Frage von Mamo31, 132

Meinungen zum Arbeitszeugnis?

Nachdem ich für die Firma nach einem Traineeprogramm extra für diese Stelle umgezogen bin, hat mir der Geschäftsführer des Standorts am Ende der Probezeit aus politischen Gründen gekündigt. Die leitende Personalerin hat mir wenigstens ein gutes Arbeitszeugnis versichert! Finally nach mehrmaligem nachhaken habe ich dieses heute erhalten!

  1. Was haltet ihr davon?
  2. Am Ende fehlt ein Punkt und das Datum sollte doch auch immer auf den letzten Tag des Arbeitsverhältnisses datiert sein. Wie kommt das bei fremden Personalern an?
  3. Ist das ein wirklich gutes Arbeitszeugnis? ...mir fallen da schon ein paar abweichende Ausdrücke auf. Sollte ich eine Nachbesserung verlangen?

Über professionell Meinungen und Ratschläge würde ich mich sehr freuen!

Besten Dank

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Antwort
von DarthMario72, 64

OK, folgende Anmerkungen:

  • Ein Zeugnis hat frei von Rechtschreib-, Zeichen- oder Grammatikfehlern zu sein.
  • Sind die Aufgaben abschließend genannt? Wenn ja, ist das ok so, ansonsten sollte man schreiben "...umfassten im Wesentlichen..."
  • Die Leistungsbeurteilung entspricht zwar in etwa einem "befriedigend", teilweise mit Tendenz nach unten. Sie ist auch m. E. ziemlich lieblos geschrieben und zeigt dadurch auch die geringe Wertschätzung deiner Arbeit.
  • Warum wird betont, dass du die Arbeitssicherheit beachtet hast? Das ist eine Selbstverständlichkeit, die im Zeugnis nichts verloren hat.
  • Das Sozialverhalten ist sehr knapp beschrieben, entspricht aber einem "gut". Es sollte aber in einem separaten Absatz stehen.
  • Dass es während der Probezeit endete, sollte man m. E. nicht unbedingt erwähnen. In diesem Zusammenhang verwirrt das mehr als dass es nutzt.
  • Das Ausstellungsdatum muss unbedingt mit dem letzten Tag des Arbeitsverhältnisses übereinstimmen. Alles andere gibt Anlass zu Spekulationen und unangenehmen Rückfragen.
Kommentar von myzyny03 ,

ein befriedigend sehe ich hier allerdings nur bei sehr wohlwollender Betrachtung.

Kommentar von DarthMario72 ,

Deshalb auch die Einschränkungen "in etwa" und "teilweise mit Tendenz nach unten".

Kommentar von Messkreisfehler ,

Ich lese das Zeugnis hier in Gänze auch eher mit einer "guten" 4. Mit dem Zeugnis hat man dir definitiv keinen Gefallen getan.

Antwort
von Apolon, 73

@Mamo31,

ich würde dich mit solch einem Zeugnis nicht einstellen!

 war fähig und bereit nach Aufforderung

Allein dieser Satz bedeutet für mich schon das aus.

Bedeutet du hast nur dann gearbeitet, wenn man dich dazu aufgefordert hat etwas zu tun.

Eigenständiges Arbeiten war nicht möglich.

Gruß N.U.

Kommentar von Mamo31 ,

Danke für die professionelle Meinung Norbert

Antwort
von myzyny03, 65

Zu 1: Das Zeugnis entält alles, was ich als Personaler wissen muss! Und das ist leider nichts Gutes über dich.

zu 2: Der fehlende Punkt ist mit Sicherheit kein Irrtum! Gab es rechtliche Probleme mit dem AG?

Das Datum deutet darauf hin, dass man dir am liebsten gar kein Zeugnis gegeben hätte, es aber später auf deine Nachfrage doch geschrieben hat.

Tödlich ist der Satz  " ... war fähig und bereit, auf Anforderung ...."

Heisst: ihm musste erst mal alles erklärt werden, sebstständiges Arbeiten war nicht.

Zu 3: Nein, das ist KEIN gutes Arbeitszeugnis. Eher im Gegenteil.


PS. Was sind denn "politische Gründe"??


Kommentar von Mamo31 ,

zu 2: An sich überhaupt nicht! Nach meiner Kündigung haben halt 4 Leute in kürzester Zeit gekündigt, weil Sie einfach zuviel von der entgegengebrachten "Wertschätzung" hatten und die Stimmung mehr als im Keller war!

zu 3: Werde wohl auf Nachbesserung bestehen müssen, zumal die leitende Personalerin mir das zugesichert hat. Vllt war das aber auch nur Mittel zum Zweck damit ich schnell und leise verschwinde.

Mit "politischen Gründen" meinte ich unternehmenspolitisch. Im Nachhinein hab ich gehört, dass er mich bzw. niemanden aus der Zentrale dort haben wollte! Am Ende ist er mich auch erfolgreich losgeworden...nur in seiner kurzzicht halt nicht nur mich!

Kann ich denn eine Nachbesserung verlangen?

Danke

Kommentar von myzyny03 ,

Verlangen ist so eine Sache. Wenn der AG das ausdrücken wollte, was wir herauslesen, wird er Mittel finden, das auch in einem neuen Zeugnis auszudrücken. Er muss aber gar kein neues schreiben. 

Den theoretisch möglichen Gang zum Arbeitsgericht halte ich bei einer nur halbjährigen Beschäftigung für unangemessen. Ausserdem kann man auch das eingeklagte Zeugnis entsprechend formulieren, sodass jeder Personaler sieht, dass geklagt wurde.

Eine Möglichkeit sehe ich für dich: Schreibe deine Variante des Zeugnisses selber, und rede mit der Personalchefin. Vielleicht unterschreibt sie es.

Kommentar von DarthMario72 ,

Der fehlende Punkt ist mit Sicherheit kein Irrtum

Woher willst du das wissen? Sollte es ein versteckter Hinweis sein, ist der nicht zulässig.

Kommentar von myzyny03 ,

Das ganze Zeugnis strotzt nur so vor versteckten Hinweisen. Klar sind die nicht zulässig, aber wie sollte der neue Arbeitgeber sich vor Flachpfeifen schützen, wenn es die nicht gäbe. Und fehlende Satzzeichen, oder auch zu viele, HABEN eine Bedeutung.

Kommentar von DarthMario72 ,

Und fehlende Satzzeichen, oder auch zu viele, HABEN eine Bedeutung

Deshalb sollte der Fragesteller das reklamieren, ebenso wie auch einige andere Punkte.

Kommentar von Mamo31 ,

Werde ich auch machen. Meine bisherigen Zeugnisse waren immer einwandfrei bzw. wurden bei den vorgefunden Kleinigkeiten auch immer anstandlos korrigiert. Aber hier bestätigt sich leider mein Verdacht, dass dieses gespickt mit Fehlern ist.

Die Persosachbearbeiterin ist noch ne ne recht Junge, die sicherlich noch keine 5 Arbeitszeugnisse geschrieben hat. Zudem brennt bei denen gerade der Baum. Vllt war das alles auch gar keine Absicht sondern vielmehr einfach fehlendes Wissen und fehlende Gründlichkeit!

Auf jeden Fall mal herzlichen Dank für eure Expertise;)

Kommentar von Messkreisfehler ,

Ich hab den Eindruck, dass das Zeugnis nicht aus "Unwissenheit" oder "fehlender Erfahrung" so schlecht geschrieben wurde. Das hier klingt schon durchdacht, es liest sich für mich, dass die Formulierungen in dem Zeugnis durchaus gewollt sind.

Wenn deine anderen Arbeitszeugnisse alle gut sind dann würde ich hier jetzt auch kein riesen Fass aufmachen. Darauf ansprechen und um Verbessrung bitten kannst Du ja, wenn sie es verbessert, dann gut, wenn nicht lohnt sich eine Klage nicht wirklich.

Ich hatte erst vor Kurzem eine Arbeitgeberin die echt unteridrische Leistungen erbracht hat, aus dem Grund fiel ihr Arbeitszeugnis auch nicht "gut" aus, sie ist deswegen direkt zum Anwalt und vors Arbeitsgericht gelaufen, im Endeffekt wurden ein paar Formulierungen geändert,  ich habe jedoch auch weitere Formulierungen hinzugefügt. Letztendlich ist das Zeugnis in Gänze nicht besser als es vor dem Urteil war. Bei einer schlechten Leistung kann man halt kein "gutes" Zeugnis verlangen.
Gerade bei einem Arbeitsverhältnis von knapp einem halben Jahr steht hier ein Gerichtsurteil in einem absolut unsinnigen Kosten Nutzen Verhältnis.

Kommentar von Mamo31 ,

Ich hoffe mal schwer doch! Ansonsten muss ich wohl leider den letzten bisschen Respekt vor diesem Unternehmen oder zumindest von diesem Standort verlieren.

Selbstverständlich sollte das Arbeitszeugnis angemessen sein. Es ist sicherlich in diesem halben Jahr auch nicht alles perfekt gelaufen weswegen ich ja auch nichts übermäßiges erwarte.

3 Wochen vor der Kündigung bin ich jedoch auch noch extra für diesen Job an den Standort gezogen - das wusste der GF auch. Wenn man dann anstandlos geht, da es eh keinen Sinn hat iwo zu bleiben wo man nicht gewollt wird, ohne iwelche Probleme zu machen,die Personalchefin einem wenigstens noch ein gutes Zeugnis verspricht und dann sowas dabei rausspringt dann hört für mich aber auch wirklich iwo das Verständnis auf.

Dass nach mir eine Kündigungswelle auf den Standort zugekommen ist, weil die Mitarbeiter ein letztes mal bewiesen bekommen haben, welche Wertschätzung Sie am Ende des Tages evtl für ihre Arbeit bekommen - dafür kann ich nun wahrlich auch nichts. Zeugt meines Verständnisses auch nicht von einer guten Führung. Jedoch denke ich nicht, dass ich Ihnen das sagen muss.

Ich habe jetzt schon ein paar Unternehmen erlebt aber manchmal verstehe ich nicht, dass Werte immer gefordert aber auf der anderen Seite selbst null gelebt werden!

Kommentar von myzyny03 ,

Dein Ärger ist ja verständlich, aber hier geht es doch darum ein besseres Zeugnis zu bekommen. Und da sehe ich nur den von mir oben schon beschriebene Weg. 

Kommentar von Mamo31 ,

Ja danke - ich weiß!

Habe gestern der Personalchefin geschrieben:

Sehr geehrte ...,

heute habe ich mein Arbeitszeugnis erhalten. Sehr gerne würde ich dieses Kapitel entgültig abschließen - dies geht jedoch nur mit einem
fairen und guten Zeugnis, das sie mir in unserem Gespräch versichert haben.



Bitte lesen sie sich dieses nun einmal durch und sagen sie mir ehrlich, ob Sie mich mit einem solchen Zeugnis irgendwo einstellen
würden?

Zu provokant?




Kommentar von myzyny03 ,

Na ja, sehr diplomatisch ist es nicht. Aber sicher aus der Situation heraus verständlich. Ich kann nur noch mal sagen, der AG muss KEIN neues Zeugnis ausstellen. Ich würde, wie schon geschrieben, mir selber ein Zeugnis schreiben, (dabei aber nicht ins andere Extrem übertreiben!) und mal versuchen, ob sie es unterschreibt.

Kommentar von Mamo31 ,

Ich denke auch der Personalabteilung so wenig wie möglich Arbeit zu machen, birgt die größte Chance!

Danke

Kommentar von Mamo31 ,

Noch eine Frage zu den diesen 2 Sätzen:

Der Umgang mit Betriebsmitteln war sachgemäß und überlegt.

+

Die Arbeitssicherheit beachtete XY in zuverlässiger Weise.

Diese Sätze passen hier doch nicht ins Zeugnis und sind eigentlich eher bei operativen MA angebracht, oder?

Kommentar von myzyny03 ,

Ja, diese Sätze müssen unbedingt raus! Der zweite ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn das erwähnt wird, ist das negativ.

Der andere Satz ist richtig übel. Ein "überlegter" Umgang mit Betriebsmitteln bedeutet für mich, da ist privat was abgezweigt worden.

Antwort
von Rockuser, 58

das ist ein Schuss in den Ofen, da steht nicht ein wirklich positiver Satz drin.

Entweder der Typ der das geschrieben hat, hat keine Ahnung, oder Du warst nicht gut.

Kommentar von Mamo31 ,

Danke für die Info... zeigt mir leider einmal mehr was das für ein heuchlerischer AG war!

Kommentar von Rockuser ,

Ja, tut mir leid für dich, aber mit dem Zeugnis würde ich dich nicht mal zum Vorstellungsgespräch einladen.

Du hast ein Recht auf ein angemessenes Zeugnis, das könntest Du zur Not einklagen, aber ich weiß Ja nicht, wie Du gearbeitet hast.

Kommentar von DarthMario72 ,

Du hast ein Recht auf ein angemessenes Zeugnis

So stimmt das nicht. Gerichte billigen dem AN ein durchschnittliches (= befriedigendes) Zeugnis zu. Will man als AN ein besseres Zeugnis haben, muss man belegen, dass man es verdient hat. Will umgekehrt der AG ein schwächeres Zeugnis geben, ist er in der Beweispflicht, dass der AN tatsächlich so eine Niete war.

Kommentar von Rockuser ,

Dann stimmt der Satz also doch. Angemessen muss es sein.

Kommentar von DarthMario72 ,

Dann stimmt der Satz also doch.

So kann man das auch sehen. :-)

Angemessen muss es sein.

Wohlwollend, aber vor allem auch wahrheitsgemäß - aber das weißt du ja selbst.

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