Setz Dich ganz ruhig hin und spüre in Dich hinein:
Wie würdest Du Dich in zwei Jahren nach seinem Tod fühlen, wenn Du nicht hingegangen wärest.
Wie würdest Du Dich in zwei Jahren nach seinem Tod fühlen, wenn Du hingegangen wärest.
Das kannst Du variieren, in 1 Jahr später oder in 10 Jahren später - Deine innere Weisheit wird Dir die richtige Zeit vorgeben. Vielleicht willst Du auch mehrere Versuche machen mit verschiedener Zeit. Aber immer für beide Möglichkeiten dieselbe Zeit nehmen!
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Diese Sache mit dem Verzeihen ist ja so:
Würdes DU IHM verzeihen, tust Du das - aus spiritueller Sicht - nicht für ihn, sondern für Dich selbst.
Wenn Du aber dazu (noch) nicht bereit bist, kannst Du ihm ja (noch) nicht verzeihen. Also würdest Du lügen oder Dich seelisch vergewaltigen. Das wäre also einfach so (sag ich mal) dahergeplappert, ohne wahren Inhalt. - Das ist also keine Lösung.
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Dein Stiefvater will (vielleicht) Verzeihung - dann muss er sich selbst verzeihen.
Das ist die wahre Aufgabe von Tätern: Sie müssen sich selbst verzeihen.
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Für das Wort "verzeihen" kannst Du ja auch "entschuldigen" sagen. Das bedeutet: Da hat jemand Schuld auf sich geladen, mag / kann diese Last nicht mehr tragen und bittet die Person, der er Leid angetan hat, ihn zu ent-schuld-igen. Das bedeutet: Die Last der Schuld soll das Opfer von der Schulter des Täters nehmen.
Und wo bleibt die Schuld dann? Im Nirwana? Nee! Auf den Schultern des Opfers (wenn das Opfer sich noch als Opfer fühlt - was Du ja offenbar tust). Das würde dann bedeuten: Zur Last des Opfer-Seins trägt das Opfer dann die Schuld des Täters.
Ist ja "ein bißchen" heftig!
Jeder, der sich dies vergegenwärtigt weiß, dass das so nicht richtig sein kann.
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Vielleicht gelingt es Dir - falls Du hingehen willst -, im Gespräch Deine Ruhe zu behalten.
Und vielleicht gelingt es Dir, falls er um Verzeihung bittet, ihm ganz ruhig und ohne Zorn zu sagen (falls es stimmt):
"Es ist nicht wichtig, ob ich dir verzeihe. Du musst dir selbst verzeihen, darauf kommt es an."
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Ich geb Dir eine kleine Hilfe (jetzt werd ich ein bißchen religiös):
Die Instanz, die uns erschaffen hat (viele nennen sie Gott), hat uns so erschaffen, dass wir vollkommen sind. Wir sind also in Wahrheit das, was wir eigentlich sind.
Nur weil wir im Laufe unseres Seins Erfahrungen machen, um die wahre Liebe zu lernen (das ist im Grunde unsere einzige Aufgabe, an der wir rumackern), sind wir - seelisch - kleine Dreckspatzen.
Während wir also die wahre Liebe lernen, machen wir viele Fehler (so wie Dein Stiefvater mit Dir). Weil wir so verschieden sind wie alle Blumen auf der Welt, sind wir auch verschieden in unserer Art, Erfahrungen zu machen und die wahre Liebe zu lernen.
Das heißt: Einer macht solche Fehler und ein anderer macht ganz andere Fehler. Solange wir lernen, sind wir alle kleine seelische Dreckspatzen: Dein Stiefvater, Deine Mutter, Du und ich auch.
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Wenn Du Dich entschließt, Dreckspatz Stiefvater vor seiner letzten Reise (sterben) zu besuchen, besuche nicht den Dreckspatz, sondern die Seele, die er eigentlich ist.
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Meine Erfahrung ist, dass solch eine innere Haltung mir vieles leichter macht.
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Ich weiß ja nicht, ob Du an Gott oder an Engel oder einfach an die Natur oder wie auch immer glaubst (wie genau ist nicht wichtig).
Meine Erfahrung ist: Wenn ich innerlich sehr aufgewühlt bin, z.B. mit Zorn, und ich kann mein gegenüber nicht liebevoll ansehen, dann bitte ich diese höhere Instanz in mir, an die ich glaube, z.b. so:
"Ich kann nicht liebevoll gucken, bitte tue DU es durch meine Augen."
Meine Erfahrung ist: Das macht alles plötzlich sehr viel leichter! Und mein Gegenüber spürt das auch, ohne dass wir jemals darüber ein Wort verlieren.
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Ich hab das schon häufiger gemacht, denn wenn ich wütend bin, kann ich einfach nicht liebevoll sein. Manchmal ist es aber wichtig - auch für meinen eigenen Seelenfrieden -, liebevoll in einer bestimmten Situation zu sein.
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Sei gewiss, Du wirst die richtige Entscheidung treffen.
Ich wünsche Dir viel Mut und Kraft und Liebe - wie auch immer Du Dich entscheidest.
Toller Beitrag! Hat mich echt berührt! DH!!
Das freut mich. Dir alles Gute.
Und vielen Dank für den Stern.