Eine Abwertung bedeutet, dass Vermögen entwertet wird, Schulden werden verringert. Innerhalb Europas: Vermögen in Deutschland und dort wo noch Vermögen ist, wird geringer als Ausgleich dafür, dass die Schulden der Schuldenhalter auch geringer werden.
Beispiel: Wenn man statt für einen Euro einen Dollar zu bekommen nur noch einen halben Dollar bekommt, dann ist ein vormals 100,- Dollar wertes Vermögen danach nur noch 50 Dollar wert. Hatte jemand Schulden in Höhe von 100,- Dollar, sind seine Schulden auch nur noch 50 Dollar wert.
Der Außenhandel mit EU-Mitgliedsstaaten auf EURO-Basis bleibt gleich. Macht aber jemand Gewinn, vermindert sich der auf Dollar-Basis. Macht einer Schulden, sind diese auf Dollarbasis entsprechend weniger wert.
Außenhandel mit Nicht-EU-Ländern bedeutet, dass unsere Produkte in deren Landeswährung (USA, China, usw.) billiger werden, Importe werden teurer. Das würde eine Industrienation wie Deutschland stärker treffen als ein stärker landwirtschaftlich orientiertes Land, weil ein großer Teil unserer Produktion mit Energie hergestellt wird, die auf Dollar-Basis bezahlt wird, also teurer wird.
Die Wirkungen auf die Leistungs- und Handelsbilanz sind offen. Das hängt z.B. von der Preiselastizität in den Ländern ab, wohin wir exportieren. Die Frage ist, ob z.B. die Exportmengen auf Grund der günstigeren Preise deutscher Exportgüter die Einnahmereduktion übertreffen, d.h der Wert unserer Exporte steigt. Ob der Wert der Importe steigt, gleich bleibt oder fällt, weil Importe teurer werden und durch innereuropäische oder deutsche Produkte ersetzt werden oder bei niedriger Elastizität (Energie) wir ohne große Mengenreduzierungen die höheren Preise zahlen müssen. Dazu kommt bei der Leistungsbilanz die Frage (da werden ja Transfers mitgerechnet), ob es durch die Abwertung zu Kapitalflucht kommt und Ausländer auf Grund geringeren Vertrauens nicht mehr in Deutschland investieren.
Was noch hinzukommt, ist die Preiselastizität in den EU-Ländern. Deutschland hat sich nach der Finanzkrise auch gut behauptet, weil die Löhe stärker gesunken sind als in anderen EU-Staaten. Bei einer Abwertung ist zu erwarten, dass die Gewerkschaften keine weiteren Lohnabsenkungen zulassen wollen.
Eine Abwertung bringt nur dann was, wenn sich danach die Strukturen ändern. Italien hat vor der EURO-Zeit mit der Lira abgewertet "am laufenden Band", ohne dass sich seine Probleme verringert hätten. Eine Abwertung bedeutet, dass die Schuldenmacher profitieren und die Fleißigen und Sparsamen draufzahlen.
Aber konkret im Bezug auf den Artikel wird ja genannt, dass es für Deutschland schädlich sei einen hohen Leistungsbilanzüberschuss zu haben. Aber das kann ja bei uns keine Inflation auslösen, schließlich sind wir ja im Euro und der Großteil der deutschen Exporte bewegt sich ja in der Eurozone ... Wieso leben wir also "unter unseren Verhältnissen", wie der Autor es sagte?
Die Inflation wird durch den Exportüberschuss ausgelöst (wie oben beschrieben). Daneben gibt es (wie auch oben schon gesagt) andere Inflationsauslöser, nämlich u.A. die sogenannte importierte Inflation. Die Tatsache, dass wir im Euro sind , schließt die importierte Inflation nicht aus. Aber in dem von Dir genannten Beitrag geht es auch nur um den Exportüberschuss. Der führt dazu, dass dem im Lande kursierenden Geld nicht die gleiche Menge an Ware zur Verfügung steht. Zur Erklärung mein Beispiel mit den 3 Arbeitern. Die leben eben "unter ihren Verhältnissen", weil sie den Lohn haben, nicht aber die Waren zur Verfügung. Allerdings finde ich den Ausdruck "unter unseren Verhältnissen" eher polemisch, wie auch anderes in dem Artikel (also polemisch, nicht grundsätzlich falsch).