Frage von Wattwurm26, 38

Hochbegabung - gut zu wissen?

Liebe Nutzer, Ich würde mich über Antworten von Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen sehr freuen. Unsere 13jährige Tochter ist hochbegabt. Wir wissen es seit ihrem fünften Lebensjahr, haben es ihr damals aber nicht gesagt. Jetzt würde ich gerne wissen, ob und wie wir es ihr erzählen sollen. Wie geht es euch damit? Hilft es, es zu wissen ?

Antwort
von TheUnicorn100, 38

Ich bin 12, ebenfalls Hochbegabt. Als ich es erfahren habe war ich überglücklich und es ist schon Ein tolles Gefühl... Zuerst jedenfalls... Ich interessierte mich schon bevor ich es wusste für Themen wie Quantenphysik, Kriptographie und natürlich auch Physik. Das Problem wenn man es weiß ist einfach nur dieses: Du bist (unbewusst oder auch bewusst) beeinflusst... Du weißt was von dir erwartet wird, du kannst nicht mehr leichtfertig alles werden, denn eigentlich sollte man sich mit Hochbegabung an geistige Berufe versuchen, wenn jemand aber zum Beispiel bei der Bundeswehr arbeiten wollte und plötzlich erfährt er ist Hochbegabt, sieht er all das anders. Ich weiß nicht wie ich das erklären soll, aber es ist einfach so das du dir selbst deiner Stärke bewusst bist und weißt das es wenn du so etwas auch studierst, am besten wäre... Irgendwann gewöhnt man sich schon daran und entscheidet sich für einen geistigen Beruf, aber es ist eine ziemliche Beeinflussung bei allem und ein Druck, der dich Am Anfang herunterzieht, denn die Erwartungen die die Menschen an dich stellen sind hoch... Dabei bin ich trotz Hochbegabung nicht sonderlich anders als die meisten anderen Kinder. Natürlich ein wenig einsamer, denn ich verstehe mich nur mit bestimmten Leuten, aber das Ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es wird für sie/ihn auch eine Belastung sein... Mit der Zeit erkennt man die Hochbegabung auch von selbst, aber ich würde es erst sagen, wenn danach gefragt wird oder wenn sie sich verdammt schlecht fühlt, denn es heitert ziemlich wie ich zugeben muss.:) Wie äußert sich denn außerhalb des Testes die Hochbegabung und wie hoch ist das Ergebnis, vielleicht kann ich dann besser weiterhelfen...

Kommentar von Wattwurm26 ,

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Leistungsmässig machen wir unserer Tochter keinen Druck, wir sagen unseren Kindern immer, sie können werden was sie wollen, und das meinen wir auch so. Schließlich wissen wir als Eltern schon lange von der Hochbegabung und haben dahingehend bis jetzt auch keine besonderen Leistungen gefordert. Zur Zeit haben wir nur den Eindruck das unsere Tochter sehr ziellos ist, sich schnell begeistert und genauso schnell das Interesse wieder verliert, das sie das Gefühl hat mit Gleichaltrigen nichts anfangen zu können und meint, sie müsse alle Probleme ihrer Freunde als ihre eigenen annehmen.  Die Frage ging also dahingehend, ob sie sich wohl selbst etwas besser verstehen könnte, wenn sie von ihrer Hochbegabung wüsste?

Antwort
von PeterKremsner, 38

Im Endeffekt denke ich muss man es ihr nicht sagen, denn sie wird es selbst auch merken wenn sie mehr versteht als andere, außerdem ist es kein Vorteil wenn man es weiß. Es ist ja immerhin keine Krankheit.

Kommentar von Wattwurm26 ,

Hochbegabung ist weder eine Krankheit noch eine Behinderung! Aber es gehört zu ihrer Person dazu und das sie nicht blöd ist, weiß sie selbst. Wir wollten nur wissen, ob es ihr helfen könnte, ihre Gefühle und Gedanken besser zu verstehen.

Kommentar von PeterKremsner ,

Es hilft denk ich mal den Grund zu verstehen, warum sie mehr versteht als andere in ihrem alter. Trotzdem denke ich dass es nicht viel unterschied machen würde wenn sie es weis oder nicht.

Kann aber natürlich auch sein dass ich mich Irre, denn ich bin nicht hochbegabt, hatte aber in meiner Kindheit bestimmte Sachen anderen Kindern vorraus, da ich mich eben für die Elektrotechnik sehr interessiert habe und im Kindergarten mich mit Elektromotoren gespielt habe und Schaltungen aufgebaut habe. Von da her habe ich schon gemerkt dass ich mehr Verstehe als andere, aber ich habe mich dadurch nicht anders gefühlt, oder hatte sonst irgendwelche Gedanken, bei deren Lösung bzw Verstehen mir das Wissen geholfen hätte, dass ich eventuell Hochbegabt bin.

Antwort
von hertajess, 22

Es gibt spezielle Internate für Hochbegabte. Da würde ich mich mal nach umsehen. Und zwar sehr ausführlich. 

Ich bin hochbegabt. Meinen Eltern ist diese Tatsache wohl schon früh aufgefallen, später einigen Lehrkräften. Mir wurde deshalb in den 60-iger Jahren vor allen Dingen immer wieder eingebläut ich müsse Rücksicht nehmen. In der Schule haben ich lange Zeit während des Unterrichts andere Literatur gelesen, eigene Geschichten geschrieben, gemalt. Es war teilweise vertane Zeit. 

Vorhin ist mir ein Bild in den Sinn gekommen: 

Bezüglich Berufswahl stand ich wie alle anderen in meinem Alter auf einem Flur von dem aus viele andere Flure abgingen die zu vielen verschiedenen Zimmern führten. Alle anderen Menschen um mich herum gingen geradelinig in eines der Zimmer denn nur Das Was in diesem Zimmer möglich war war für ihre berufliche Zukunft denkbar. Ich aber konnte mir durchaus sehr gut vorstellen in mehreren Zimmern gleichzeitig gut aufgehoben zu sein. Dabei waren mir viel zu wenige Zimmereinrichtungen bekannt. 

Heute bin ich 59 Jahre alt. Hätte ich nicht zuhause zahlreiche Hobbys vermittelt bekommen wäre ich schon längst durchgedreht. Ich habe mehrere Berufe offiziell erlernt. Weiter habe ich ungelernt in manchen Berufen gearbeitet. Immer so lange bis mir langweilig wurde, ich Depressionen bekam weil ich unterfordert war. 

Dein Kind muss ein solches Schicksal nicht erleben. Auf einem Internat für Hochbegabte bekommt sie bedeutend mehr Möglichkeiten angezeigt als üblich. Sie ist unter Gleichen, kann sich also auch entsprechend messen. So weit ich durch die Sendungen des Deutschlandfunk weiß werden dort auch Musik und Sport regelmäßig angeboten während normale Schule diesen Ausgleich gerne streicht. 

Die Tage habe ich mir einen Bericht über den letzten Deutschen der im Weltall war angesehen. Der Junge war 26 Jahre alt als er sich nach einigen Jahren dafür qualifiziert hatte. Vorher hatte er aber schon sein Informatikstudium absolviert und ist ganz offensichtlich auch sonst nicht auf den Kopf gefallen, in manchen weiteren Bereichen ein Experte. Liebenswürdig ist er außerdem. Wenn dieser Junge nicht hochbegabt ist weiß ich es nicht. Und wenn er nicht entsprechend gefördert wurde erst recht nicht. Eine normale Schule ist damit in der Regel überfordert auch wenn die Ausnahmen zunehmen wo Lehrkräfte den jungen Menschen Möglichkeiten eröffnen neben der Schule zu studieren. Das geht. Unter bestimmten Umständen. 

Nutze also das Archiv des Deutschlandfunk denn da findest Du Quellennachweise. Ansonsten das Internet. 

Ach ja: Gemessen wurde ich mit Mitte 30. Es spielt keine Rolle wie hoch ich bewertet wurde. Davon kann ich mir keine Scheibe Brot kaufen. Eine Rolle spielt allerdings dass auch Menschen die nun mal schneller erfassen können, schneller arbeiten können und so fort ein Recht darauf haben sich frei entfalten zu dürfen. 

Kommentar von Wattwurm26 ,

Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Das Beispiel mit dem Flur war sehr eingängig und ich kann mir gut vorstellen, dass sich unsere Tochter auch manchmal so fühlt. Wir haben ihr ja nicht gesagt, dass sie hochbegabt ist, aber trotzdem ist ihr natürlich bewusst, dass sie z B. in der Schule ohne große Anstrengung gute bis sehr gute Leistungen erbringt. Von den Noten her, hätte sie auch schon springen können, möchte sie aber nicht. Sie ist jetzt schon die Jüngste in der Klasse und sozial gut integriert. Uns geht es zur Zeit ja auch hauptsächlich um die Frage, ob sie sich selbst, ihre Gedanken und Gefühle besser verstehen und einordnen könnte, wenn wir das "Kind" Hochbegabung beim Namen nennen? Oder würde es jetzt, mitten in der Pubertät, zu noch mehr Problemen führen?

Kommentar von hertajess ,

Ich habe dieses Wort nicht gewusst aber dass ich eine bedeutend schnellere Auffassungsgabe habe war mir schon als kleines Kind bewusst. Wie dieses Geschenk nun genannt wird spielt unter dem Strich ja keine große Rolle. Finde ich. 

Ich hätte mir schon viel eher gewünscht unter Menschen sein zu dürfen als in der Pubertät mit denen ich mich mal so austauschen kann dass ich nicht seelenhungrig zurück bleibe. Jene Erfahrungen welche Eltern und auch die Betroffenen selbst mit solchen Internaten heute machen bestätigen meine eigene Wahrnehmung. Es ist, also würdest Du gezwungen ständig auf Händen und Füßen wie ein Tier durch die Weltgeschichte zu kriechen anstatt im aufrechten Gang. Wenn Deine Tochter die Klasse nicht mehr wechseln will liegt es doch wohl daran dass sie zu einer Gemeinschaft auf irgendeine Weise dazu gehören will und nicht daran dass ihr die Pubertät, die Umwandlung und Findung zum und des Erwachsenseins schwer fallen würde. Viele mit meiner Begabung sind schon lange aus dem Arbeitsleben ausgeschieden weil wir massivst bekämpft werden von Jenen die sich viel schwerer tun. Dabei habe ich keinen einzigen Menschen kennen gelernt der sehr leicht lernt welcher sich über den sogenannten Durchschnitt stellen wollte. Wir wollen nur Seelenluft zum atmen ohne deswegen als besonders ausgegrenzt zu werden. Uns selbst leben dürfen. Davon kann die Gesellschaft durchaus massiv profitieren. Und erleben dass wir ihnen absolut Nichts wegnehmen sondern sie mit unserer Fähigkeit im Gegenteil reich beschenken können. 

Antwort
von einelenabitte, 31

Also ich war, als ich es erfahren habe erstmal ziemlich erleichtert, weil ich dachte ok ich bin hochbegabte. Das ist die Erklärung für alles. Und alles wird jetzt gut. Im Endeffekt hatte ich zwar eine Erklärung, aber sonst hat sich nichts geändert ich musste mit den selben Problemen kämpfen. Es hat mir also nicht wirklich viel gebracht.

Kommentar von Wattwurm26 ,

Danke für die schnelle Antwort. Es ist uns schon klar, das wir mit der Eröffnung " du bist hochbegabt" nicht alle Probleme lösen können. Ich würde nur gerne wissen, ob dir das Wissen um deine Hochbegabung geholfen hat, deine Gedanken und Gefühle besser zu verstehen?

Kommentar von einelenabitte ,

Nein eigentlich nicht wirklich. Wie gesagt, es half mir im ersten Moment, aber langfristig gesehen bringt es mir nichts. Selbst wenn man weiß, wieso man anders ist und diese Gefühle einordnen kann, wird es eben nicht besser. Ganz doofes Beispiel wenn man dir sagt deine Frau ist gestorben, fühlst du dich schlecht, wenn man dir dann sagt sie hätte Krebs, geht es dir nicht besser, nur weil du eine Erklärung hast.

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