Frage von LeniLive, 107

Ab wann kann man in eine Klinik kommen?

Also ich bin ein Mädchen und 16 Jahre alt. Ich habe vor ein paar Monaten angefangen wegen privaten Probleme mich zu ritzen, das habe ich mittlerweile wieder einigermaßen unter Kontrolle. Aber nicht aus eigenem Antrieb sondern weil mein Vater regelmäßig meine Handgelenke und so weiter kontrolliert. Dazu kommt das ich seit ein paar Wochen nicht mehr normal essen kann, also ich war schon immer von Natur aus schlank, habe dann aber angefangen mich auf 45kg bei einer Größe von 163 runter zu hungern. Mittlerweile esse ich wieder jeden Tag mindestens 1000 Kalorien und ernähre mich vegan um etwas zur Kontrolle zu haben, wiegen tue ich auch wieder circa 47kg. Dann kommt noch dazu das ich Schlafstörungen habe und in der Schule gar nichts mehr aufnehmen kann, obwohl ich sonst eine sehr gute Schülerin war. Mein Vater hat jetzt ein Termin bei einem Psychologen gemacht und meine Frage ist kann der mich wegen so was in eine Klinik schicken? Wäre über jede Antwort sehr dankbar.

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von sarlenklo, 35

Also ich denke ich kann dich schon mal ein wenig beruhigen! Ein normaler Psychologe wird dich nie gleich einweisen, außer du sagst ihm, dass du akut suizidgefährdet bist oder andere stark schaden willst. Normalerweise versucht er selbst dich auf die korrekte Bahn zu kriegen, außer du willst gar nicht mitarbeiten. Oder er könnte dich einweisen, wenn deine Eltern es absolut wollen, aber sollte es so sein, dann können sie dich auch alleine einweisen lassen, da es in vielen Kliniken/Psychiatrien eine Anlaufstelle für Krisen und Notfälle gibt. 

Ich selbst habe mit 13 angefangen mich zu schneiden und mir auf andere Arten zu verletzen, ich habe Tabletten geschluckt, habe mich runtergehungert, habe mich ständig nach dem Essen übergeben, hatte Angststörungen und Schlafstörungen. Der "Witz" dabei ist, dass ich erst mit 16 in die (geschlossene) Psychiatrie kam. Ich war davor bei vielen Psychologen/Therapeuten und wurde nie eingewiesen. Dazu kommt, dass ich die Therapien immer wieder abgebrochen habe. Naja, genug von mir! Ich wollte nur ein Eksempel geben, davon wie lange es dauern kann. Ich kenne aber auch Leute, die eingewiesen wurden, nachdem sie sich einmal verletzt haben oder ähnliches, was aber in diesen Fällen von den Eltern gewünscht wurde. 

Wie dem auch sei. Kurz also: Kein Psychologe wird dich gleich einweisen, außer es gibt ganz triftige Gründe und Ursachen, die aber schon relativ schlimm sein müssen.

Falls du noch mehr Fragen hast, dann darfst du mir gerne schreiben. Du kannst mir auch schreiben, falls du reden möchtest, - manchmal hilft es sich mit Leuten zu unterhalten, die man nicht kennt. Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Erfolg und Glück, und du packst das!

Und denk dran, dass "Ritzen" (*Grrr* dieses Wort) und auch hungern nie die Lösung sind, genauso wenig wie Alkohol und Drogen. ;-)

Kommentar von LeniLive ,

Ich kann halt sehr schwer über meine Probleme reden, und was anderes als reden kann ein Psychologe ja auch nicht mit mir. 

Deshalb meinte auch mein Vater das es vielleicht besser wäre wenn ich mal von zu Hause weg bin und ich nicht das Gefühl habe das ich eingeengt werde Leuten die ich vielleicht auch in der Stadt wieder treffen könnte meine Probleme zu erzählen. 

Andererseits denke ich auch das es mir nicht schlecht genug geht um in eine Klinik zu kommen. Weil ich zb vor Suizid viel zu große Angst hätte und das auch nicht könnte weil es ja immer mit Menschen gibt die traurig wären und Schuldgefühle haben wenn man tot wäre. Aber es ist ja auch nicht normal ständig zu weinen weil man nicht man selber sein möchte und den Drang haben sich zu verändern und zu bestrafen. 

Kommentar von sarlenklo ,

Im Bezug auf Klinik: Da sind immer Leute, denen es wirklich schlecht geht, und Leute denen es nicht ganz so schlecht geht. Aber sie haben trotzdem alle etwas gemeinsam: Sie wollen, dass es ihnen besser geht (angenommen du gehst freiwillig, die meisten gezwungenen sehen das natürlich ein bisschen anders.). Wie du schon sagst, es ist nicht normal ständig zu weinen, es ist auch nicht normal sich schaden zuzufügen und ähnliches. 

Dazu muss man auch nochmal sagen: Dein Vater hat Recht, auf eine gewisse Art und Weise. Aber sowas gilt eben immer nur, wenn du es auch selbst willst. Das ist generell so. Du wirst auch keine ambulante Therapie "schaffen", wenn du es nicht willst. So ist das einfach. 

Und das mit dem Reden kenne ich sehr gut! Aus diesem Grund habe ich immer wieder Therapien abgebrochen, entweder weil ich nicht reden wollte/konnte oder weil ich mit den Psychologen einfach nicht klar kam. Ich hatte zum Beispiel mehrere "Schwarze Schafe" unter den Psychologen, von denen ich natürlich nicht sonderlich begeistert war.

Was ich auch noch erwähnen wollte: Das mit dem Suizid beruhigt mich. Ist auch gut so, trotzdem kann mit der Zeit immer ein Punkt kommen, an dem man plötzlich alles anders sieht. Aber davon wollen wir jetzt nicht reden, und schon gar nicht dran denken! 

Fakt ist nur: Du kannst jederzeit in eine Klinik/Stationäre Therapie gehen, wenn dir eben danach ist und du eben Bedingungen erfüllst, aber das tust du. Es ist egal WIE schlecht es dir geht. Nochmal ein Beispiel von mir: Ich bin jetzt 17 (noch gar nicht so alt :D ) und seit einem Jahr clean mit der Selbstverletzung. Ich war im Herbst 2014 auf der geschlossenen Station. Es geht mir besser, natürlich nicht komplett, aber im Großen und Ganzen ok. Ich habe oft den Drang zu hungern, zu schneiden, mich zu übergeben etc. Aber ich tue es nicht. Eine andere Sache ist, dass ich in meiner Vergangenheit Sachen erlebt hab, die nicht unbedingt schön sind, - Missbrauch, Gewalt, Mobbing, Tod von einer geliebten Person. Jedenfalls habe ich mich entschlossen in diesem Jahr nochmal eine stationäre Therapie zu machen, weil ich nochmal mit allem arbeiten möchte und halt mit mir selbst. Und ich persänlich finde, dass es in einer Klinik am besten ist, weil du dort die Ruhe zu dir selbst findest. Angenommen es geht dir schlecht, sind da Betreuer oder Ärzte oder eben andere Patienten. Du bist nie alleine. Das ist das, was mir sehr zusagt. Natürlich ist nicht jede Klinik gleich "schön" und nicht jeder kommt mit guten Erinnerungen raus. Aber ich muss sagen: Es war eine sch*** Zeit, aber ich habe nur gute Erinnerungen. Gut, da waren Nächte, wo ich mir am liebsten alle Körperteile aufgeschlitzt hätte, ich hab Tage im Krankenhaus verbracht, ich durfte zum Teil Wochen nicht raus, ich wurde fast fixiert, ich hab am Anfang täglich geheult..., - Aber ich habe mich selbst gefunden, zumindest ein kleines Stück, und ich habe gelernt, dass es Menschen gibt denen ich etwas bedeute. UND ich habe Menschen gefunden, denen es genausl geht wie mir.

Naja, wie auch immer - Lange Rede, kurzer Sinn. Ich will ndich nicht davon überzeugen in eine Klinik zu gehen. Ich wollte dir nur einmal etwas erzählen, was du sicher noch nicht wusstest. Eine Klinik ist auch kein Gefängnis, so wie es viele immer glauben. Und das mit den Psychologen und reden: Als ich der Klinik war, hab ich das erste Mal die richtige Psychologin gefunden. Und naja, ich würde jederzeit wieder zu ihr gehen und ihr meine Probleme erzählen, wenn es nicht so weit dahin wäre.

Wie auch immer, ich denke du findest den richtigen Weg für dich. Du packst das schon. Das wichtigste ist immer der Glaube an sich selbst (schwer, ich weiß). Aber naja, was sagt ein Zitat noch? "Nur der Glaube an sich selbst kann Berge versetzen." Und er ist wahr! 

Antwort
von aesser88, 31

Er kann, sollte aber nur mit deiner Zustimmung... Therapien können nur erfolgreich sein, wenn der Patient die Therapie annimmt...

In der Regel läuft das so ab, dass der Dr. mit dir spricht und mit dir gemeinsam eine mögliche Therapie erarbeitet... Das geht dann von regelmäßigen Gesprächen, über Medikamente, bis hin zur Klinik... Dabei läuft das Gespräch erstmal nur mit dir ab... Da du 15 bist, wird deinen Eltern nach dem Gespräch das erarbeitete Therapiemodell vorgeschlagen... Die entscheiden dann, was gemacht wird... Die Empfehlung des Dr. wird aber das von euch erarbeitete Modell sein...

Kommentar von LeniLive ,

Ich kann aber nur sehr schwer über meine Probleme reden, und habe das Gefühl das ich da eher so tun würde als ob alles okay ist. Und dann kann mir natürlich auch nicht geholfen werden.

Kommentar von aesser88 ,

Kleiner Tipp: du siehst den Dr. nur, um über dich zu reden... Der erzählt niemanden was und nach der Therapie siehst du den nie wieder... Mach dir vorher Stichpunkte, nehm deinen Mut zusammen und trag ihm die Stichpunkte vor... Von da an hast du alles wichtige gesagt und er kann dir helfen... Selbst, wenn du danach die Sachen runterspielst...

Augen zu und durch bei diesem Schritt... Danach ist das alles kein Problem mehr... ;-)

Kommentar von LeniLive ,

Und wenn der sagt das ich keine Hilfe brauche?

Ich mache das ja eigentlich nur zum Selbstschutz, ich möchte ja einfach nur wieder glücklich sein und nicht mehr darüber nachdenken was ich essen kann und wie ich meine Narben am besten verstecke.

Kommentar von aesser88 ,

Ritzen deutet auf schwere psychische Probleme hin... Wenn der sagt, dass du keine Hilfe brauchst, braucht der einen neuen Job... Vielleicht Aushilfe bei McDonald's...

Das sollte nicht passieren... Und wenn doch, dann suchen wir zu dem Zeitpunkt eine Lösung... Das dauerhafte Grübeln über solche Dinge sagt mir übrigens, dass das Ritzen von Depressionen herrührt... Und ich hab nur 2 Gastsemester in Psychologie mitgemacht... Der Dr. hat da einige Semester mehr gemacht... ;-)

Antwort
von Stefffan7, 46

Generell versuchst du ja schon deine Probleme in den Griff zu kriegen. ich finde es übrigens auch gut, dass sich dein Vater so um dich kümmert. 

Ich denke du kriegst erst mal so Unterstützung und wenn es dann nicht funktioniert ist eine Klinik denkbar. 

Anfangs denk ich wirst du aber auf jeden Fall noch zu Hause bleiben können.

Kommentar von LeniLive ,

Ich habe halt Angst das der Psychologe meine Probleme nicht Ernst nimmt und mir gar nicht helfen möchte/ sagt das ich gar keine Hilfe brauche. 

Kommentar von Stefffan7 ,

Das denke ich nicht. Psychologen sind für sowas gut geschult da brauchst du keine Angst haben.

Kommentar von aesser88 ,

Darum musst du dir keine Sorgen machen... Die nehmen selbst Sachen ernst, die du für lächerlich hältst... Kopf hoch ;-)

Antwort
von pilot350, 31

Das muss nicht unbedingt sein, auch eine ambulante Behandlung kann zum Erfolg führen. Aber Du musst mitarbeiten, sonst kann er Dich auch stationär behandeln lassen.

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