Frage von Abbrandler, 53

" Lebenskrisen" ein Problem der 60, 70, 80 90- Jahre-Generation?

Ich werde heuer 45 Jahre und stelle immer öfters fest, das immer mehr Bekannte in meinem Umfeld Probleme mit der Psyche bekommen (Burn Out, Depression, Erschöpfung). Oft genug ist eine mehrwöchige Kur notwendig.

Heute hat mich eine Freundin, der es dz. sehr schlecht geht gefragt, warum das jetzt so viele Menschen haben. Meine Antwort: Weil wir jetzt in diesem Alter sind, wo die Summe aller negativen Erfahrungen (bewusste und unbewusste) uns zum Teil so sehr geschwächt haben, das das jetzt zur Lebensmitte heraus kommt. Es zwingt uns dazu, uns mit uns selbst zu beschäftigen und uns so hin zu einer Lebenswende (hin zur Weisheit ??) zu führen - manchmal auch zwangsweise auf die harte Tour.

Meine Überlegung: Das das Lebenstempo schneller geworden ist, wissen wir ja alle, aber kommt es nur davon ?? Ist das normal in diesem Alter, oder ist unsere Generation zu weich - nicht so hart wie z. B. die Kriegsgeneration - so das wir den ganz normalen Krisen nicht stand halten ??

Das würde mich interessieren, wie seht ihr das ?? Es wäre schön wenn hier auch ältere / erfahrene Mitglieder antworten kennt Ihr das ??

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Stellwerk, 24

Also zum einen ist der Leistungsdruck massiv gestiegen, wie Du schon angerissen hast. Zum anderen glaube ich nicht, dass die Kriegsgeneration soviel härter war - es gab nur schlicht und einfach kein Bewusstsein und keine Akzeptanz für psychische Leiden. Lies mal Berichte v.a. über die Erfahrungen von Kriegskindern - da sind sehr viele mit entsprechenden "Schäden" rausgekommen. Und früher hatte man da eher "Rücken" - sprich der psychosomatische Anteil war wahrscheinlich höher. Oder prügelnde Väter, schweigende Eltern, die keine Kommunikation mit den Kindern hatten; Alkoholismus etc. Nur weil es wenig nach außen drang, heißt das nicht, dass die Kriegsgeneration weniger belastet war.

Heute sind psychische Leiden bis zu einem gewissen Punkt "akzeptabel", es herrscht ein höheres Bewusstsein und Wissen darüber, warum Menschen unter bestimmten Umständen so oder so reagieren. Es gibt mehr entsprechende Hilfsangebote - und ich gehe jede Wette ein, hätte es das nach dem Krieg schon gegeben, wäre diese Generation auch so "weich" gewesen wie die Jüngeren.

Kommentar von Abbrandler ,

Da hast Du vollkommen Recht, die Kriegsgeneration hat solche Probleme schlichtweg totgeschwiegen..   Trotzdem bleibt die Frage, ob solche Krisen in der Lebensmitte normal sind, oder ein Phänomen unserer Zeit...

Kommentar von egglo2 ,

Was du schreibst, ist völlig korrekt. Natürlich gab es auch damals Belastungen, nicht nur bei Kindern, die zu wirklichen psychischen Problemen geführt haben.

Aber ich habe die Frage von Abbrandler etwas ander verstanden.

Es geht doch mehr um den Umgang mit angesammelten Erfahrungen im Allgemeinen und wie ich mit diesen umgehe.

Die von dir beschriebenen Fälle sind sicher so intensiv, dass sie bei nahezu jedem Menschen spuren hinterlassen.

Kommentar von Stellwerk ,

Hm, stimmt, das hab ich ein wenig außen vor gelassen - aber da frag ich mal: die klassische Midlifecrisis, gerne ein wenig verspottet und belächelt - ist die nicht die ältere Variante dieses Phänomens? Erfahrungen aus den ersten Jahrzehnten reifen, man hat Familie, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, das Haus ist einigermaßen abbezahlt und plötzlich wird einem klar, dass das Leben bis zu einem gewissen Punkt vorgezeichnet ist; dass man bestimmte Wege nicht mehr einschlagen wird. Vielleicht wäre das eine passendere Entsprechung?

Antwort
von pingu72, 25

Ich denke dass du zum Teil Recht hast. Aber ich persönlich glaube eher dass das mit der heutigen Zeit zu tun hat. Heute ist alles stressiger und der Leistungsdruck ist enorm. Alles wird teuer, man muss mehr arbeiten und wer nicht spurt wird gekündigt. Dank Internet bekommt man mehr mit was auf der Welt passiert, was leider überwiegend erschreckend und beängstigend ist usw usw...

Schließlich wächst der Druck auf die Kinder auch immer mehr, wer kein Smartphone oder Markenklamotten hat wird gemobbt. Nicht umsonst haben schon viele 12 jährige Depressionen...

Deshalb glaub ich es liegt eher an der heutigen Zeit und hat weniger mit Generationen zu tun. 

 

Kommentar von egglo2 ,

Unser Sohn ist 16, trägt keine Markenklamotten, hat auch nur ein durchschnittliches Microsoft-Smartphone und hat dennoch Freunde und wurde bisher noch nie gemobbt.

Er wird von uns auch nicht genötigt, an allen sportlichen oder sonstigen Aktivitäten teilzunehmen. Wenn ich sehe, was seine Klassenkameraden /innen alles so machen, dann kann man doch nur überlastet sein.

1-3 Tage in der Woche Sportverein, dann zusätzlich Musikschule, Singen, und / oder Reiten.

Er hat Freude an Musik. Spielt Gitarre und singt. Das macht er dann, wenn er Sapss daran hat.

Schließlich muss auch noch etwas Zeit zum Lernen bleiben und ganz wichtig, Zeit um zur Ruhe zu kommen.

Wenn ich sehe, wie manche Kinder und Jugendliche von Anfang an, von ihren Eltern durchgetaktet werden, dann wundere ich mich über nichts mehr!


Kommentar von pingu72 ,

Sowas meinte ich...Ich bekomme aber auch oft das Gegenteil mit: Eltern die sich nicht um ihre Kids kümmern, sie nicht aufklären (allgemein über "das Leben") und sie mit ihren Problemen alleine lassen. 

Egal aus welchen Gründen und ob Erwachsene oder Kinder, ich glaube viele sind total überfordert!

Expertenantwort
von dadamat, Community-Experte für Medizin, 4

Das Leben ist wirklich härter geworden, besonders in der Arbeitswelt. Durch das höhere Lebensalter kann man streßbedingte Umstände nicht so schnell verarbeiten, auch wird die Widerstandskraft im Alter geringer. Gerade die jetzt ins Rentenalter gekommenden Menschen haben in den Siebziger Jahren des letzen Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, die Arbeitsverhältnisse wurden weitgehend verbessert, die Solidarität untereinander führten auch zu engeren persönlichen Verhältnissen. All dass was die Rentner in Jahrzehnten mit viel Angagement aufgebaut haben, wird nun schnell wieder abgebaut, und die Jugend / Arbeitswelt wehrt sich nicht dagegen. Das deprimiert zusätzlich die älteren Menschen.

Antwort
von egglo2, 16

Also, ich bin nun 49 und kann das Empfinden so nicht teilen.

Ich arbeite auch viel und habe die Verantwortung für meine Familie. Aber ich empfinde diesen Druck nicht so, wie hier beschrieben, oder auch von einigen meiner Kollegen schon geäußert.

Vielleicht hängt dieses Empfinden immer auch sehr stark von der "inneren Einstellung" ab. Mir ist nicht alles egal, aber ich gehe auch nicht durch das Leben und sorge mich wegen jedem kleinen Mist.

Klar, es gibt immer mehr Situationen, in denen man das Gefühl hat, dass sich fast alles widerholt. Fast jedes Argument, sei es im politischen Bereich oder auch bei der Arbeit hat man schon mal irgendwann gelesen oder gehört.

Dieses Gefühl nimmt mit den Jahren logischerweise stark zu. Auch die Illusion, man könne wirklich etwas bewegen, relativiert sich mit dem Alter.

Insgesamt aber, lass´ich mich davon nicht beeindrucken. Dieser Prozess ist in jeder Generation zu finden und wohl ein völlig normaler Vorgang.

Also, warum sollte ich mich damit belasten.

Ich tue, was ich tun kann, alles Weitere kann ich nicht beeinflussen!

Antwort
von JBEZorg, 9

Die konsumeristische Gesellschaft produziert unweigerlich innerlich zerrütete Geschöpfe, die weder Ziele sehen, noch verfolgen,noch erreichen. Echte Ziele sind natürlich gemeint, Nicht nutzlose Karrieren und Anschaffungen.

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