Frage von anbski, 61

(...) von der Schippe springen?

Lothar Günther Buchheim verwendet die Redewendung konsequent ohne „Tod“, bzw. „Totengräber“ oder „Teufel“. Hier zwei Zitate aus „Die Festung“: 1. "Wir sind von der Schippe gesprungen – und das um Haaresbreite!" 2. "Wie oft bin ich denn im letzten Moment von der Schippe gesprungen." Meine Frage an Muttersprachler: Wird diese Wendung in so gekürzter Form auch im heutigen Alltagsdeutsch gebraucht? Vielen Dank im Voraus.

Antwort
von Huckebein3, 42

L.G.Buchheim tut das, was viele Schriftsteller tun: Sie setzen voraus, dass man die Redewendung mit dem "Tod" kennt und verkürzt sie deshalb. Das ist legitim und deshalb nicht falsch oder irreführend.
Du hast doch auch verstanden, was er meint, ohne dass er die ganze Redewendung verwendet hat. Das nennt man schriftstellerische Freiheit.

Wenn ich zum Beispiel jemanden, der aus einer misslichen Lage in eine noch misslichere Lage geraten ist, frage: "Nun bist du wohl in die Traufe geraten?" Dann mag das beim ersten Hinhören befremdlich klingen, aber nach einigem Überlegen verstanden wird: Natürlich "...vom Regen in die Traufe".

Kommentar von anbski ,

Vielen Dank! Deine Antwort ist die hilfreichste! Viele Grüße

Kommentar von Huckebein3 ,

Vielen Dank,anbski. Gibst du mir nun auch noch das Sternchen?:)

Antwort
von critter, 38

Mit Dialekt oder Region hat diese Redewendung nichts zu tun.

"Dem Tod von der Schippe springen" bedeutet, dass man dem Tod noch gerade so entkommen ist.

Kommentar von Oubyi ,

Ließ die Frage nochmal aufmerksam durch.
Es geht darum, dass die Floskel ohne den Teil "Dem Tod..." gebraucht wird. Und das habe ich noch nie gehört oder gelesen.

Antwort
von Oubyi, 30

Also MIR ist das immer nur in Verbindung mit dem Tod begegnet.
So wie zitiert würde es heute - denke ich - zumindest zu Stirnrunzeln, wenn nicht sogar zu Unverständnis führen.

Kommentar von tanztrainer1 ,

Unterschätze da doch die Leute nicht. Das werden wohl die meisten verstehen, außer ein paar ganz Unterbelichtete.

Kommentar von Oubyi ,

Also wenn ich sehe, wie jemand kurz vor einem nahenden Auto über die Straße rennt und mein Kumpel sagt zu mir:
"Kuck mal, der ist aber von der Schippe gesprungen",
dann sehe ich ihn bestimmt irritiert an.
Und ich halte mich eigentlich nicht für unterbelichtet.

Antwort
von Stadtreinigung, 25

Ja kommt schon sehr oft vor

Kommentar von Oubyi ,

Ich habe es so noch nie gehört (in Westfalen).
Hat das vielleicht mit Dialekt zu tun?
Aus welcher Gegend kommst Du?

Kommentar von adabei ,

Dem muss ich widersprechen. Der Ausdruck "von der Schippe" springen ohne zu sagen "dem Tod von der Schippe springen" kommt im Alltagsdeutsch nicht vor, zumindest nicht dort wo ich lebe. ;-)
Selbst "dem Tod von der Schippe springen" kommt natürlich in einem normalen Gespräch eher selten vor.

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