Frage von DrProf224, 106

AAnzeige wegen Beschädigung auf Party?

Hallo, Folgende Situation: auf einer Party mit Ca 20 anwesenden ist eine Shisha umgefallen und die kohle hat brandlöcher in der Couch hinterlassen. Jedoch kann keiner sagen wer sie umgeschmissen hat, bzw wer daran schuld ist. Die Eltern des "Veranstalters" bestehen nun darauf das wir unter uns (den Gästen) einen schuldigen ausmachen und / oder den schaden aufteilen und gemeinsam für eine neue couch aufkommen sollen. Wenn wir das nicht schaffen wollen sie Anzeige gegen unbekannt erstatten. Meine Frage ist nun welche Konsequenzen es nun für jeden einzelnen von uns hat wenn es bei niemandem einen begründeten Verdacht gibt.Danke schon mal!

Expertenantwort
von TheGrow, Community-Experte für Recht, 45

Hallo DrProf224,

ich gehe ja mal davon aus, dass es keine Anhaltspunkte gibt, dass Jemand die Shisha absichtlich umgeworfen hat, sondern dass dieses ausversehlich, wenn nicht sogar unbemerkt geschehen ist. In dem Fall wurde die Couch durch eine fahrlässig begangene Handlung beschädigt.

Es gibt aber keinen Straftatbestand der "fahrlässigen Sachbeschädigung", sondern nur gem. § 303 StGB die (vorsätzlich begangene) Sachbeschädigung.

Insofern liegt gar keine Straftat vor, die die Mutter anzeigen könnte.

Was bleibt ist die zivilrechtliche Seite.

Die Mutter hat einen Anspruch gegenüber dem Verursacher des Schadens. Kann dieser nicht ermittelt werden, bleibt sie auf den Schaden sitzen. Rein rechtlich gesehen, kann die Mutter nicht alle für den Schaden haftbar machen.

Der User TorDerSchatten hat ja bereits angeführt, wie man die Sache handhaben könnte. Allerdings ist dieser Rat rechtlich nicht ganz unproblematisch.

Wenn Jemand den Schaden auf seine Kappe nimmt und den Schaden seiner Versicherung meldet, mag das zwar moralisch gesehen völlig einwandfrei sein, aber rechtlich gesehen, erfüllt er damit den folgenden Straftatbestand:

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Auszug aus: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__263.html 

§ 263 StGB - Betrug

(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

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Sinnvollerweise sollte sich dementsprechend derjenige Melden, der den Schaden auch verursacht hat und er sollte es auch sein, der es seiner Haftpflichtversicherung meldet.

Wer den Schaden auf seine Kappe nimmt, obwohl er den Schaden nicht verursacht hat, sollte sich darüber im Klaren sein, dass ihn der Gefallen ein Strafverfahren einhandeln kann. Über die Wahrscheinlichkeit, dass das das rauskommt spekuliere ich hier aber nicht.

Schöne Grüße
TheGrow

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 23

Sollte kein Verursacher gefunden werden, dürfte der Veranstalter haften - was wiederum die eigenen Kinder sind. Sprich die Kinder sind den Eltern gegenüber schadenersatzpflichtig. 

Irgendwie beisst sich da die Katze in den Schwanz. 

Eine Anzeige wäre sinn- und zwecklos, da es kein strafbares Verhalten gibt. 

Die Partyteilnehmer sollten fairerweise den Verursacher finden und ggf. zusammenlegen. Ansonsten dürfte die Freundschaft nachhaltig beschädigt werden und es gibt zukünftig keine Partys mehr. Versucht möglichst schnell, eine die Eltern zufriedenstellende Lösung zu finden. Es gibt schon genügend Ärger wegen dieser Lappalie. Mitgefeiert haben alle, dann sollten auch alle freiwillig haften. 

Antwort
von peterobm, 69

der Schuldige wird nicht gefunden werden, die Anzeige läuft ins Leere. Die Eltern bleiben auf dem Schaden sitzen. 

Der Sohnemann hat die Party geschmissen, dem würde ich bis zur vollständigen Zahlung das Taschengeld kürzen

Antwort
von TorDerSchatten, 55

Jemand, der gut mit dem Partygeber befreundet ist und eine Privathaftpflichtversicherung besitzt, sollte dieser den Schaden melden. Es ist ein typischer Versicherungsfall.

Allerdings wird nur der Zeitwert oder die Reparatur des Sofas ersetzt werden. Bei einer hochwertigen Couch kann ein Polsterer das beschädigte Stoffteil austauschen, sofern der Stoff noch lieferbar ist.

Kommentar von DrProf224 ,

Danke, aber zahlen die auch wenn sie wissen dass minderjährige shisha geraucht haben und Alkohol vorhanden war?

Kommentar von TorDerSchatten ,

Es geht um Begleichung des Schadens und nicht um Moralvorstellungen. Shisha im Privaten Raum zu rauchen ist durchaus erlaubt, wenn die Eltern einverstanden sind, aber darum geht es ja nicht.

Es kann ja auch jemand die Shisha des Vaters umgeschubst haben

Ich würde da gar nicht so ins Detail gehen, sondern den Schaden so melden:

Shisha auf Wohnzimmertisch, Person stößt an den Tisch, Shisha fällt um und Kohle kullert auf das Sofa. Ende

Und nix von Party und Alkohol, sondern ganz sachlich bleiben

Kommentar von TheGrow ,

Im Grunde genommen ist Dein Rat von der moralischen Seite einwandfrei. Natürlich wäre es ein Unding, wenn die Mutter auf dem Schaden sitzen bleibt und die von Dir genannte  Möglichkeit ist natürlich tauglich, dass die Mutter den Schaden ersetzt bekommt.

Nur komme ich nicht umhin, auf die rechtliche Seite hinzuweisen.

Du forderst hier dazu auf, dass man der Versicherung falsche Tatsachen (sprich, dass der Versicherungsnehmer der Verursacher des Schadens ist) vorspielt, damit die Mutter den Schaden ersetzt bekommt. Das ist strafrechtlich gesehen ein Betrug gem. § 263 StGB.

Mit dieser öffentlichen Aufforderung zum Betrug begehst Du selber schon eine Straftat nach folgender Rechtsgrundlage 

**************************************************************************

§ 111 StGB - Öffentliche Aufforderung zu Straftaten

(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) zu einer rechtswidrigen Tat auffordert, wird wie ein Anstifter (§ 26) bestraft.

(2) Bleibt die Aufforderung ohne Erfolg, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Die Strafe darf nicht schwerer sein als die, die für den Fall angedroht ist, daß die Aufforderung Erfolg hat (Absatz 1); § 49 Abs. 1 Nr. 2 ist anzuwenden.

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Ich weiß ja, dass Dein Rat nur gut gemeint ist, aber juristisch ist dieser Rat halt sehr  sehr problematisch.

Antwort
von bleau, 55

Hi! Höchstwarscheinlich wird das ganze keine Konsequenzen haben. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass derjenige, der die Shisha mitgebracht hat ein größeres Problem kriegen könnte, als die anderen. Informiert euch darüber, ob so etwas die Verischerung bezahlt, wenn ja dann sollte es ja kein Problem sein, einen "Schuldigen" zu finden, dessen Versicherung sich dann darum kümmert! LG

Kommentar von peterobm ,

warum sollte dem Eigentümer der Shisha ein grösseres Problem bekommen??

Kommentar von bleau ,

Derjenige, der die Shisha mitbringt, hat dafür die Verantwortung. Grade wenn Minderjährige anwesend sind usw ;)

Kommentar von peterobm ,

Quatsch, gleiches Beispiel: du bringst ne Flasche Rotwein mit, stellst die Flasche geöffnet auf den Tisch, ein "Jemand" stösst an den Tisch und die Flasche kippt um und versaut den weissen hochwertigen Teppich; 

keine weitere Ausführung erforderlich :D

Antwort
von MaggieSimpson91, 52

Sie können das Geld auf zivilrechtlichen Wege einklagen und wenn sie Erfolg haben, können sich einen von den Beklagten aussuchen. Seid fair und teilt.

Kommentar von peterobm ,

können sich einen von den Beklagten aussuchen.

aus welcher Klamottenkiste stammt die Aussage?? Blödsinn³

Kommentar von furbo ,

Wenn sie Erfolg haben... 

Unter dieser Bedingung können sie auf die "Klamottenkiste" zurückgreifen. Das nennt sich dann "gesamtschuldnerisch" und die Klamottenkiste ist das BGB, genau der § 421 BGB.

Kommentar von MaggieSimpson91 ,

Dann informier dich mal.

Kommentar von peterobm ,

okay, du warst auch dabei; also zahlst DU :D nach deiner eigenen Aussage       *facepalm*

Kommentar von MaggieSimpson91 ,

Sorry, ich war nicht in dem besagten Fall dabei. Ich habe auch von "wenn" gesprochen.

Kommentar von peterobm ,

ich habe auch nur von "wenn" gesprochen; 

Kommentar von furbo ,

wenn sie Erfolg haben, können sich einen von den Beklagten aussuchen

richtig. Ich sehe nur das Problem darin, "Erfolg" zu haben. Vermutlich wird das Gericht den Veranstalter zahlen lassen - und das sind die Kinder des Wohnungsinhabers.

Kommentar von MaggieSimpson91 ,

Sehe ich ganz genauso.

Antwort
von Spectre007, 33

Wenn kein schuldiger gefunden wird
Müssen sie selbst zahlen

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