Eine Frau mit Geschmack? Meine Hochachtung! :)
1.Nein, die Farben der Innenaustattung waren nicht zwingend identisch mit der Außenfarbe, aber man konnte nicht jede Innenaustattung bei jeder Außenfarbe wählen.
Die Farbkombination, die du dir für außen vorstellst wäre Ermine White and Horizon Blue Poly (Tow tone combination 960), die gab es nur in Verbindung mit der Innenausttung No. 841 Light and Medium Blue.
Einfarbige Innenaustattungen gab es beim 1960er Impala nicht, es gab weiß/schwarz innen bei den Außenfarben: schwarz, weiß, silber, grau und rot und bei den 2-Farblackierungen: weiß/schwarz, weiß/rot, weiß/silber und silber/grau.
2.Wenn du das Geld hast, kannst du das machen, ich würde es aber nicht tun & natürlich fahren die sich gut, wenn sie vernünftig eingestellt und einigermaßen gut beieinander sind. Die fahren so gut, dass du nie mehr etwas anderes willst und in jedem modernen "Winterauto" die Krise bekommen wirst, weil sie dir im vergleich zum Oldie nur noch wie der billigste Plunder vorkommen werden.
3.Passen leider nicht in deutsche Norm-Garagen, passen in praktisch kein Parkhaus, passen in die wenigsten Parklücken. Sie haben die Breite von europäischen LKWs, also bei unseren schmalen Landstraßen und engen Kurven ist da nichts mit Sportlichkeit. Auf der Autobahn kannst du sie mit 110-120km/h cruisen, mal zum Überholen kannst du sie kurzeitig treten, auf dauer machen sie das aber nicht mit. Willst du Langsstrecken schneller fahren, dann brauchst du eine zusätzliche Getriebeölkühlung und je nach Modell eine stärkere Wasserpumpe und/oder einen stärkeren Wasserkühler. Dann kannst du schneller fahren, aber ohne an Getriebe- und der Hinterachsübersetzung groß etwas zu ändern, fängt die Kiste ab 130km/h das an, wovon die Deutschen immer reden: sie säuft wie ein Ackergaul. Wenn man sie amerikanisch cruist tut sie das nicht, zumindest nicht wenn sie gut eingestellt ist.
Im städtischen Bereich kannst du den Wagen nicht großartig unbeobachtet in der Öffentlichkeit abstellen - tauchen sofort irgendwelche Neider und verblendeten Idioten auf, die dir was dran kaputt machen.
Sowas ist als Hobby super, wenn man den Platz hat, selbst schraubt oder selbst schrauben lernen will. Als Erstauto taugt das aber nicht so viel. Nicht dass sie im Winter nicht fahrbar wären, nur allen, die ich kenne würde das Herz bluten so einen Wagen durch gesalzenen Schneematsch fahren zu müssen, Tag ein Tag aus unter Bäumen zu parken, ihn zig mal die Woche nass regnen zu lassen, auf dem Supermarkparkplatz Dings und Dongs von anderen Türen zu kassieren, etc. sowas macht man nicht mit Klassikern. Mit einem spät 70er Jahre Malibu oder einem früh 80er Jahre Camaro vielleicht noch, aber nicht mit einem Flossenschiff.
Mein Tip: für den Alltag einen Volvo 940 2.0 oder 2.3 ohne Turbo, mit LPG Gas Anlage. Ist zwar ein Plastebomber, aber ein großer, solider, komfortabler und heckgetriebener Wagen, der im Unterhalt nicht mehr kostet als ein Twingo auf Benzin. Ist etwas vernünftiges für den Alltag. In der Anschaffung günstig, Ersatzteile bekommt man auf jedem Schrottplatz. Durch die Vollverzinkung macht ihm das Salz im Winter auch nicht viel und sie halten "ewig", ist eben der letzte echte Volvo und perfekt als Alltags-, Winter- und Schlechtwetterfahrzeug geeignet.
Wenn man den ausreichenden Platz und das nötig Geld hat, dann einen Ami als Hobby dazu.
Wow, vielen Dank für diese ausführlichen Antworten & Beschreibungen :)
Die Idee mit dem Impala werde ich mir wohl doch wieder aus dem Kopf schlagen müssen. Zu schade! Wäre dabei natürlich ein großer Vorteil, mit so einem Wagen in Amerika zu leben ;)
Danke, danke, danke!
Dazu musst du nicht in die USA! Die größte Anzahl an alten Amis pro Einwohner gibt es in Skandinavien, dort ist Cruising soetwas wie ein Volkssport, schon seit den 50er Jahren - dort konnte man Amis schon seit den 20er Jahren neu kaufen, Ford US hatte eine eigene Fabrik in Norwegen, für Plymouth und Dodge gab es eine Fabrik in Lynköpingen Schweden, GM US hat auch irgendwo dort produziert...selbst die Polizei fuhr dort bis weit in die 60er Jahre hinein fast nur Amis. In ettlichen Gemeinden hatten Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr noch bis vor etwa 5 Jahren Chevy Vans in großen Stückzahlen im Einsatz, seitdem werden es weniger Amis im öffentlichen Dienst.
Dort gibt es riesige US Car Treffen, für die mittlerweile sogar Touris aus den USA, Kanada und Australien anreisen. Das größte Autotreffen der Welt ist in Västeras Schweden. Die bekommen einmal im Jahr etwa 14.000 alte Amis zusammen. Kann man sich in 2 Tagen gar nicht alle angucken! Den ganzen Sommer über gibt's in jeder Kleinstadt immer wieder kleinere Treffen - also kleiner nach ihrem Maßstab.
In Stockholm kommen jeden Freitag abend im Sommer 1200-2000 alte Amis auf einem Parkplatz zusammen (wir in Deutschland würden das "unser größtes Treffen" nennen und es würde einmal im Jahr stattfinden). In Helsinki treffen sie sich das ganze Jahr über am Hafen, auch im Winter bei Minus 25°...in Skandinavien siehst du auch im Alltag jede Menge alte Amis rumfahren, besonders Jugendliche haben meist einen guten Ami für den Sommer und einen gammeligen Ami für den Winter.
Als ich das letzte mal dort war habe ich sogar Kenworth LKWs auf der Autobahn gesehen. Keine Showfahrzeuge, ganz normale Zugmaschinen von einer Spedition! Je weiter du nach Norden kommst, desto weniger Autos sind unterwegs, aber desto höher wird das prozentuale Aufkommen an alten Amis. Jedes kleine Kuhkaff hat seinen eigenen Autoclub für Oldtimer und/oder Amis.
Das Land ist groß, sie haben verhältnismäßig wenig Einwohner, breite, gerade Straßen, viel Platz und sie lieben alte Autos, nicht nur Amis...salzen im Winter ihre Straßen nicht, sondern leben mit dem Schnee und auf ihren Straßen ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit eh 110km/h, also vermissen sie auch gar nichts, wenn sie nicht dauerhaft schneller fahren.
Teilweise sehen die Siedlungen sogar aus wie schöne Vorstädte in den USA der 60er Jahre. Als ich dort das erste mal hin kam, dachte ich, ich hätte mich verfahren und wäre in einer Siedlung von Angehörigen des US Militärs gelandet: "Ach, in Schweden haben die auch Stützpunkte?" Aber es sind einfach Schweden die ihren Traum vom alten Amerika leben und sich dabei nicht selbst zu ernst nehmen, ich find es cool :) Schade nur, dass viele Deutsche nicht so tolerant sein können und lieber jeden anfeinden, der etwas anders macht, etwas anderes hat, sich für andere Dinge interessiert, seine persönlichen Schwerpunkte anders setzt. Neid und Missgunst sind in Deutschland echt schlimm (geworden).
zB. hier ein Video aus Tranås
http://www.youtube.com/watch?v=AtY9xGVhVeA
Tranås kenne ich ganz gut, war dort längere Zeit beruflich in 2006. Ist ein kleines Provinznest am Sommensee in Mittel-Schweden, mitten in wunderschöner Natur. Die ganzen kleinen Wald- und Seesiedlungen und Bauernhöfe drumherum mit eingerechnet kommen sie auf etwa 25Tausend Einwohner. Jeden Tag siehst du ein paar alte Amis im Alltagsverkehr, jeden Freitag und Samstag abend treffen sich ettliche im Ort, an der Tankstelle und auf den Supermarktparkplatz, fahren die Ortsstraße rauf und runter...deren jährliches Sommer Treffen ist für schwedische Verhältnisse klein und nicht wirklich überregional bekannt, aber guck nur was da alles rumfährt und rum steht! Absolut stark.
Das mit Skandinavien finde ich wirklich beeindruckend und das Video aus Tranås hat mir auch sehr gut gefallen. Der Wagen, der bei 2:49 Minuten vorbeifährt, ist der, den ich gerne in meiner Garage hätte ;)
Stimmt, es wäre wirklich schön, wenn Deutschland das auch machen würde, sei es Autos, oder auch andere Dinge.
Die alten Amis haben mir es einfach schon immer angetan. Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass ich selbst Halbamerikanerin bin, aber ich mag diese etwas älteren Autos einfach, weil sie in meinen Augen schicker und wertvoller wirken, als so manch anderes.