Das sind 3 Fagen, hier die Antworten nacheinander:
"Weshalb hatte die Organisation Consul eine solche große Macht?"
Durch ihre weit verzweigte, aber straff organisierte und kontrollierte Struktur, die absolute Geheimhaltung und dadurch ständige Ausweitung des Einfluß-/Machtbereichs ermöglichte
"Und wie kann es sein, dass sie sich aufgrund des Mordes an Erzberger auflöste, jedoch danach noch Morde von ihr durchgeführt wurden?"
Die Öffentlichkeit erfuhr von der Existenz der Organisation Consul erst nach dem Anschlag auf den früheren Reichsfinanzminister Matthias Erzberger Die unmittelbaren Attentäter konnten sich dem polizeilichen Zugriff durch Flucht nach Ungarn entziehen. Den Strafverfolgungsbehörden fiel umfangreiches Belastungsmaterial in die Hände. Dadurch wurde die reichsweite Ausdehnung und interne Organisationsstruktur des mit chiffrierten Anweisungen und Kurieren arbeitenden Geheimbundes offen gelegt. Zudem gelang durch schnellen Zugriff die Verhaftung eines Teils des Münchner Leitungsstabes, so dass die Organisation Consul ungeachtet der diskreten Unterstützung, die sie durch die Polizeibehörden und einflussreiche Politiker in Bayern wie Georg Heim (BVP, 1865-1938) genoss, für ausgehoben und zerschlagen gelten konnte.
Tatsächlich aber reorganisierte sich die Organisation Consul im Untergrund erstaunlich rasch. Gleichzeitig bereitete die Offenburger Staatsanwaltschaft die Anklageerhebung gegen den militärischen Leiter der Organisation Consul, Manfred von Killinger (1886-1944), und andere Mitglieder der Münchner Zentrale wegen Mordes und Geheimbündelei vor. Als legale Nachfolgeorganisation wurde in München ein Neudeutscher Bund gegründet. Dieser sollte Ehrhardts Bemühen um die Infiltration anderer paramilitärischer Gruppierungen der deutschen Rechten und ihre Sammlung unter seiner Führung vorantreiben und stützte sich insbesondere auf den Verband national gesinnter Soldaten. Als öffentliches Sprachrohr der erneuerten Organisation Consul diente eine eigens gegründete Zeitschrift Wiking. Gleichzeitig wurde ein innenpolitischer "Nachrichtendienst" aufgebaut, der sich als geheimer Ersatz der von den Alliierten verbotenen Abwehr ansah und sich erfolgreich um Verbindungen zur Reichswehr bemühte.
Parallel dazu erneuerte die Organisation Consul auch ihren terroristischen Flügel, um sowohl für den Fall eines außenpolitischen Konflikts ("Plan A") als auch für den einer innenpolitischen Krise ("Plan B") zur Machtübernahme gerüstet zu sein.
Ein Rechtsputsch konnte nur Erfolgsaussicht haben, wenn es gelang, die Reichswehr auf die eigene Seite zu ziehen. Ehrhardts Pläne sahen vor, den geplanten Umsturz nicht aus eigener Kraft zu initiieren, sondern eine Situation zu schaffen, in der die Reichsregierung aus außen- oder innenpolitischer Bedrängnis heraus selbst um den Beistand der Ehrhardt-Truppen nachsuchen würde. Die Organisation Consul hoffte als Freikorps im Untergrund auf einen neuerlichen polnischen Aufstand im entmilitarisierten Abstimmungsgebiet Oberschlesiens, um ihn erst stellvertretend für die Reichswehr niederzuschlagen und dann mit dieser auf Berlin zu marschieren.
Als Geheimbund verfolgte die Organisation im Inneren zugleich eine "Provokationsstrategie", welche die Auslösung eines Aufstandes von links vorsah. Dessen erfolgreiche Bekämpfung im Dienst der Reichsregierung wollte sie sodann zum Sturz derselben und dem der Republik nutzen. Zu diesem Zweck bereitete die Organisation Consul für den Sommer 1922 eine Reihe von Mordanschlägen vor, die von mobilen Terrorkommandos im nord- und ostdeutschen Raum verübt wurden.
"Dauerten die Ermittlungen so lange?"
Die juristische Behandlung des "Organisation Consul"-Komplexes fand erst 1924 statt. Sie stand sichtlich im Zeichen einer Justiz, welche die Stabilisierung der Republik nicht dadurch konterkarieren wollte, dass sie die außenpolitisch kompromittierende Verstrickung staatlicher Behörden in die illegale Aufrüstung der "Schwarzen Reichswehr" offen legte. Die angeklagten Organisation-Consul-Mitglieder profitierten von einem nationalen Schweigekonsens, der ihre "vaterländischen Motive" mit rechtsbeugenden Freisprüchen honorierte. So wurde über die Zeit der Weimarer Republik hinaus verhindert, dass die tragende Rolle des Ehrhardtschen Geheimbundes in der Zeit der deutschen Gegenrevolution von 1920 bis 1923 zur Kenntnis der zeitgenössischen Öffentlichkeit gelangte.
Quelle und weitergehende Infos: Historisches Lexikon Bayerns
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