Frage von Sweetbeatle26, 529

Ab wann ist man Landwirt?

Ein befreundeter Landwirt möchte uns (meinem Mann und mir) ein Stück Land unentgeltlich zur Bepflanzung überlassen. Das Teil ist ausgeprägte Hanglage und für seine großen Maschinen inzwischen einfach zu klein und zu unpraktisch. Wir besitzen von meinem Opa noch einen kleinen Oldtimerschlepper und eben die dazugehörigen altertümlichen Gerätschaften (Pflug, Roder, Mähwerk).

Von der Größe her sind es erstmal ca. 1200 qm mit der Aussicht auf weitere 3500 qm dann verteilt auf eben zwei Fleckchen am Berg.

Es sollen für den Eigenbedarf Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln etc, Dahlien, Sonnenblumen, Futterrüben für unsere Kaninchen und Mais für unsere drei Hühner angebaut werden. Ansonsten halt noch ein Kessel Buntes, das die Kinder selber "bewirtschaften" dürfen. Habe keine Ahnung, welche Mengen hier anfallen, aber falls die Ernte den Eigenbedarf übersteigt, haben sich schon Familie und Nachbarschaft als Abnehmer angemeldet.

Nun meine Frage: Ab wann ist man eigentlich Landwirt? (Alterskasse / Krankenversicherung / Anlage L etc.) Was muss ich beachten? Brauche ich hier eine eigene Steuernummer / Betriebsnummer bzw. bekomme ich die überhaupt? Es wird nicht gespritzt und nur ganz wenig gedüngt. Wie im Garten halt auch. Ansonsten verbleibt die Fläche im Besitz sowieso und auch im Zulagenplan des Landwirts.

Ach ja, ich bin als Mutter zweier kleiner Kinder zur Zeit Hausfrau mit einem gaaanz kleinen Minijob und mein Mann arbeitet Vollzeit als Landschaftsgärtner.

Wir wollen halt keine Probleme bekommen bzw. unserem Freund auch keine bereiten. Wenn das alles zu aufwändig würde, würden wir uns auf den Eigenbedarf beschränken und damit gut, aber eigentlich wären ein paar Euronen nebenher ja nicht schlecht. Alles versteuert und richtig angegangen versteht sich!!

Vielleicht kann uns hier jemand helfen? Vielen Dank schon im Voraus!

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 446

Ab einer bewirtschafteten landwirtschaftlichen Fläche von 0,5 ha gehörst du der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft an. Dabei spielt es keine Rolle ob das eigenes oder gepachtetes Land ist.

Kommentar von siola55 ,

Hallo lieber DerHans, der aktuelle Wert liegt bei 0,25 ha:

Überschreitet die Fläche wieder den Grenzwert von 0,25 Hektar, entsteht ab diesem Zeitpunkt erneut Versicherungs- und Beitragspflicht.

https://www.svlfg.de/50-vmb/vmb01/vmb0105/index.html

Kommentar von siola55 ,

Von der Größe her sind es erstmal ca. 1200 qm mit der Aussicht auf
weitere 3500 qm dann verteilt auf eben zwei Fleckchen am Berg.

Also bei 1200 qm = 12 ar = 0,12 ha seid ihr nicht versicherungs- und beitragspflichtig!

Bei 3500 qm = 0,35 ha seid ihr dann bereits versicherungs- und beitragspflichtiger Landwirt!?!

Gruß siola55

Kommentar von DerHans ,

Danke. Als Rentner bin ich scheinbar nicht mehr auf dem Laufenden

Kommentar von Sweetbeatle26 ,

Trotzdem vielen Dank für die Antwort! :-)

Expertenantwort
von siola55, Community-Experte für Versicherung, 276

Hi Sweetbeatle,

hier mal der richtige Ansprechpartner für deine viele, vielen Fragen um die Landwirtschaft: https://www.svlfg.de/50-vmb/vmb01/index.html

sowie der Link für deine Fragenstellungen: https://www.svlfg.de/50-vmb/vmb11/index.html

Viel Erfolg damit wünscht dir/euch siola55!

Kommentar von siola55 ,

Befreiung von der Versicherungspflicht

Auf eigenen Antrag werden  Unternehmer von Betrieben bis zu einer Größe von 0,25 Hektar sowie ihre Ehegatten unwiderruflich von der Versicherung bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft befreit, das heißt es besteht kein Versicherungsschutz bei Eintritt eines Versicherungsfalles

.

Wird das Unternehmen als Gesellschaft bewirtschaftet (z. B. GbR), ist eine Befreiung nur gemeinschaftlich für alle Mitunternehmer möglich.

Überschreitet die Fläche wieder den Grenzwert von 0,25 Hektar, entsteht ab diesem Zeitpunkt erneut Versicherungs- und Beitragspflicht.

https://www.svlfg.de/50-vmb/vmb01/vmb0105/index.html

Kommentar von siola55 ,

Hier noch z.B. die

Mindestgröße des landwirtschaftlichen Unternehmens


Ausschlaggebend für die Versicherungspflicht in der Alterssicherung der Landwirte ist die Betriebsgröße des landwirtschaftlichen Unternehmens.

Die für den Betriebssitz geltende Mindestgröße ist deutschlandweit seit dem 01.01.2014 einheitlich. Nähere Informationen zu den einzelnen Mindestgrößen enthält folgender Beschluss der Vertreterversammlung:

Mindestgrößenbeschluss der landwirtschaftlichen Alterskasse 

https://www.svlfg.de/50-vmb/vmb03/vmb0305/index.html

Kommentar von Sweetbeatle26 ,

Ganz lieben Dank für die Hilfe! Diese Seite ist zum ersten Einlesen super und hat mir auch schon mal eine meiner größten Sorgen im Hinblick auf evtl. riesige Versicherungsbeiträge etc. genommen. DANKE! :-)

Antwort
von Bakaroo1976, 403

Meinen Sie nicht, dass Sie mit diesem Aufsatz etwas zu viel Fragestellungen für dieses Forum aufwerfen. Ich kann Ihnen empfehlen, sich an ein Landwirtschaftliche Buchstelle zu wenden.

Kommentar von Sweetbeatle26 ,

Natürlich habe ich in meinen "Aufsatz" alle Fragestellungen gepackt, die mir unter den Nägeln brannten... Finde ich auch völlig legitim innerhalb eines Forums, das sich "guteFrage.net" nennt. Im Grunde kann ja jeder auf die Fragestellung antworten, auf die er oder sie meint eine Antwort zu wissen und den Rest ausklammern, meinen Sie nicht? ;-)

Danke trotzdem für den Hinweis auf eine Landwirtschaftliche Buchstelle, die ich bislang noch nicht kannte.

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Sie erzielen mit Ihren Einnahmen aus dem Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte im einkommensteuerrechtlichen Sinn grundsätzlich Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft. Das muss aber nicht sein. Sollten Sie keine Gewinnerzielungsabsicht haben und dies dem Finanzamt auch vermitteln können, liegt so genannte Liebhaberei vor - die Einnahmen führen nicht zu Einkünften im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Umsatzsteuerrechtlich gibt es jedoch noch einges mehr zu beachten. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht für die Beurteilung, ob Sie Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes sind, keine Rolle spielt.

So, dass wäre der Anfang einer steuerrechtlichen Beurteilung. Was Sie (final, sozusagen als letzten Schritt des beschriebenen Sachverhalts) wo in Angabe L Ihrer Einkommensteuererklärung anzugeben haben oder nicht - bis dahin wäre es noch ein sehr langer Erklärungsweg.

Kommentar von Sweetbeatle26 ,

Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Ich denke auch, dass es schwer werden wird, das FA von einer Hobbylandwirtschaft ohne Gewinnerzielungsabsicht zu überzeugen, da wir die nicht selber benötigten Feldfrüchte ja nicht im Frühjahr wieder aufs Feld gabeln wollen und sie von daher lieber an nette Nachbarn abgeben werden.

Also werden wir Belege sammeln und die Einkünfte mit den Ausgaben aufrechnen und in der Steuererklärung angeben.

Alles andere müssen wir dann wohl mit dem zuständigen Bauernverband klären, da wir uns sonst, so wie ich das den anderen Antworten entnommen habe, versicherungstechnisch auf sehr dünnem Eis bewegen werden. - Was wir ja nicht wollen.

Dankeschön!

Antwort
von Apolon, 331

Mach dich für den Anfang mal hier ein wenig schlau:

https://de.wikipedia.org/wiki/Landwirt

Kommentar von Sweetbeatle26 ,

Danke für den Hinweis auf die Wikipedia-Seite. Recht informativ... Nur leider findet sich hier keinerlei Hilfestellung zur Gründung einer Landwirtschaft bzw. rechtlichen und steuerlichen Notwendigkeiten. Trotzdem vielen Dank! :-)

Kommentar von Apolon ,

Wenn man den Text richtig liest, findet man die Stelle.

Wer ein Grundstück (Acker, Wiese, Wald) nur zum eigenen Bedarf bestellt ist kein Landwirt.

Kommentar von Sweetbeatle26 ,

Stimmt schon, aber sobald ich die übrigen Feldfrüchte, die ich nicht innerhalb meiner Famlie verzehren kann, und sei es nur tütenweise gegen Bezahlung an liebe Nachbarn abgebe, bin ich schon live dabei, oder? Und für diesen Fall - denn wir wollen die übrigen Kartoffeln ja nicht im Frühjahr wieder aufs Feld fahren - bräuchte ich rechtliche Informationen.

Kommentar von Apolon ,

Auch dies ist ein Irrtum. Um sich Landwirt nennen zu können, gehört schon ein wenig mehr.

Man muss dafür eine 3-jährige Ausbildung absolvieren.

Nähere Informationen bekommt man bei der Agentur für Arbeit:

https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschrei...

Antwort
von Claudia3500, 370

Du machst dir Sorgen um 4700 qm??? Das ist doch nur ein größerer Garten. Wenn du nicht gerade Cannabis dort anbaust, dann werden die Dieselkosten schon höher sein, als ihr jemals dort ernten könnt (außer eure Nachbarn wollen extrem viel für einen Sack Kartoffeln ausgeben).

Mal ganz ehrlich, mach dir keine Sorgen, baut euer Gemüse an und fertig. Du hast keine Gewinnerzielungsabsicht und das wird auch jedes Finanzamt so sehen.

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