Ich bin 17 und werde morgen rausgeschmissen. Man ich sitze den ganzen Morgen hier rum und höre nur den Worten "I'm not here, this isn't happening" von Thom Yorke zu, ich muss doch irgendwas tun können..
Das geht hier schon ne ganze Zeit drunter und drüber, ich wohne bei meinem Stiefvater und seiner Freundin in einem Haus, außerdem noch mit meinen drei jüngeren Geschwistern. Meine Mutter verdient ihr Geld im Rotlichtmilieu von Bremen. Ganz ehrlich, statt zu ihr zu gehen, nehm ich lieber mein Zelt und bewohne nen Quadratmeter eines Kornfeldes, hier in der Umgebung. Mein leiblicher Vater wohnt ne Busfahrstunde von hier entfernt, da könnte ich vielleicht ein paar Tage hin aber das geht auch wirklich nur wenige Tage, vielleicht zwei oder drei. Schließlich bin ich in der 10. Klasse des Gymnasiums und habe vor die letzten beiden Jahre weiterhin auf die Schule hier zu gehen.
Mit dem Jugendamt stehe ich seit Jahresanfang im Kontakt aber die sind sich immernoch uneinig, wer überhaupt für mich zuständig ist. Bremen oder Niedersachsen. Ich lebe zwar in Niedersachsen aber weil meine Mutter in Bremen wohnt, wäre Bremen zuständig. Und da werde ich seit Monaten hin und her geschickt. Tja und gestern hat mir mein Stiefvater mitgeteilt, dass er "schon wenn ich reinkomme" er "keinen Bock mehr" auf mich hat und ich Sonntag Abend die Schlüssel abgeben soll.
I'm not here, this isn't happening...
Das war eines der komischsten Wochenenden meines Lebens. Ich wurde schon am Samstag rausgeschmissen weil es meinem Stiefvater "Sonntag nicht passt"e. Dieses Wesen hat seine Menschlichkeit verloren. Mir gegenüber jedenfalls. Ich habe ne Nacht bei meiner Freundin geschlafen (das alles hatte also auch was sehr Gutes :D) und jetzt wohne ich vorrübergehend bei meinem leiblichem Vater. Mein Schulweg ist gute 15 Kilometer lang und weil dieser Weg nur die Luftlinie angibt, brauche ich jetzt manchmal (so wie heute) 2 1/2 Stunden von der Schule bis hier hin. Das Jugendamt hat NICHTS Neues auf die Reihe gekriegt. Sie sind sich immernoch über ihre Zuständigkeit uneinig. Ich denke, ich werde mit ner alten Freundin telefonieren, die mir vor Monaten angeboten hat mit mir in ne WG zu ziehen, also werde ich das selbst in die Hand nehmen. Alles, was das Jugendamt macht, ist Stress, Stöcke und Steine in den Weg legen. Wenn das alles vorbei ist und ich in meinen neuen Alltag finde, gehe ich damit an die Presse. Ich bin doch nicht der einzige Fall, bis andere Menschen mit ähnlichen Problemen zum Jugendamt gehen, muss da was passieren! Ich hab in meinem Leben schon viel durchgemacht. Ne alkoholkranke Mutter, die seit zwei Jahren auf den Strich geht, zusätzlich unglückliche Liebe. Nicht Jeder würde das so schaffen wie ich, wenn dann auch noch das Jugendamt die Sache erschwert... Aber eins muss ich sagen, es hat ein gutes Ende! Es geht mir jetzt schon besser als im alten zu Hause. Also falls da draußen Menschensind mit der Einsamkeit, wie ich sie verspürt habe bis hin zur Todessehnsucht.. Es gibt Hoffnung und irgendwann wird es besser! Mut zur Veränderung. ;)
Das finde ich auch, dass du viel Kraft und Durchhaltevermögen hast und dass viele nicht die Kraft haben, ohne Hilfe sowas zu überstehen. Deine Aufregung kann ich gut verstehen. Nicht dabei stehenzubleiben, sondern Dich für andere einzusetzen, indem Du die Probleme öfentlich machst, finde ich gut - ich denke ähnlich!- Hast Du an die regionale Presse gedacht oder überregional? Falls überregional hätte ich evtl. auch 'was beizusteuern!- Vielleicht hast Du Dir über diese Details auch noch keine Gedanken gemacht - wäre durchaus sehr verständlich - kann mir vorstellen, dass Du jetzt grad andere Probleme hast!
Auf jeden fall alles Gute und viel Erfolg bei der Wohnungssuche!