Frage von victorlupin, 29

Ab 2030 nur Elektroautos?

Servus Leute, der Bundesrat fordert in einem Beschluss, ab 2030 keine neuen Benziner und Dieselautos neu zuzulassen. Ist es realistisch? Werden sie es wirklich durchziehen?

Heute haben wir nicht genug Ökostrom um 40 Millionen Autos zu laden. Auch den Ölkonzernen wird das nicht gefallen. Es würde auch viele Arbeitsplätze kosten.

Werden ab 2030 wirklich nur noch Elektroautos neuzugelassen? Und was ist mit Hybridautos?

Antwort
von Dxmklvw, 15

Wenn nur noch Elektroautos zugelassen werden, dann fällt für den Staat ein erheblicher Teil an Steuereinnahmen (Mineralösteuer) weg.

Es wäre weltfremd, anzunehmen, daß der Staat ohne Ausgleich auf solche Einnahmen verzichtet. Der elektrische Strom wird deshalb zwangsläufig zumindest für E-Autofahrer mindestens ebenso teuer werden wie gegenwärtig der Betrieb mit Benzin/Diesel.

Daneben werden natürlich auch Kraftwerke zur Erzeugung dieses Stroms benötigt. Die Idee, alles auf Ökostrom umzustellen, wird vermutlich auf diese Weise insoweit ad absurdum geführt, als daß es dann einerseits flächenzerzörende Windparks usw. gibt und andererseit Kraftwerke herkömmlicher Art gleichzeitig, was unter dem Strich nicht weniger, sondern ein Mehr an Einbußen der Natur bedeutet.

Bedenkt man, daß der beabsichtigte Umstieg auf Ökostrom zu einem großen Teil auf ideologische Argumentation gestützt ist, bei dem geflissentlich verschwiegen wird, wie viel derartige "Stromerzeuger" in den Anfängen des Booms, aber auch nocht jetzt nutzlos (nicht an Netzwerke angeschlossen) herumstehen und selbst Strom benötigen, um nicht infolge von Totenruhe zu vergammeln, dann kann man z. T. den Umstieg auf E-Autos auch als Maßnahme ansehen, um einer teilweisen Sinnlosigkeit nachträglich einen Sinn zuzuweisen.

Doch in der Fragestellung geht es nicht um Sinn oder Unsinn der Stromerzeugungsindustrie, sondern nur darum, ob ein durch Gesetze erzwungener Umstieg auf E-Autos realistisch ist oder nicht.

Ich meine, es ist absolut realistisch.

Den Grund dafür sehe ich jedoch nicht im rationalen und auf das Volkswohl bedachte Denken der Politik, sondern nahezu ausschließlich im bestehenden Lobbyismus, dessen Hintergrund die Begehrlichkeiten großer Konzerne sind, die das unvermeidbare allmähliche Sterben der Mineralölindustrie ausnutzen wollen, um die eine Abhängigkeit (Mineralöl) der Nationen gegen eine andere Abhängigkeit (Elektrizität) auszutauschen.

Elektrizitätsversorgung halte ich für neutral. Daraus entstehende zunehmende Schäden sehe ich im Charakter derjenigen, die eine energieerzeugende Industrie nicht nach dem Merkmal der Gemeinnützigkeit,  sondern ausschließlich nach dem Gesichtpunkt der Habgierbefriedigung aufbauen. Anderslautende vorgebrachte Argumente halte ich für so etwas wie hochwirksames Raumspray, das die anderen üblen Gerüche für einige Zeit übertünchen soll.

Hybridautos halte ich nicht für einen goldenen Mittelweg, den ich stattdessen darin sehen würde, daß die Ansiedlungsstrukturen grundsätzlich geändert werden: Wo es geht, keine Pendler mehr, Schluß mit dem Hin- und Herkarren vieler Güter von A über B nach C, um am Ende vielleicht auch noch an A Steuern einsparend verkauft zu werden, Schluß mit den meinsten Subventionen und Schluß mit einer Wegwerfindustrie, in der Qualität und Fairneß nicht mehr vorkommt.

Kommentar von Pauli010 ,

Überlass mal diese Beurteilung einem qualifizierten Spezialgremium - etwa dem Club of Rome. Nur die sind in der Lage, weitreichenden Technologie-Wandel zu diskutieren und daraus Schlüsse zu ziehen.

Wir arme Hanseln sehen nur winzige Teilaspekte und können keinesfalls über die erforderlichen Daten, die zum Input einer Modellrechnung erforderlich sind, verfügen.

Kommentar von Dxmklvw ,

Solche sog. Spezialgremien (die es ja quer durch alle Bereiche für jedweden Befindlichkeit gibt) sind dieselben, ohne die wir vermutlich m. E. eine erheblich heilere Welt hätten.

Ich bin dafür, mit meinem eigenen Kopf zu denken. Wenn mir noch wichtige Informationen fehlen, dann ist das sicher nicht günstig, doch wenn ich mich auf das Urteil anderer verlassen würde, dann wäre ich selbst nicht mehr als eine Marionette.

Antwort
von randomhuman, 8

Wir werden sehen. So wie ich die Weiterentwicklung der Umweltgesetze betrachte und die Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen im Klimaschutzvertrag von Paris, so ist es naiv zu glauben, dass Verbrenner 2030 noch eine große Rolle spielen werden. Wenn sie nicht verboten werden, dann wird es sicherlich noch einige geben. 

Ich rechne ab 2020 mit einem Tipping Point, ab dem immer Menschen neben einem Benziner (Diesel lass ich außen vor, weil diese noch weniger Zukunft haben) auch einElektroauto in ihre Kaufentscheidung mit einbeziehen werden. Ich zum Beispiel richte meinen Blick schon heute auf Elektroautos und beobachte die Entwicklungen sehr genau. Opel Ampera-e, Tesla Model 3, Renault Zoe und viele Ankündigungen der deutschen Hersteller lassen auf ein breiteres Produktfolie ab 2017/2018 bzw. ab 2020 hoffen. Ein Diesel kommt mir eh nie ins Haus. Hybridautos halte ich für eine Übergangslösung, um zu versuchen Verbrenner durch die immer schärferen Umweltgesetze zu bekommen.  

Die Sache mit dem Ökostrom entwickelt sich. Es sind ja noch 14 Jahre Zeit. Bis 2025 will die Bundesregierung 40-45% Anteil haben. 2035 schon 55-60%. Hamburg und Schleswig-Holstein wollen bis 2035 auf 100% erneuerbare Energien kommen. Da ist definitiv was im Gang und das ist auch unsere Verpflichtung, um den Klimavertrag einzuhalten. Heute sind wir bei 33% erneuerbare Energien. 

Abschließend sage ich, auch wenn es nur eine Empfehlung des Bundesrates ist und diese Empfehlung nicht umgesetzt wird, so rechne ich mit einem signifikanten Anteil der Elektroautos von deutlich 50% in den Neuzulassungen ab 2030. Der Rest könnten sowas wie Plug-in Hybride oder Hybridautos sein aber reine Verbrenner wohl eher nicht. Ich bleibe gespannt. Man muss ja auch immer den Verkaufswert eines Autos am Ende in Betrecht ziehen, wenn ich z.B. 2030 einen Verbrenner kaufen würde, wer wird ihn mir 2040 noch abkaufen? Ich bleibe gespannt, was die Entwicklungen rund ums Auto bringen.

Antwort
von charlynickel, 9

Praktisch ist das schon heute möglich, allerdings müssten mehr Ladestationen installiert werden. Ein Problem sind auch die langen Ladezeiten, dieses könnte jedoch mit Redox-Flow-Batterien gelöst werden, diese können wie normaler Kraftstoff betankt werden. Strom ist jetzt schon im Überfluss da man muss sich nur ansehen wie oft die Windräder still stehen, deren Rotorblätter werden bei Überangebot einfach in den Wind gestellt, weil es einfacher ist als ein Wärmekraftwerk herunterzufahren, diese Standzeiten könnten z.B. zum Aufladen des Elektrolytes genutzt werden.

Auch der Wirtschaft wird die Umstellung einen großen Impuls geben der weitaus größer ist als der Verlust der Arbeitsplätze des alten Energiesektors, es ist praktisch eine Abwrackprämie ohne dass diese gezahlt werden muss!

https://de.wikipedia.org/wiki/Redox-Flow-Batterie

Antwort
von brummitga, 12

Jeder, der einigermaßen realistisch denken kann, wird erkennen, dass das nicht in 14 Jahren erreichbar ist. Die Bosse der Autokonzerne werden sich vor Lachen auf die Schenkel geklopft haben.

Aber das "Sommerloch" kann eben bis in den Herbst reichen.


Kommentar von jochenprivat ,

Da bin ich völlig bei dir. Auch so einen Atomausstieg schaffen wir ja sehr schnell. Wir schaffen alles.

Antwort
von jochenprivat, 9

Deutschland kann nicht mal einen Flughafen bauen. Eine Umsetzung innerhalb von 13 Jahren auf nur E-Autos ist da sehr unwahrscheinlich.

Jetzt soll auf ein mal auch noch die Autobahn privatisiert werden. In Frankreich hat das gut funktioniert. Deutschlant kann aber noch nicht mal Maut.

Kommentar von brummitga ,

das ist keine "Maut"; es ist eine "Infrastrukturabgabe"  (Sarkasmus aus)

Antwort
von derhandkuss, 8

Realistisch ist es nicht möglich, dass ab 2030 nur noch Elektrofahrzeuge neu zugelassen werden. 

Dazu müsste erstens bis dahin die Infrastruktur geschaffen sein. Zweitens müsste die Industrie serienreife Fahrzeuge anbieten, die auch für Langstrecken geeignet sind. Drittens gibt es diverse Lobbies wie die Mineralölgesellschaften und den ADAC, die Druck auf solche Entscheidungen ausüben. 

Kommentar von Fuchssprung ,

Die Infrastruktur ist doch jetzt schon vorhanden. Strom gibt es überall und eine Steckdose außen an jedem Haus oder jeder Straßenlaterne anzubringen ist keine Hexerei. 2030 sind die Autos auf jeden Fall serienreif und haben die gleiche Reichweite wie die Benziner. Es ist also nur eine Frage des politischen Willens. Möglich ist es auf jeden Fall.

Kommentar von wollyuno ,

straßenlampen kannst vergessen,da ist nur nachts strom am kabel und die leistung würde nicht reichen

Kommentar von randomhuman ,

Wenn man jeden Tag z.B. 50 Kilometer pendelt, dann kann das Auto doch bei langsamer Ladegeschwindigkeit 8h lang aufgeladen werden. Sehe da absolut kein Problem. Es müssen nur ordentliche Schnellladestationen an Autobahnen gebaut werden.

Kommentar von Pauli010 ,

Elektro / Verbrenner kann nur über die Marktakzeptanz entschieden werden. Dies ist nur am Rande eine politische Entscheidung - insoweit eine Beeinflussung der Politik durch die Kfz-Lobby und der Erdölgewinnerlöse. Diesen Breakeven werden die entscheiden, die den größten Nutzen daraus ziehen.

2030 ist eine Richtzahl, an der wir uns nun reiben.

Zum einen wird der Staat kaum Gewinneinbußen dulden, also werden die Steuern angepasst. Zum andern werden Kfz-Hersteller mit den Erdölförderern sich absprechen - eben weil auch dort keiner Wirtschaftsmacht und- Einfluss verlieren will.

Wenn E-Fahrzeuge dominieren, wird sich unser Mobilitätsverhalten entscheidend geändert haben - Otto Normalverbraucher, denn der Anwendungsnutzen ist ein anderer.

Im militärischen Bereich wird es weiterhin Kohlenwasserstoffe wegen der höchsten Energiedichte geben. Stell dir mal vor, einen Panzer und ein Jagdflugzeug mit Elektromotor! Da wird es Raketen und Drohnen geben.

Und was machen wir mit der Verkehrsflugzeugen?

Urlaubsflüge, Arbeitsplätze an den Flughäfen, die immer noch wachsen -

Ja, auch hier sage ich Club of Rome. Ob nun tatsächlich eine Erderwärmung durch CO2 eintritt - oder wenn sie durchgreift, man daraufhin den Individualverkehr eindämmt oder verbietet.

Man beachte - hier tatsächlich politisch - die deutsche Entscheidung Kernkraft ausklingen lassen, weiter fortführen, strikt runterfahren - ein Eiertanz.

Dass wir generell zu viel Energie verbrauchen - das ist die Crux.

Antwort
von wollyuno, 6

ganz einfach solang die noch so teuer sind und zuwenig reichweite haben,dazu die langen ladezeiten kauft fast keiner eines.

Antwort
von loema, 10

Die alten Autos werden doch noch weiterfahren.
Es gilt doch nur für Neuzulassungen.
Es würde auch Arbeitsplätze kosten, wenn das Ökösystem verreckt.
Vielleicht nicht direkt in Deutschland aber an vielen Orten der Welt.

Antwort
von Kp175, 10

Theoretisch ist das möglich aber praktisch etwas blöd umzusetzen aber es gibt ja ZB. tessla die stellen ja nur elektronische Autos her.

Kommentar von MrMarlboro ,

Weil sich jeder einen Tesla leisten kann. Der günstigste Neuwagen von Tesla kostet ca. 35.000$, sprich 32.200€.

Kommentar von randomhuman ,

Aller Anfang ist schwer. Ein Auto auf A4 und 3er Preisniveau ist gut bezahlbar für viele Menschen. Das Model 3 wird ein Erfolg werden.

Kommentar von Kp175 ,

Das ist mit klar deswegen mein ich das es praktisch schwer umzusetzen ist

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