Frage von I3lacksurfer123, 48

AAufsichtspflicht im Zeltlager?

Guten Abend, meine Freundin fährt die Tage in ein Zeltlager als Gruppenbetreuerin. Jetzt würde ich gerne wissen wie es mit der Aufsichtspflicht aussieht. Was ist wenn ein Kind nachts wegläuft oder gar abhanden kommt? Nachts muss man ja auch mal schlafen. Ich wollte gerne ab dem nächsten Jahr als Betreuer mitfahren also würde ich diese Frage gerne beantwortet haben bevor ich mich da auf ganz dünnem Eis bewege. Mfg

Antwort
von hapezi, 19

Aus langer Zeltlagererfahrung (Teilnehmer, Gruppenleiter, Lagerleitung) kann ich sagen, dass einem mit der übertragenen Verantwortung natürlich auch immer etwas mulimig werden kann: "...was ist wenn was passiert?!"

Prinzipiell hilft gegen Ängste aber nur sich schlau machen und versuchen abzuschätzen was passieren kann und welche Vorsichtsmasnamen nötig sind, damit ben möglichst nichts passiert. Ganz grundlegend wird das auch im Falle eines Falles nachher eine entscheidende Frage sein, weil man daran eben festmachen kann ob die Aufsichtsperson sich ihrer Aufgabe und der Verantwortung sicher war... sprich ob eine Sache als Unfall oder als Fahrlässigkeit zu werten sein könnte.

Als Richtschnur galten bei uns (laut Seminar "Planung und Durchführung von Ferienfarten") immer die drei Punkte:

1. Was kann passieren? wo liegen Risiken? Welche Masnahmen und Regeln müssten getroffen und eingehalten werden um diese Gefahren auszuschließen oder zu minimiern?

2. Allen beteiligten Personen (Leitern, Helfern, Teilnehmern...) müssen die Gefahren und die sich daraus ergebenden Regeln (siehe 1.) erklärt werden. Es muß klar gesagt werden, dass diese Regeln einzuhalten sind.

3. Die Überprüfung ob die Regeln eingehalte werden und gefährliche Situationen somit vermieden werden muss gewährliestet sein - frei nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Bei Unregelmäßigkeiten oder sich aus der Beobachtung ergebenden neuen Erkenntissen die zu einer geänderten Sicht von 1. führen muss diese Bewertung entsprechend angepasst werden.

Also in dem Fall, dass Dir Nachts ein Kind ausbüchst: Der Gefahr, dass Kids sich auf nächtliche Abendeteuersuche begeben solltest Du Dir also klar sein. Damit das nicht passiert kannst Du zunächst mal ganz klare Reglen verkünden (z.b. ab 23.00h ist Nachruhe und jeder hat im Zelt zu bleiben!) Natürlich kannst Du hier auch die Durchsetzung dieser Regeln mit Strafandrohungen untermaueren (z.b. wer nach 23.00h noch außerhalb seines Zeltes erwischt wird (ung nicht gearde auf dem direkten weg zum Klo ist) kann damit rechnen am nächsten Tag in der kücher verstärkt mit zu hlefen: Katroffelschälen ect... ) Wenn Du dann noch nach Nachtruhe regelmäßig mal über dem platz gehst und hörst obe Ruhe eingekehrt ist, ggf. bei dem ein oder anderen der ggf. noch Krawall macht mal freundlich aber bestimmt auf die NachtRUHE hinweist, hast Du mit der Kontrolle die ganze Sache abgeschlossen. Darüber hinaus ist es vielleicht auch sinnvoll weitere Maßnahmen zu ergreifen, z.B. war es bei uns immer so, dass die Gruppenleiten bei Ihren Kindern im Zelt oder zumindest in der Nähe schlafen sollten... Wenn der Zeltplatz komplett eingefriedet (Zaun) wäre, könnnte man auch zur Nachruhe das Tor zu machen...

Wie gesagt ist der Job als Leiter nicht ohne was die Verantwortung angeht. Dieser sollte man sich zwar bewust sein und auch entsprechend vorsichtig und überlegt handeln, aber diese Überlegungen dürfen auch nicht zu groß werden. Wenn man überall nur Gefahren sieht und Angst hat dass was passieren könnte, dann macht es auch keinen Spaß mehr. Wahrscheinlich kommt man dann am Ende auch zu dem Schluß, dass das ganze Zeltlager einfach zu riskant ist und die Kinder am besten alle zu Hause bei Ihren Eltern (und der Playstation ect.) bleiben... Wäre ja auch schade - oder?!

Ich wünsch Euch eine gute zeit und ein klasse Zelltager - mit viel Spaß und keinen Unfällen!

Antwort
von PeterSchu, 9

Der Kernpunkt ist schon mal, dass die Aufsichtspflicht beim Veranstalter liegt, und nicht automatisch beim einzelnen Betreuer. Der Veranstalter des Zeltlagers sollte also unbedingt dafür sorgen, dass die Betreuer erzählt bekommen, was sie zu beachten haben. Tut er das nicht, dann dürfte er im Falle einer Aufsichtspflichtverletzung zumindest eine Mitschuld haben.

Als Betreuer muss man auf jeden Fall Regeln aufstelllen, darauf achten, dass sie eingehalten werden und falls das nicht der Fall ist, muss man einschreiten. Tut man das alles und es passiert trotzdem was, dann was das unvorhersehbar und man kann nicht von einer Verletzung der Aufsichtspflicht reden. Das nur ganz kurz zusammengefasst. Es gibt aber viele Infos, wenn man zum Beispiel googelt nach "Aufsichtspflicht Sportverein".

www.sportschule-steinbach.de/cms/iwebs/download.aspx?id=78014

Antwort
von sozialtusi, 28

Als Betreuer ist das Eis eigentlich immer relativ dünn  ;)

Ja, man hat die Aufsichtspflicht. Dazu kann ja auch gehören, dass man bevor man selbst schlafen geht noch mal durch alle Zimmer geht und kontrolliert, ob alle Kinderlein da sind und schlafen.

Dass man 24 Stunden wach ist, kann niemand erwarten. Aber das man alles tut, um Problemen vorzubeugen schon.

Kommentar von Menuett ,

Nein, das Eis ist nicht besonders dünn.

Eine Aufsichtspflichtverletzung ist schwer nachzuweisen.

Kommentar von sozialtusi ,

Wenn ein Kind abhanden kommt, weil Du nicht aufpasst, dann könnte man Dir theoretisch was

Das ist ja der Knackpunkt... Je nachdem, wie man daran halt rumbastelt. Ich habe leider tatsächlich schon solche Fälle erlebt und selbst wenn man als Betreuer "heile" aus der Nummer rauskommt, bleibt oft ein fader NAchgeschmack.

Antwort
von Menuett, 18

Wenn die Kinder von sich aus weglaufen, kann den Betreuern kein Vorwurf gemacht werden.

Aufsichtspflicht bedeutet nicht, dass die Kinder 24/7 beobachtet werden müssen.

Wenn ein Kind abhanden kommt, weil Du nicht aufpasst, dann könnte man Dir theoretisch was, aber nur dann, wenn das Kind deswegen tatsächlich zu Schaden kommt.

Antwort
von Myrmiron, 28

Dafür gibts extra eingeteilte Nachtwachen soweit ich weiss.

So war das zu mindest bei uns. Derjenige holt dann halt am Morgen ein paar Stunden schlaf nach.

Antwort
von Fardon, 6

Wenn ein Kind nachts wegläuft trift Dich erstmal keine Schuld!

Die Frage wäre ja, was hätte ich dagegen tun können? Einsperren kannst Du ein Kind nicht (Freiheitsberaubung, Brandsicherheit) und 24 Stunden wach sein auch nicht. Es ist auch nicht vorgeschireben eine Nachtwache einzurichten.

Wichtig ist Dich über ein Seminar fortzubilden, um deine Eignung nachzuweisen und Dich dann nach besten Wissen und Gewissen im Zeltlager zu verhalten zu können.

Nicht alle Unfälle etc. sind vermeidbar und somit muss auch niemand dafür die Schuld treffen. Also nicht zu sehr verrückt machen lassen

Antwort
von Daniel Seiler, 14

Hallo I3lacksurfer123, 

einen super Buchtipp dazu:

http://www.jugendleiter-blog.de/2013/05/01/rechtsfragen-jugendarbeit/

Das Buch behandelt umfassend das Thema Aufsichtspflicht und sollte aus meiner Sicht jeder Betreuer einmal lesen.

Viele Grüße

Daniel

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