrangig nicht. ;-) 

Ich habe wirklich keine Ahnung von Steuerrecht und dem Zeug und reime mir das so zusammen: 

Bis 410,-€ ist es Wurscht

411,-€ bis 820,-€ wird nur ein kleiner Teil angerechnet 

Alles darüber hinaus zum vollen Satz

Aber in jedem Falle muss ich ab dem ersten Euro eine Erklärug abgeben? 

Tut man das nicht, geschieht was? Geldstrafe, Haft, Peitschenhiebe, Vierteilung? 

Kommentar von qugart ,

Naja, wenn da eine Prüfung kommt, dann musst du eben im Regelfall die unterschlagenen Steuern bezahlen und wohl eine Strafe in gleicher Höhe. Das Dumme daran ist, deine Einnahmen können da im gewissen Rahmen geschätzt werden.

Da du aber noch nie eine Einkommenssteuererklärung gemacht hast, empfehle ich dir, das jetzt zu machen. Rückwirkend und für die Zukunft.

Weil bei dir da scheinbar auch Einnahmen aus selbständiger Arbeit dazukommen, empfehle ich dir Programme wie t@x Professional.

Die sind ziemlich einfach und erklären jeden Punkt sehr gut. Solltest du dich da trotzdem nicht rantrauen, dann mach von mir aus eine erste Steuererklärung über einen Steuerverein (oder ähnliches). Mit dem Muster kannst du dann deine zukünftigen Eklärungen mithilfe des Programms stricken.

Möglicherweise (sehr wahrscheinlich) kennt ein guter Steuerberater noch mehr Kniffe, aber dafür kostet der auch deutlich mehr als nur mal schnell 20 oder 30 Euro für so ein Programm.

Kommentar von RubberDuck1972 ,

Angestelltenverhältnis - und du hast noch nie einen Lohnsteuer-Jahresausgleich gemacht? Es kann sein, dass du dadurch viel Geld verschenkt hast.

Schau/google mal, wie lange du rückwirkend den Lohnsteuer Jahresausgleich abgeben kannst.

Wenn du die Formulare ausfüllst, gibst du gleichzeitig deinen Nebenverdienst (über Musik) an. - Dann bist du ein ehrlicher Steuerzahler und brauchst dir keine Sorgen machen, dass "das irgend wann heraus kommt", falls einer deiner Kunden deine Privatrechnung beim Finanzamt einreicht. Und wenn es gewisse Freibeträge nicht überschreitet, musst du auch keine Steuern für deine Auftritte zahlen.

Kommentar von PatrickLassan ,

Angestelltenverhältnis - und du hast noch nie einen Lohnsteuer-Jahresausgleich gemacht?

Einen Lohnsteuerjahresausgleich kann der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer machen (§ 42b Einkommensteuergesetz.

Was du meinst, nennt sich Einkommensteuererklärung.Die kann man für vier jahre rückwirkend abgeben.

http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__42b.html

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