Als Trainer einer Fußballmannschaft mit 12-14-jährigen Jungs weiß ich, dass manche Teams nackt, andere in Shorts duschen. Immer ohne Ausnahme. Ist wohl eine Art Gruppenzwang. Andererseits ist es normal, wenn Jungs in der Pubertät etwas schamhaft sind.
Heute kam ein neuer Spieler zu mir und fragte, warum alle beim Duschen ihre Shorts anlassen. Ich sagte, dass sie vielleicht etwas schamhaft sind. Daraufhin sagte er, dass ihn die anderen gehänselt hätten, weil er nackt duschte und angeblich einen kleinen Penis hat. Schließlich fing er an zu weinen.
Ich stand sehr hilflos da, hab versucht ihn zu trösten, aber nicht so recht gewusst, was ich sagen soll. Dass sein Penis nicht klein ist? Dass die Größe keine Rolle spielt? Versteht das ein 12-jähriger? Zu Hause habe ich mir überlegt, den anderen zu sagen, dass sie auch nackt duschen sollen. Ich denke, dass die Sticheleien dann ganz schnell aufhören würden. Allerdings habe ich Bedenken, dass man das falsch verstehen könnte. Zudem ist es vielleicht ein Eingriff in die Intimsphäre, der zu weit geht. Um vorschnellen Kritikern zuvor zu kommen: ich bin beim Duschen nie dabei!
Wie hätte ich den Kleinen trösten können und was soll ich unternehmen, um solche Verspottungen zu vermeiden? Sollte ich mich überhaupt einmischen?
Quark! Damit würde man diese Schwanzvergleiche nur noch mehr anstacheln. Auf kindisches Getue mit kindischem Getue zu reagieren (vor allem als erwachsenes Vorbild) hat noch nie etwas gebracht.
Ich könnte mir eher vorstellen, dass er da einfach durch muss. Es gibt sehr viele Kinder, die gehänslet werden, die einen wegen der Haare, die anderen wegen der Penisse, die dritten wegen der Körpergröße oder- fülle. Ich denke, dass du als Betreuer da gar nicht so viel machen kannst ausser ihm klarzumachen, dass die anderen Jungs das nicht ernst meinen, sondern sie vielleicht auch unsicher sind, warum er als einziger offen und mutig genug ist ohne Hose zu duschen. Um diese Unsicherheit zu überspielen nahmen sie ihn halt als Angriffsziel. Sei für ihn da, wenn er nochmal weinen möchte (es ist nicht schlimm, wenn man weint, es ist ein gutes Ventil!) und wenn er reden möchte. Mehr kannst du nicht tun.
Für ihn da sein werde ich sicher. Es ist nur nicht immer leicht, die richtigen Worte zu finden.