Frage von Evaiiion, 79

3 Faktoren, die für eine vollkommene Freundschaft gegeben sein müssen (Aristoteles)?

Mir fällt da jetzt nur ein, dass man tugendhaft und gebildet, klug sein muss.
Kennt ihr noch eine Vorraussetzung?

Antwort
von Empylice, 46

Vertrauen, Loyalität, Ehrlichkeit und am wichtigsten: Den Freund akzeptieren, wie er ist.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 25

Aristoteles, Ethika Nikomacheia (Ἠθικὰ Νικομάχεια; Nikomachische Ethik; lateinischer Titel: Ethica Nicomachea) 8 – 9 behandelt systematisch die Freundschaft.

Allgemein ist der Grund für Freundschaft nach der von Aristoteles dargelegten Auffassung etwas Liebenswertes. 3 Faktoren können dabei aus den Motiven (Beweggründen) entnommen werden. In einer vollkommenen Freundschaft sind alle 3 Faktoren vereint vorhanden, in einer unvollkommenen Freundschaft nur 1 Faktor oder 2 Faktoren.

Die 3 Faktoren = Motive (Beweggründe) der Freundschaft sind (Aristoteles, Nikomachische Ethik 8, 3 – 5):

1)Tugend/Vortrefflichkeit/Tüchtigkeit/Gutsein (ἀρετή [arete])

2) Lust (ἡδονή [hedone])

3) Nutzen

Die vollkommene Freundschaft ist die zwischen guten Personen (Personen, die sich durch Tugend/Vortrefflichkeit/Tüchtigkeit/Gutsein auszeichnen). Die andere Person wird dabei um ihrer selbst willen geliebt. Gute Personen sind auch einander angenehm/lustbringend/freudebereitend und nützlich.

Die in der Fragebeschreibung genannten Voraussetzungen, tugendhaft, gebildet und klug zu sein, gehören alle zu Tugend/Vortrefflichkeit/Tüchtigkeit/Gutsein.

Aristoteles, Nikomachische Ethik 3 - 6 unterteilt die Tugenden/Vortrefflichkeiten in 2 Gruppen:

A) Charaktertugenden/Vortrefflichkeiten des Charakters/ethische Tugenden (ἀϱεταὶ ἠθικαί [aretai ethikai])

Aristoteles behandelt viele. Dazu gehören unter anderem Gerechtigkeit (δικαιοσύνη [dikaiosyne]), Tapferkeit (ἀνδρεία [andreia]), Besonnenheit/Mäßigung (σωφροσύνη [sophrosyne]), Großzügigkeit/Freigiebigkeit (ἐλευθεριότης [eleutheriotes]), Hochsinnigkeit/Seelengröße (μεγαλοψυχία [megalopsychia]), Wahrhaftigkeit/Ehrlichkeit/Aufrichtigkeit (ἀλήθεια [aletheia]), gesellschaftliche Gewandtheit/humorvolle Witzigkeit (εὐτραπελία [eutrapeleia]).

B) Vortrefflichkeiten/Tugenden des Verstandes/dianoetischen Tugenden (ἀϱεταὶ διανοηϑικαί [aretai dianoetikai])

Dies sind Wissen/Erkenntnis/wissenschaftliches Denken (ἐπιστήμη [episteme]), Kunstfertigkeit/Technik/sachkundiges Herstellungswissen (τέχνη [techne]), Klugheit/praktische Vernunft (φρόνησις [phronesis]), Vernunft/Geist (νοῦς [nous]) und Weisheit (σοφία [sophia]).

Freundschaft (φιλία [philia]) ist nach der von Aristoteles dargelegten Auffassung ein gezeigtes gegenseitiges Wohlwollen. Bei der eigentlichen Freundschaft wird dabei der anderen Person um dieser selbst willen Gutes gewünscht (Aristoteles, Nikomachische Ethik 8, 2).

Arten der Freundschaft (unterteilt nach Grundlage des Liebenswerten)

1)Tugend/Vortrefflichkeit/Tüchtigkeit/Gutsein: Die Liebe ist auf das Gute (τὸ ἀγαθὸν [to agathon]) gerichtet (wertvolles Wesen/Charakter/Verhalten der Person; die eigentliche und vollkommene Freundschaft, bei der Lust/Freude/Annehmlichkeit und Nutzen hinzukommen)

2) Lust: Die Liebe ist auf das Lustvolle/Erfreuliche/Angenehme (τὸ ἡδὺ [to hedy]) gerichtet (instabil, kann schnell verschwinden, wenn das unmittelbar Lustvolle/Erfreuliche/Angenehme verschwindet)

3) Nutzen: Die Liebe ist auf das Nützliche (τὸ χρήσιμον [to chresimon]) gerichtet (Gleichheit der Personen nicht unbedingt groß, nicht dauerhaft, Klagen und Vorwürfe können leicht eintreten aufgrund der Meinung, zu wenig bekommen zu haben)

einige weitere Gedanken bei Aristoteles:

Die Entstehung von Freundschaft benötigt etwas Zeit und eine Gewohnheit des Zusammenlebens.

Echte Freundschaft beruht auf einer gewissen Gleichheit/Ähnlichkeit.

Freundschaft ist eng verwandt mit Wohlwollen und Eintracht.

Freundschaft äußert sich im Zusammenleben im Austausch von Wohltaten (dauerhaft und wechselseitig).

Freundschaft kann es auch unter ungleichen Partnern geben. Der Unterlegene (geringere Fähigkeiten) sollte sich dann proportional besonders stark um das Geben von Liebe bemühen.

Freundschaft ist auch politisch in einer Gemeinschaft wichtig, weil sie zu einem guten Zusammenleben führt und gerechtes Handeln und Eintracht begünstigt.

Empfehlenswert sind vor allem gute Freunde, unter Umständen dafür dann weniger. Mit unbegrenzt vielen Menschen ist eine echte Freundschaft nicht gut aufrechtzuerhalten.

Antwort
von berkersheim, 20

Siehe:

www.claus-beisbart.de/teaching/su2011/ne/ne11.pdf

Antwort
von HelpYou1995, 38

Bruder vor Luder

Bro-Kodex §14 Abs. 3

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