Frage von Moose88, 104

Ab wann ist man erleuchtet?

Es tut mir leid, wenn das vielleicht arrogant klingt, aber Ist man erleuchtet, wenn man erkannt hat, was objektiv und subjektiv bedeutet, dass die Dinge von sich aus leer sind, weil alles in einem kausalen Zusammenhang steht und begreift, dass es keine guten oder bösen Menschen gibt, sprich nicht mehr wütend werden muss, da man verstanden hat, dass das Handeln eines jeden Menschen im Kern den Wunsch in sich trägt diesen Menschen glücklich zu machen, so wie man auch selbst auf dieser Basis handelt. Und man versteht, dass nichts aus sich selbst heraus existiert und das Ego eine Illusion ist? Ich habe nämlich das Gefühl, dass es selbstverständlich ist, das zu verstehen, gleichzeitig merke ich aber, dass viele Menschen (eigentlich unsere Gesellschaft) nicht in diesen Kategorien denken.

Antwort
von Enzylexikon, 30

Meiner Meinung nach ist das Erwachen im Buddhismus nichts intellektuelles, keine geistige Erkenntnis und nicht wie die berühmte Glühbirne über dem Kopf, wenn einem nach langem Lernen endlich "ein Licht aufgeht".

Intellektuell zu wissen, das man sich über ein Ego definiert, das eigentlich keine dauerhafte Substanz hat, oder dass wir die Dinge als subjektive Realität aufgrund unserer Konditionierungen wahrnehmen, ist eine Sache.

Die Erfahrung, über dieses "geistige Gefängnis" aus selbst auferlegten Beschränkungen hinauszuwachsen und die Dinge so zu erleben, wie sie wirklich sind, ist aber etwas anderes - es geht um Praxis.

Diese Erfahrung der völligen Präsenz ist nämlich etwas, dass geschieht - beim sitzen, putzen, trainieren - aber nichts, was man sich zusammen denkt. 

Es ist einfach die Erfahrung des "Seins", nicht des Wollens, Werdens, oder Unterscheidens.

Außerdem glaube ich, dass auch erwachte Menschen durchaus noch emotional werden und keine mild lächelnden Heiligen sind. Meiner Meinung nach brauchen sie sogar ein starkes Ego, mit dem sie arbeiten können.

Auch ein Erwachter muss noch Ego genug haben, um sich abgrenzen und in der Bäckerei "ICH möchte ein Brot" sagen zu können, wenn er eines haben will.

Das Ego wird nicht ausgelöscht, sondern dominiert lediglich nicht mehr ständig das Denken und Handeln, da man bewusster erlebt.

Dieser Umstand führt dann eben dazu, dass auch ein Erwachter nicht beständig aus dem Erwachen heraus handelt, sondern auch auf der Ego-Schiene ausrutschen kann.

Anders gesagt

Jemand der die Erfahrung der völligen Bewusstheit gemacht hat, wird dadurch nicht automatisch zu einem besseren Menschen und man sollte Erwachte daher nicht übertrieben idealisieren.

Es gibt genug Beispiele von Menschen, die von ihren Anhängern als erwacht angesehen wurden, oder diesen Status sogar von ihrem Lehrer "bestätigt" bekamen - und die dennoch Straftaten und sittliche Verfehlungen begangen haben.

Erwachen bedeutet für mich, ganz da zu sein in diesem Moment, ihn so wahrzunehmen, wie er ist, ohne Bewertungen oder Pläne. Das ist eine Frage der Praxis, der Erfahrung, nicht des Verstandes.

Ein hochgezüchteter Verstand ist lediglich Bestandteil des Systems, mit dem wir uns selbst vor dieser Erfahrung blockieren und nicht erleben und wahrnehmen, dass dieses "Es" was wir suchen, immer überall vorhanden ist.

Jedes Wort, dass über das "Erwachen" gesagt oder geschrieben wird ist daher letztlich unzureichend, weil sich eine Erfahrung nicht intellektuell übertragen lässt.

Diese ganzen Unterteilungen in "unerleuchtet" und "erleuchtet" sind lediglich Gedankenspiele, aber keine Erfahrung.

Wenn jemand, der noch nie eine Zitrone gegessen hat, wissen will, wie sie schmeckt, hangeln wir nach Worten, stellen Vergleiche an ("so ähnlich wie") oder können chemische Analysen vorlegen - den Geschmack wird er erst durch die eigene Erfahrung des Reinbeissens erleben.

Das ist jedenfalls meine Meinung.

Kommentar von Moose88 ,

Das respektiere ich auch, ist aber trotzdem die Auslegung von Erleuchtung nach der Vorstellung im Zen-Buddhismus. Andere Richtungen haben andere Vorstellungen davon.

Kommentar von Enzylexikon ,

Ja sicher, aber letztlich sind es eben alles nur Vorstellungen, egal welcher religiösen Tradition.

Wenn im Hinduismus behauptet wird, ein vollkommener Guru könne aufgrund von Siddhis ausschließlich von Licht und Liebe leben, ist das auch eine Vorstellung.

Eben alles pure Spekulation.

Kommentar von Moose88 ,

Es geht ja darum das Leid zu beenden. Und wenn man das für sich geschafft hat, auch den anderen dabei zu helfen. Der Buddha sagt ja sehr wohl, was das Leid verursacht.

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich habe ja auch nichts anderes behauptet. :-)

Kommentar von Moose88 ,

Ich halte die Worte des Buddhas aber nicht für Spekulation ... =) Die vier edlen Spekulationen. ;)

Kommentar von Enzylexikon ,

Es ging überhaupt nicht um die Worte des Buddha sondern um Behauptungen darüber, was die Erleuchtung oder das Erwachen sei und welche Eigenschaften damit angeblich verbunden sind.

Und die sind für mich spekulativ.

Letztlich sind auch die Lehren des Buddha lediglich ein Erklärungsmodell, das einige Menschen für plausibel halten und andere eben nicht.

Antwort
von Shiranam, 58

So einfach kann das nicht sein.

Dann wäre ich auch erleuchtet, denn die Dinge, die Du beschreibst, sind selbstverständlich (verstandesmäßig), trotzdem habe ich heftige Gefühle.

Kommentar von Moose88 ,

Wenn du das verstehst (auch im Alltag und im Umgang mit Menschen), warum hast du dann heftige Gefühle? O.o

Kommentar von Shiranam ,

Ich schrieb, dass ich verstehe (verstandesmäßig). Trotzdem spüre ich Trauer, Freude, je nachdem, was passiert, sehr heftig. Das ist eine Tatsache. Das suche ich mir nicht aus. Darum gibt es kein "Warum".

Wer "erleuchtet" ist, der verspürt keine Gefühle, denke ich. 

Das wiederum würde ich als sehr schade empfinden. Es gibt ja jede Menge positive Gefühle, die man dann auch nicht hätte. Man hätte auch keine Wünsche, denn das würde ein "Sehnen" bedeuten. 

Nicht vergessen: Ich halte mich ganz sicher für nicht erleuchtet.


Kommentar von Moose88 ,

Also Mitgefühl ist sicher ein ganz elementares Gefühl, dass ein Mensch, der erleuchtet ist, besitzt. Hass, Neid, Gier sollten wegfallen. Trauer wohl auch. Freude ist sicher etwas, das weiter empfunden wird.

Kommentar von Shiranam ,

Dann hast Du wohl doch etwas nicht verstanden.

Du teilst deine Gefühle subjektiv nach positiv und negativ ein. Die negativen Gefühle sollen wegfallen, die positiven nicht. Das ist deine Welt, dein Sehnen. 

Erleuchtet sein bedeutet aber zu erkennen, da alles einfach nur IST, weder negativ, noch positiv.

Zudem: Warum sollte Trauer wegfallen und Mitgefühl nicht?

Wenn z.B. ein sehr lieber Mensch, der mir viel bedeutet hat stirbt, dann möchte ich um ihn trauern dürfen, auch um die Tatsache, dass ich ihn niemals wieder erleben werde. 

Mitgefühl verspürt man wegen seinen Spiegelneuronen im Gehirn. Man empfindet das, was der andere empfindet, einfach dadurch, dass man ihn spiegelt. Dazu muss ich wissen, wie sich Gefühle anfühlen, z.B. auch Trauer. Deshalb kann man z.B. sein Beileid ausdrücken, wenn ein Mensch stirb, den man nicht persönlich kennt, sondern nur dessen Angehörige. Weil man weiß, selbst mitfühlt, wie der Angehörige sich fühlt.

"Zornig entriß sie ihr Kind den Klauen des Tigers. Die Wut auf diese Bestie verlieh ihr Bärenkräfte..."

Wenn Du das liest, was denkst Du? War es gut, dass die Mutter zornig war? Ist Zorn und Wut in diesem Fall positiv?

Ist der Tiger wirklich eine Bestie? Er wollte doch nur fressen, in diesem Falle, das Kind. Vielleicht hatte nicht nur er Hunger, sondern vielleicht war es auch eine Tigermutti, die ihre Tigerbabys nähren wollte? 

Was ist objektiv "Gut", was objektiv "Böse"?

Ich sage es Dir: Gut und Böse sind immer subjektiv!

Kommentar von Moose88 ,

Ich sage es Dir: Gut und Böse sind immer subjektiv!

Danke, dass du mir das sagst. ;) Aber wenn ich oben (In meiner Frage) schreibe, dass man erkannt hat, dass es keine guten oder bösen Menschen gibt, was bedeutet das wohl? =)

Abgesehen davon, hab ich die Gefühle überhaupt nicht als positiv oder negativ bewertet. Diese Gefühl zu haben oder halt nicht, hat eher einfach was mit erkennen zu tun.

Nein, auf den Tiger braucht man nicht zornig sein.

Und Erleuchtung bedeutet nicht, dass man deshalb zum Nihilisten wird.

Kommentar von Moose88 ,

Edit:

"Warum sollte Trauer wegfallen und Mitgefühl nicht?"

Weil Trauer und Mitgefühl zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.

Kommentar von Shiranam ,

Okay. Freude und Mitgefühl sind aber auch unterschiedlich. Eine schlüssige Erklärung ist das nicht.

Kommentar von Shiranam ,

Warum beschreibst Du dann, dass Erleuchtete Hass, Neid, Gier und Trauer nicht mehr verspüren werden, Mitgefühl und Freude aber schon.

Woran machst Du das fest?

Ich denke, dass Du diese Gefühle eingeteilt hast in Gut und Böse. Woran solltest Du es sonst fest machen?

Gefühle hat man, oder man hat sie nicht. Das ist nichts Willentliches. Oder hast Du noch nie Liebeskummer verspürt? Niemand will das spüren, trotzdem fühlt man ihn.

Kommentar von Moose88 ,

Ich glaube überhaupt nicht an ein gut und böse. Mir das zu unterstellen, empfinde ich echt als beleidigend, weil ich gegen ein Denken in "gut und böse" eine echt Abneigung hab.

Echtes Mitgefühl ist etwas elementares, dass sich an dem Sein selbst orientiert. Mitgefühl das man aus egoistischen Gründen empfindet, ist so wie Neid, Gier, Hass, Trauer und verfällt.

Gefühle hat man, oder man hat sie nicht. Das ist nichts Willentliches. Oder hast Du noch nie Liebeskummer verspürt? Niemand will das spüren, trotzdem fühlt man ihn.

Das stimmt nicht, natürlich kann man Gefühle kontrollieren und erzeugen. Wenn du Liebeskummer hast, schaust du dir einen lustigen Film an und es geht dir (manchmal) besser. Oder es geht dir gut und du schaust dir einen traurigen Film an und bist nachher traurig.

Kommentar von Moose88 ,

Und wenn du jetzt sagst, diese Gefühle kommen dann durch die Filme und sind wieder nicht willentlich. Man kann sehr wohl an etwas anderes Denken bzw. seinen Zorn hinterfragen und ihn damit auflösen.

Kommentar von Shiranam ,

Wenn man seinen Zorn hinterfragt, dann nur, weil man ihn verspürt hat. Man war zornig und dagegen konnte man zu diesem Zeitpunkt nichts tun.

Kommentar von Moose88 ,

Ich mache die Gefühle daran fest, was übrig bleibt, wenn das Ego erlischt. Wenn der Buddha erleuchtet war und Mitgefühl empfand und Metta praktizierte, wird es wohl bleiben. Ich richte mich hier nach dem Buddhismus. https://de.wikipedia.org/wiki/Metta

Kommentar von Shiranam ,

Ach, dann sag das doch gleich, dass Du dich nach dem Buddismus richtest. Nach einer Lehre, die Du nicht hinterfragen möchtest.

Ich habe mich bei meinen Antworten ausschließlich nach meinem Gefühl gerichtet. Als Mensch bin ich der Meinung, Gefühle, alle Gefühle, gehören zu mir. Ich kann ausschießlich entscheiden, wie ich damit umgehe. Und ich denke, kein Mensch kann seine Gefühle einfach nicht mehr verspüren.

Wenn ich etwas "abschalten" muss, Neid, Zorn..., dann ist es vorher da gewesen und ich habe es verspürt. Jedesmal. Ich denke nicht, dass man seine Gefühle/ Wertungen einmal abschalten und sie dann nie wieder verspürt.

Kommentar von Moose88 ,

Du kannst mir glauben, dass ich den Buddhismus sehr wohl mehrmals hinterfragt hab. ;) Und was die Gefühl betrifft vertust du dich.

Gefühle treten natürlich kausal bedingt auf. Aber ich kann mir ihrer bewusst werden und sie sehr leicht auflösen.

Das Subjekt erkennt ein Objekt. Dieses Erkennen erzeugt Wut in ihm. Das Subjekt merkt, dass es wütend wird und hinterfragt diese Wut. Dadurch vergeht sie. Hab ich schon hunderte Male gemacht. Das funktioniert sehr leicht.

Edit: Wenn ich mir das durchlese ... Das was du da schreibst, zeigt echt, dass du das Ganze nicht verstanden hast oder dich nie mit dem Thema beschäftigt hast. Wenn es dir nur darum geht, recht zu haben, dann bitte, du hast recht.

Kommentar von Shiranam ,

Die Beleidigung hättest Du Dir sparen können.

Ich bin raus.

Kommentar von Moose88 ,

Ist auch okay, aber eigentlich hab ich dich nicht beleidigt. Sondern nur einen Sachverhalt dargestellt.

Kommentar von Moose88 ,

Setz dich mal mit dem Thema Meditation auseinander. Das würde dich glaub ich weiter bringen. Zu glauben, man ist seinen Gefühlen ausgeliefert, ist völlig absurd. Man kann sie sehr wohl beobachten und Neid, Zorn, Gier entstehen ja überhaupt nur, weil ich die Wirklichkeit der Dinge nicht begriffen habe.

Antwort
von joriti1999, 61

Erleuchtet ist man, wenn jemand eine Taschenlampe auf einen hält.

Kommentar von Kostenloseis ,

Yeeaahh

Kommentar von Moose88 ,

Dann ist man beleuchtet. ;)

Antwort
von NewKemroy, 36

wenn die Identifikation mit dem Ich vollkommen aufhört

dazu reicht es nicht rein intellektuell zu wissen, dass man das Ich nicht ist

Kommentar von Moose88 ,

Und woran merke ich, dass diese Identifikation vollkommen aufhört? Mir ist irgendwann aufgefallen, dass mich Menschen nicht mehr wütend machen. Ich glaube, man kann nur wütend auf Menschen sein, wenn man glaubt, sie agieren aus sich selbst heraus. Das tun wir aber alle nicht, weil kein Ich vorhanden ist.

Kommentar von NewKemroy ,

Also ich erlebte heute wie ein Feuerwehrlöschzug 10 m neben mir plötzlich die Sirene anschaltete - zu Übungszwecken natürlich. Es hat mich schier umgehauen so sehr habe ich mich erschrocken. Ich musste in Folge dessen mir über eine Stunde lang einreden wie sinnlos es wäre meinen Rachegedanken weiter nach zu gehen.

Aber Du hast schon recht: Wut, Hass, Gier, Angst, Zweifel, Stolz, Hochmut, Neid, Aufgeregtheit, Mattigkeit/Trägheit und das Hängen an Regeln und Riten sind dann Vergangenheit.

Jetzt sag nicht Du bist stolz nicht mehr wütend zu sein ;-)

Kommentar von Moose88 ,

Ich sitze grade am Laptop und rauche eine Zigarette und trinke einen Kaffee (und ich würde beides sehr gerne bleiben lassen). Ich glaube nicht, dass ich erleuchtet bin. Und ich werde auch manchmal wütend. Ich freu mich aber, dass ich diese Gefühle mittlerweile sehr leicht auflösen kann und es oft auch wirklich nicht mehr werde. Es ist einfach ein Fortschritt, etwas, dass ich bemerkt hab und das ich positiv finde.

Kommentar von NewKemroy ,

Ich hatte völlig überraschend als unerwarteten Nebeneffekt bei einer bestimmten Meditationsweise, vorrübergehend den inneren Schweinehund beseitigt. Plötzlich lief alles deutlich leichter und geschmeidiger. Leider bleibt das nicht. Aber Du hast schon recht. Es ist sehr verwunderlich, wenn man erkennt, was alles nicht sein müsste.

Antwort
von Sisalka, 56

Schon die Tatsache, dass du hier was schreibst spricht eindeutig dagegen. ;)

Antwort
von NoTrolling, 42

Ich finde es sehr gut, dass du dir solche Gedanken machst. Ich finde jeder sollte zumindest ansatzweise in diese Richtung denken. Ich denke "erleuchtet" ist man nie, weil dieser Zustand eher als Ziel gedacht ist, dessen Sinn das Streben danach ist.

Nah dran ist man, wenn man sich eine gewisse mentale Stärke angeeignet hat. Wenn man auf Schwierigkeiten, die das Leben bringt, mit Ruhe und Gelassenheit reagiert. Wenn man die Fähigkeit hat, sich und seine Bedürfnisse unter Kontrolle zu haben und immer nach seinen Prinzipien handelt.

Antwort
von Kostenloseis, 43

Lies mal das Buch jetzt von Eckhart tolle kostet ca 15 Euro und ist Top^^

Wenn du das durch gelesen hast füllst du dich zu 120 Prozent erleuchtet 

^^

Antwort
von LustgurkeV2, 43

Du bist Erleuchtet wenn du keine Fragen mehr hast.

Kommentar von NoTrolling ,

Das glaube ich nicht. Ist ein Stein erleuchtet, wenn er keine Fragen mehr hat?

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