Frage von HalloRossi, 96

Ab wann ist ein missglückte Operation einfach Pech und wann Schadensersatzpflichtiger Pfusch?

Gibt es dazu Urteile? Jetzt mal angenommen, man geht voll arbeitsfähig ( nie zuvor krankgeschrieben) in eine Operation, die prognostisch postoperativ zu keinerlei Problemen führen sollte und eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 10-12 Wochen zur Folge hat. 13 Monate nach der Operation ist der Operierte immer noch voll Arbeitsunfähig, dauerhaft Berufsunfähig und vom Erwerbsunfähigkeit bedroht und einen GdB von 50. Prognose: keinerlei Aussicht auf Besserung. Es ist keinerlei der Standardrisiken, deren Ausschluss man Unterschreibt ( zB Keime) eingetreten. Der Arzt ist sich keinerlei Schuld bewusst ( " kann auch ja mal länger dauern ") , während andere Ärzte finden, dass ist eine unklug ausgewählte Operationstechnik gewesen. Aber ist das schon Pfusch? Oder fällt nur in die Rubrik " dumm gelaufen"?

Antwort
von Buerger41, 49

Die Schlichtungsstelle der zuständigen Ärztekammer wäre vielleicht ein gangbarer Weg. Allein mir fehlt der Glaube an die Ehrlichkeit der Ärzte dort.

Sie sollten erst einmal ein Gedächtnisprotokoll über die Behandlung vor der OP, dann die Vorbereitung zur OP und dann die Zeit nach der OP fertigen.

Wenn Sie bei einer gesetzlichen Kasse versichert sind, sollten Sie die Kasse ansprechen und eine Stellungnahme des Medizinischen Dienstes anfordern.

Erst danach einen Anwalt aufsuchen. Die sog. Fachanwälte für Patientenrecht oder Medizinrecht sind nicht immer eine gute Empfehlung. Besser ist ein Anwalt, der auch als Strafrechtler einen Namen hat. Es macht aus meiner Sicht für Geschädigte keinen Sinn, den behandelnden Arzt mit Samthandschuhen anzufassen.

In den Fällen, in denen ich Anwälte in solchen Verfahren beratend begleitet habe , hat es sich als sehr nützlich erwiesen, den Operateur mit einem Strafverfahren zu überziehen. Je zeitnaher das geschieht, umso besser.

In einem Zivilverfahren wird viel zu oft auf Betreiben des Haftpflichtversicherers versucht, den Geschädigten weich zu kochen, indem immer neue Beweisanträge das Verfahren hinauszögern. So etwas geht in einen Strafverfahren nicht, wenn der Anwalt der Nebenklage (also Sie) Strafrechtler ist.

Ich weiß natürlich, dass ein aktives Strafverfolgungsverfahren vom Rechtsschutz in den meisten Fällen ausgeschlossen ist, daher reden erst einmal mit einem Strafrechtler. Eine Beratung kostet nicht die Welt.

Antwort
von SireToby, 53

Ist leider zu allgemein, um etwas dazu sagen zu können-mit mehr Details wäre es besser möglich.Ich würde jedoch immer den Weg über die Schlichtungsstelle der zuständigen Ärztekammer wählen-dies führt in der Regel dazu, dass ein unabhängiges Gutschten durchgeführt wird, und dies ist nicht immer pro Arzt, in vielen Fällen eher umgekehrt. Wenn man mit der Entscheidung nicht einverstanden ist, kann man immer noch den Rechtsweg wählen. Vorteil ist einfach, dass es völlig kostenfrei funktioniert-und wenn man einen Anwalt einschaltet, wird dieser so gut wie immer Klage einreichen-damit verdienen Anwälte ihr Geld-und das bekommen sie unabhängig vom Erfolg.Grüße und gute Besserung, Tobias Radebold

Antwort
von RudiRatlos67, 51

Wenn alle ausenstehende Ärzte sagen, dass etwas falsch gelaufen ist,  sollte derjenige zu einem Fachanwalt für Patientenrecht gehen. Falls keine Rechtsschutz Versicherung besteht braucht derjenige einen langen Atem und je nach Streitwert mindestens 10.000 bis 25.000 Euro oder auch weit mehr in der Hinterhand um das Verfahren durchzustehen. Ein erstes Beratungsgesprach kostet 50 bis 100 Euro,  das sollte man zumindest investieren.  Der Anwalt kann in dem Fall zumindest abschätzen wie die Chancen sind und wie teuer das Verfahren in etwa werden könnte.

Wenn Arzt und Klinik einverstanden sind,  ist zumindest ein kostenloses Gutachten durch die arztekammer möglich.  Ist ein beteiligter nicht einverstanden, besteht zusätzlich noch die Möglichkeit ein Gutachten durch den medizinischen Dienst der Krankenkasse auf deren kosten zu bekommen, sofern die Krankenkasse die Kostenübernahme zusagt .

Kommentar von HalloRossi ,

Ich hab Rechtschutz

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Dann besteht kein Kostenrisiko,  das trägt die Rechtsschutz Versicherung.  Dann empfehle ich einen renommierten Fachanwalt für Patientenrecht aufzusuchen.  Gute Anwälte auf dem Gebiet sind nicht an jeder Ecke.  Wenn Du in der Nähe oder bis ca 100 km von Bielefeld entfernt wohnst kann ich eine korriphahe empfehlen.

Kommentar von Buerger41 ,

Von der Theorie her, ist das alles sehr gut. Aber in der Praxis ist der Patient auf sich allein gestellt.

Der Haftpflichtversicherer der Klinik und der des Arztes  schreibt die Handlungen den Versicherten vor. Das Verfahren vor der Schlichtungsstelle der Ärztekammer kann der Patient immer beantragen, aber die Gutachter fühlen zu häufig zur Kollegialität verpflichtet.

Antwort
von Herb3472, 58

Es ist Sache eines medizinischen Sachverständigen, das zu beurteilen. Hier wird man das wohl sicher nicht klären können. Vor allem auch nicht auf Basis  dieser sehr allgemein gehaltenen Angaben.

Antwort
von authumbla, 53

Jeder Fall ist ein Einzelfall und als solcher individuell zu beurteilen. 

Was nützen Dir hier Ansammlungen von Meinungen irgendwelcher Leute mit irgendwelchen Kenntnissen oder "Unkenntnissen" von medizinischen Bedingtheiten und persönlichen Befindlichkeiten?

Für solche Fälle sind Rechtsanwälte und Gerichte zuständig und die kriegen reichlich Geld dafür.

Antwort
von procurator, 36

Ich habe schon mehrere Beratungsgespräche in Anspruch genommen. Heutzutage bekommt man kein Beratungsgespräch mehr für 100 Euro. Vor 20 Jahren hat es 50 bis 100 DM gekostet. Heute kostet es 150 bis 220 Euro. RudiRatlos67 hat es schon erwähnt und hat in fast allen Punkten Recht! Rechtsanwälte verdienen damit ihr Geld. Darum Rate ich von einem Beratungsgespräch ab. Denn die Anwälte halten sich dabei sehr bedeckt und machen nur wage Andeutungen bzw. Mutmaßungen. Sie wollen noch nicht zu viel verraten. Mann ist oft nach dem Gespräch nicht schlauer als vorher. Das ist raus geschmissenes Geld. Sie sagen, da gehen wir jetzt so oder so vor und gehen sofort davon aus, dass ihnen dieser Fall schon sicher ist. Wenn man dann sagt, ich wollte mich doch nur erst einmal beraten lassen sind sie beleidigt. Also wenn, dann direkt klagen. Es sei denn, der Anwalt ist so ehrlich und gibt direkt zu, dass diese Klage kein Erfolg hat.

Antwort
von premme, 29

Hallo,

entscheidend, für deinen weiteren Weg ist, ob du Privat / oder Kassenpatient bist.

Bist du Kassenpatient, wende dich an die Ärztekammer, als Privatpatient musst / kannst du über einen Anwalt gehen.

Bist du Privat, gehe zu deinem Rechtsschutz, und Bitte um Übernahme des Verfahrens. Bekommst du die Zustimmung, werden dir meist Anwälte angeboten. Nun kannst du einen davon Konsultieren.

Hast du einen eigenen "Wunschanwalt", frage nach beim Rechtsschutz, ob auch der tätig werden darf.

Wenn JA, gehe zu ihm, mit deinen gesamten Unterlagen. Alles weitere veranlasst er.

Hinweis, mein Verfahren, bis zum Gewinnen, dauerte ca. 3 Jahre.

Die Kosten, vom Rechtsschutz getragen, ca. 18 000.-€.

Viel Glück.

Bei weiteren Fragen, schreib mich an.

Gruß

Kommentar von Buerger41 ,

Basieren auf Wissen? Ich habe da meine Zweifel

Kommentar von premme ,

Zweifeln ist dir freigestellt.

Meinst du, ich schreibe zu diesem Thema, aus Jux ?.

Gruß

Kommentar von Buerger41 ,

Nein. Nicht aus Jux, aber auch nicht mit Fachwissen. Sorry.

Kommentar von premme ,

Einfach so schreiben, ist leicht.

Aber nenne doch dein Fachwissen.

Ich habe aus eigener Erfahrung geschrieben.

Gruß

Kommentar von Buerger41 ,

Ich verweise auf meine Antwort.

Kommentar von premme ,

Du machst es dir sehr leicht.

Ich benötigte kein Fachwissen, denn das hatte der RA.

Wie ich bereits erwähnt hatte, berichtete ich "aus eigener Erfahrung".

Wenn dir weiter nicht`s dazu einfällt, als auf deine Antwort zu verweisen, anstatt Fakten anzusprechen/ zu schreiben, lass es einfach.

Gruß

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