Frage von 7Anonym7, 49

5.pk "Geschlechterrollen-angeboren oder Ergebnis von Erziehung" Bezug zur Philosophie?

Mein 5.pk-thema ist "Geschlechterrollen-angeboren oder Ergebnis von Erziehung?" mit dem Referenzfach Philosophie. Nun finde ich aber keinen Bezug zur Philosophie! Irgentwelche Themenvorschläge?

Antwort
von Docvomdorf, 26

Die Frage ist ja eng verwandt mit der historischen "Nature vs. Nurture-Diskussion", ob also menschliches Verhalten und Erleben angeboren oder erworben ist. Allem voran: Auch nach intensiver Forschung weiß man nichts Genaues. Man geht im Allgemeinen davon aus, dass die Persönlichkeit in einem komplexen Zusammenwirken unserer Gene und unserer Umwelt entsteht. "Umwelt" ist insofern weiter gefasst als "Erziehung", da ein Individuum nicht nur erzogen wird, sondern sich auch wesentlich selbst (durch Umweltinteraktion) prägt.

Zur Geschlechterrolle gibt es insofern ein Problem, als dass Rollen grundsätzlich (von anderen Individuen oder sich selbst) zugeschrieben werden. Wenn man den Geschlechterunterschied also über den problematischen Begriff 'Rolle' aufdröselt, hieße die Antwort eindeutig: Nicht angeboren!

Das greift m.E. aber zu kurz, da das Erbgut schon einige Dinge vorgibt. Beispielsweise haben Jungen und Mädchen unterschiedliche Konzentrationen bestimmter Geschlechtshormone, die unmittelbaren Einfluss auf ein quasi geschlechterspezifisches Verhalten und Erleben haben können. Da ja bekanntermaßen auch die anatomischen Merkmale abweichen ;-), kommt noch ein weiterer Faktor ins Spiel: Die Geschlechtsidentität. Diese wird schon in relativ jungen Jahren stabil. Jungen und Mädchen wissen dann, dass sie Männlein oder Weiblein sind, und das Geschlecht nicht willkürlich veränderbar ist.

Dass jedoch auch die Geschlechtsidentität nicht in Stein gemeißelt ist, zeigen die Fälle, in denen Menschen sich im "falschen Körper" fühlen. Das wiederum ist mit kognitiven Prozessen verbunden, so dass auch hier wieder das Gen-Umwelt-Wechselspiel greift.

Um den Bogen zur Philosophie zu schlagen, müsste man wohl ein paar Klassiker zu diesem Thema heranziehen und mit den heutigen Auffassungen vergleichen. Die frühe Auffassung war, dass der Mensch das ist, was seine Gene sind. Bis hin zur nationalsozialistischen Rassentheorie und der Auffassung vom "Verbrechergen". In neuere Zeit tendierte man eher dazu, dass das Milieu die Persönlichkeit wesentlich bestimmt, bis hin, dass sogar eine geschlechterlose Gesellschaft möglich wäre.

Ich denke, zu diesem Thema gibt es sehr viel Literatur. Die Kunst wird sein, in dieser Komplexität den Durchblick zu behalten und sich nicht zu arg zu verzetteln. Viel Spaß und berichte mal darüber, wie es ausgegangen ist!

Kommentar von JaniXfX ,

Nur als Anmerkung: Das ist die Perspektive, wie sie die Mainstream-Psychologen führen. Daher ist das eine sehr fundierte Antwort! 

Allerdings gibt es viele Perspektiven der Psychologie. So würden analytische oder tiefenpsychologische Ausrichtungen durchaus sagen, dass es sich bei Geschlechterrollen um etwas erlerntes handelt und auch durch die Erziehung erst entsteht. Diese Schulen der Psychologie sind auch wesentlich näher an der Philosophie als die Mainstream'ler. 

Kommentar von Docvomdorf ,

Perspektiven gibt es in der Psychologie in der Tat wie Sand am Meer. Allerdings ist ein "Mainstream" meines Erachtens nicht auszumachen. Zumal das sehr systemspezifisch ist (USA vs. Europa usw.).

Es gibt historisch die sehr grobe Unterscheidung zwischen den beiden Extrempolen der Deterministen (die das Bewusstsein auf genetische/biologische Verursachung zurückführen) und der Behavioristen (die behaupten, jeder Mensch können beliebig konditioniert werden). Das Problem ist nur, dass sich weder die klassischen Postulate der Gentheorie, noch z.B. die Ergebnisse von Watsons klassischer Konditionierung, später im Experiment eindeutig reproduzieren ließen.

Analytische Psychologie wie auch Tiefenpsychologie ist eine maßgeblich von Jung und Freud begründete Strömung, die dem Unbewussten und Unterbewussten einen erheblichen Einfluss auf die Psyche zuschreibt. Grundlegende Verschiedenheiten zum "Mainstream", wo auch immer der liegt, wie auch eine besondere Nähe zur Philosophie, oder eine besonderen Beitrag zur Erklärung der Geschlechterrolle, würde ich nicht erkennen wollen.

Antwort
von Bella5620, 25

Die zwei großen Überthemen müssten in deinem Fall Kultur- und Staatsphilosophie sein. Einen guten Beitrag, der viele Aspekte einschließt ist der folgende:

https://de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker/_Geschlechterforschung/_Ge...

Ansonsten empfehle ich dir einige Theorien von verschiedenen Philosophen zu erarbeiten, diese mit der heutigen Zeit zu verknüpfen und systematisch, vergleichend, gegenüber zu stellen.

Antwort
von liquorcabinet, 19

Ich würde mir berühmte Thesen von Philosophen heraus suchen und anhand diesen dann versuchen heraus zu bekommen, wie sie diese Sache mit den angeborenen oder durch die Umwelt beeinflussten Geschlechterrollen, bewerten würden :)

Antwort
von SirAskAlot45, 28

möglicher weise wird unserer ganzes bewusst sein nicht durch erziehung oder äußeren einflüsse geprägt sondern uns vorgeben und wir haben keine wahl es uns auszusuchen ... weiss jetzt nicht ob es studien über leute gibt die denken sie wären eine frau in männer körper oder anderesrum bei denen es möglciherweise gleiche signifikante ereignisse in deren kindheit gab

Kommentar von JaniXfX ,

... das ist nicht die Art, wie Bewusstsein und Unbewusstsein miteinander funktionieren.

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