Frage von MiloMaeder, 89

20 Überstunden umsonst arbeiten?

Hallo,

ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und nun ein Angebot bekommen. Prinzipiell ist der Vertrag nicht so schlecht, allerdings schreckt mich der Paragraph ab, wonach ich auf verlangen im Monat 20 Überstunden umsonst zu leisten habe. Jeder in meiner Familie ist darüber total geschockt, vor allem da das Grundgehalt jetzt eh nicht so der Knaller ist.

Ich weis nicht was ich machen soll ... auf der einen Seite ist es bescheuert die erste Festanstellung vielleicht auszuschlagen, auf der anderen Seite bin ich auch noch unbefristet in einer anderen Firma mit viel weniger Lebenshaltungskosten angestellt.

Was meint ihr? Ist diese Klausel mittlerweile schon fast Standard? Was heist überhaupt auf "Verlangen", das könnte ja heißen die könnten von mir jeden Tag verlangen das ich länger bleibe und somit eine 45h Woche statt 40h Woche "verschleiern" unter dem selben Gehalt.

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo MiloMaeder,

Schau mal bitte hier:
Beruf Arbeit

Antwort
von Interesierter, 32

Eine 45-Stunden Woche damit verschleiern, funktioniert über diesen Vertragspassus nicht, denn Überstunden fallen üblicherweise nicht regelmäßig sondern nur in Auftragsspitzen an.

Gerade bei höher dotierten Posten wird heute nicht mehr nach "Anwesenheit" bezahlt. Letztlich wirst du für die Verrichtung einer bestimmten Arbeit eingestellt und auch bezahlt. Ob du diese Arbeit nun in 8 oder in 9 Stunden pro Tag erbringst, liegt ja auch zu einem guten Teil bei dir selbst.

Derartige Klauseln sind heute durchaus üblich. Wenn dich dieser Passus schreckt und du bessere Angebote hast, dann nimm das Andere. 

Antwort
von Familiengerd, 18

Es geht hier um eine Klausel zur pauschalen Abgeltung von Überstunden.

Ob eine solche Klausel rechtlich Bestand hat oder insgesamt nichtig ist, hängt wesentlich von der Formulierung und den Bedingungen ab.

Die Anzahl der pauschal abgegoltenen Überstunden muss in angemessener Relation zur vereinbarten Gesamtstundenzahl und zum vereinbarten Entgelt stehen. Grundsätzlich ist die pauschale Abgeltung bis zu einem Viertel der vereinbarten Arbeitszeit erlaubt.

Kein Recht auf Überstundenentgeltung haben Arbeitnehmer, deren Entgelt die Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung übersteigt
(2016: 6.200 €/mtl west, 5.400 €/mtl ost).

Die pauschale Abgeltung bedeutet auch nicht, dass der Arbeitgeber nach Belieben, Lust und Laune Überstunden anordnen dürfe!

Die Pauschalabgeltung ist nicht unmittelbar gesetzlich geregelt; die Regelungen sind Folge der Rechtsprechung (Richterrecht).

Entgegen der Behauptung in einigen Antworten ist die Pauschalabgeltung keine "gängige Praxis in Arbeitsverträgen" oder "heute durchaus üblich": "gängige Praxis" und "durchaus üblich" ist immer noch die Entgeltung von Überstunden!

Kommentar von MiloMaeder ,

da wäre ich mit den < 2.000 € Netto im Monat ja bei weitem darunter

Kommentar von Familiengerd ,

Grundsätzlich hast Du bei diesem Entgelt ein Recht auf Entgeltung von Überstunden.

Es darf aber - wie geschildert - eine Vereinbarung zur pauschalen Abgeltung getroffen werden, wobei diese Vereinbarung bestimmten Bedingungen entsprechen muss, da sie sonst insgesamt unwirksam ist.

Ob die Klausel in Deinem Vertrag wirksam ist, kann ich nicht beurteilen, da ich sie nicht kenne.

Nebenbei:

< 2.000 € Netto im Monat

Bei den Entgeltbeträgen zur Bemessungsgrenze geht es um Bruttoentgelte; aber da bist Du mit gut 2.900 € immer noch "meilenweit" von entfernt.

Antwort
von Marcel89GE, 37

Nicht unterschreiben oder streichen lassen.

Normalerweise gibt es drei möglichkeiten.

1. Bombengehalt = Überstunden sind damit abgegolten.

2. Überstunden können abgefeiert werden.

3. Überstunden werden ausbezahlt.

Alles andere steht m.E.n stark im Konflikt mit deutscher Rechtslage. Kann mir nicht vorstellen, dass der Fiskus und die Sozialversicherungen gerne auf 20Std. Beitragspflicht im Monat verzichten.

Antwort
von hankey, 36

Der Arbeitgeber will damit sagen, dass die ersten 20 Überstunden im Monat automatisch mit dem Gehalt abgedeckt sind. Das MUSS nicht unbedingt negativ gemeint sein. Wenn das Gehalt für die entsprechende Stelle vergleichbar höher ist als in anderen Unternehmen wirst Du damit im Voraus höher für Arbeitsleistungen entlohnt, die Du unter Umständen gar nicht zu leisten hast. Das Unternehmen hält sich aber auch gleichzeitig vor, dass wenn Deine Überstunden 20 Stunden nicht überschreiten, Du durch das vergleichbar höhere Grundgehalt keinen Anspruch auf Mehrentlohnung hast.

Wenn das Gehalt allerdings nur durchschnittlich ist, also nicht höher als branchenüblich, ist eine solche Klausel dann schon eher fragwürdig. Also würde ich mich auf Basis des angebotenen Gehalts mal schlau machen, ob es zu vergleichbaren Stellen nicht doch höher als sonst ist oder nicht, bevor ich mich entscheide.

Kommentar von MiloMaeder ,

"Grundsätzlich" würde ich auch nichts dagegen sein, es kann ja mal sein das mit einem Projekt mehr zu tun ist. Allerdings fände ich es schon etwas anderes wenn diese Stunden von der Firma als selbstverständlich angesehen werden würden und man somit jede Woche eine 45h für das Gehalt einer 40h Woche hätte. Zumal ich viele Firmen kenne die in diesem Bereich nur 37h arbeiten. 

Antwort
von TheQ86, 38

Es ist gängige Praxis in Arbeitsverträgen, dass der AG Überstunden anordnen kann. Das ist auch rechtlich geregelt, solang du am Tag nicht mehr als 10h arbeitest.

Kritischer wird es mit den Klauseln, dass XX Überstunden pro viertel/halbem/Jahr durch das Gehalt mit abgegolten sind. Das stand bisher in all meinen Arbeitsverträgen. Ob das so ganz koscher ist weiß ich nicht. Aber es ist "normal"


http://karrierebibel.de/uberstunden-abgegolten-arbeitsrecht/

Antwort
von Lightman95, 37

Dass Ünerstunden mit dem Lohn abgegolten sind ist durchaus üblich. Ist jetzt nichts wo der Arbeitgeber dir was will. Nett ists natürlich nicht. Aber darf er machen. 

Kommentar von MiloMaeder ,

die Frage ist halt ob dies letztendlich auch tatsächlich so jeden Monat von einem verlangt wird. 

Kommentar von Lightman95 ,

Nun. Das ist schwer zu sagen. Kann, muss nicht. Wobei man schauen muss. Musst du zb jede woche 5 std mehr arbeiten, ist das die regel und dann hast du rechtlich eher die 45 statt 40 std-woche. Das ist dann wieder ne rechtliche geschichte die du mit dem chef klären müsstest, weil dann sieht das mit deinem lohn wieder anders aus. 

Antwort
von Halbammi, 23

Das ist bei Führungskräften und besser bezahlten Angestellten absolut üblich. Auch bei mir sind bis zu 20 Überstunden im Monat mit dem Grundgehalt abgegolten. Das heisst nichts anderes als das wenn viel Arbeit anfällt die in der normalen Zeit nicht zu schaffen ist, man auch mal länger bleibt. Wer nur tun will was alle tun, der kriegt halt auch nur was alle kriegen.

Was ist denn "nicht so der Knaller? "

Kommentar von MiloMaeder ,

35.000 Euro, brutto

Kommentar von Halbammi ,

dann ist das absolut üblich und auch ein überdurchschnittliches Gehalt. Wie gut das für die Branche ist kann ich natürlich nicht sagen.

Antwort
von Annelieseliese, 42

Ausbeuterklausel. Arbeit sollte entlohnt werden, auch Überstunden.

Kommentar von Interesierter ,

Ganz so einseitig und pauschal würde ich das nicht beurteilen. Körperliche Anwesenheit ist nicht zwingend gleichzusetzen mit Arbeit.

Gerade in höheren Positionen wird in der Regel nicht mehr nach "Anwesenheit" sondern für die Erledigung eines gewissen Aufgabenfeldes bezahlt. Die Vergütung dieser Posten liegt dann aber üblicherweise deutlich oberhalb der Tarifverträge. Das kann man schwerlich als "Ausbeutung" bezeichnen.

Kommentar von MiloMaeder ,

es handelt sich halt nicht mal um 2.000 Euro Netto im Monat 

Kommentar von Interesierter ,

Für einen Wirtschaftsinformatiker sind 3.000 € brutto im Monat nicht so wirklich das Bombengehalt, mit dem Überstunden abgegolten wären.

In diesem Fall würde die Aussage von Annelieseliese wohl zutreffen.

Kommentar von JesusBlack ,

ja seh ich auch so

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