Im Familienhandbuch habe ich folgendes gefunden:
Welche Hilfestellungen gibt es für den oft mühevollen Alltag mit dem trotzenden Kind?
Am wichtigsten erachte ich, dass Sie selbst (vielleicht gemeinsam mit Ihrem Partner) sich einmal Gedanken darüber machen, welche Erfahrungen Sie als Kind mit Autorität gemacht haben und wie es Ihnen heute gelingt damit umzugehen. Denn, wenn wir selbst Autorität ablehnen, werden wir bei aller Einsicht, dass Wachstum ohne Grenzen und Regeln nicht möglich ist, unseren Kindern keine Grenzen setzen können.
Denken Sie auch einmal darüber nach, wie es Ihnen gelingt, mit ihren eigenen Wünschen umzugehen. Wissen Sie was sie wollen? Können Sie auf die Durchsetzung Ihres Willens aus Einsicht oder aus Liebe zu einem anderen Menschen verzichten? Wenn wir selbst kaum einen Zugang zu unserem eigenen Wünschen und Wollen haben, wird es uns auch schwer fallen, die Entwicklung des Willens unserer Kinder zu fördern bzw. ihre Willensäußerungen positiv anzunehmen.
Wenn Sie nun noch ihr Regelsystem in der Familie auf ein Minimum reduzieren und die Grenzen klar und deutlich formulieren und durchsetzen können, haben sie alles in der Hand, um mit der Trotzphase Ihres Kindes umgehen zu können bzw. eine gesunde Autonomieentwicklung ihres Kindes zu fördern.
Hilfen
Helfen Sie Ihrem Kind dadurch, dass sie es in der "Phase der Verwirrungen" nicht zusätzlich in Verwirrung und in Konfliktsituationen bringen. D.h., überprüfen Sie Ihre "Regel- und Verbotsliste": "Weniger ist mehr!" Teilen Sie Ihrem Kind klar mit, was sie von ihm wollen und verlieren Sie sich nicht in endlos langen Erklärungen und Vorträgen.
Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit sich auf Veränderungen einzustellen. D.h., planen sie einfach mehr Zeit für Ihre Tätigkeiten ein. Alles, worauf man sich einstellen kann, kann auch leichter angenommen werden.
Helfen Sie Ihrem Kind, indem sie in Ihrem Verhalten berechenbar bleiben. Nichts führt leichter in eine noch tiefere Verwirrung, als unterschiedlichstes Verhalten zu den selben Auslösern; ... Manchmal Ja, dann wieder Nein, dann mit viel Diskussion etc. Nehmen Sie Ihr Kind einfach öfter in den Arm und teilen Sie ihm in "ruhigen Phasen" mit, das sie es mögen.
Handeln Sie in dieser Phase der Entwicklung nach dem Grundsatz: "Jetzt ist wichtig für Übermorgen!" Das was Ihr Kind in dieser Phase erlernt, trägt sein gesamtes weitere Leben.
Unterstützen Sie Ihr Kind so oft es irgend geht in seinen Bestrebungen nach Selbstständigkeit. Bieten Sie Situationen an, in denen Ihr Kind selbstständig sein kann. Nehmen Sie sich Zeit für gemeinsame Unternehmungen, in denen Ihr Kind das Tempo angibt.
Wenn Sie sich selbst der Situation nicht mehr gewachsen fühlen, ziehen Sie rechtzeitig eine Beratung und Hilfe bei.
Immer wieder fragen mich Eltern in Beratungsgesprächen, woher sie die Kraft nehmen sollen, in den schwierigen Phasen nicht nur zu reagieren, sondern aktiv zu handeln und dabei noch freundlich zu bleiben? Wichtig ist, zu wissen, dass es für die Ablösung des Kindes auch förderlich ist, wenn es die Eltern auch mal wütend oder "böse" erlebt, wenn es z.B. um die Durchsetzung von Grenzen geht. Das ist für das Kind wesentlich leichter zu ertragen und auszuhalten, als Abwendung, Drohung oder versteckte Abwertungen. Ärger und Enttäuschungsreaktionen sind erlaubt. D.h., indem Sie selbst, so wie Ihr Kind, Ihre Gefühle ausdrücken, lernt es sie nicht nur kennen, sondern es lernt mit Ihrer Hilfe und Unterstützung zunehmend einen konstruktiven Umgang damit. In der Regel können Sie darauf vertrauen, dass die Beziehung zu Ihrem Kind diese Konflikte aushalten wird.
Eine Mutter erzählt: "... ich bin total wütend und kann es nicht fassen, was Melanie heute wieder angestellt hat! (Kurze Nachdenkpause) ... aber wenn ich mir vorstelle, dass sich mein Kind später einmal so klar abgrenzen kann, dann geht es mir eigentlich ganz gut! (Die Mutter dreht den Kopf zur Seite und schmunzelt.)
Das Verhalten ist für die Eltern schwer nachzuvollziehen, denn der Anlaß für solchen Zorn braucht nur geringfügig zu sein. Eine Hilfe für die Eltern und Erzieher mag sein, wenn sie sich vor Augen führen, daß der Zorn nicht gegen sie persönlich gerichtet ist. Das Kind versucht, sich von den Eltern (Erwachsenen) abzunabeln und mehr Selbständigkeit zu erreichen. Außerdem soll die eigene Durchsetzungsfähigkeit getestet und auch die Grenze des Wollens erlebt werden. (Hetzer, 1970). Remplein (1964) deutet das Trotzverhalten als Zeichen eines entstehenden Ichbewußtseins. Dieser Loslösungsprozess ist sowohl schwierig als auch langwierig und mit Schmerzen verbunden. Kinder, bei denen Trotzverhalten wenig bis kaum auftaucht, sind laut dieser Meinung in Bezug auf Selbständigkeit und Durchsetzungsfähigkeit stark eingeschränkt.
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Haeufige_Probleme/s_485.html
Wie wahr!