Hallo libri1301,
mit deinem Gedanken "ich will sie nicht verlieren" wirst du nicht weiterkommen. Denn damit engst du sie ein und erzeugst einen Druck, der sie veranlassen könnte, sich von dir zurückzuziehen.
Vielmehr solltest du ihr das Gefühl für Verständnis, Geborgenheit und Vertrauen - und zwar auf eine selbstlose Art. Mach dir bitte bewusst, dass sie in ihrem Denken und Handeln maßgeblich von ihrer erlebten und nicht aufgearbeiteten Vergangenheit gelenkt wird - wie ein ferngesteuerter Roboter.
Mach dir bitte bewußt, dass ihr Trauma maßgeblich von mehreren Faktoren beeinflusst wird. Zunächst von der Tat selbst, die sie erlebt hat und dann möglicherweise noch von den nachfolgenden Begleitunständen. Dazu können beispielsweise der Vertrauensverlust gegenüber den Eltern gehören, den sie erlebt hat oder auch der Wegfall ihrer Schutzburg, ihres Zuhauses.
Ein weiterer Punkt ist, dass sie vor einiger Zeit überwunden hat, in eine Therapie zu gehen. Aber auch das war für sie ein Reinfall. Somit ist es enorm schwer für sie, einen erneuten Anlauf zu unternehmen, sich in fachärztliche Behandlung zu geben.
Solange sie nicht bereit ist umzudenken und von dem Erfolg einer erneuten Therapie überzeugt ist bzw. sie es sich wert ist, wirst du wohl gar nichts machen können.
Ich möchte dir gerne den Rat geben, eine Beratungsstelle für Angehörige von Mißbrauchsofpern aufzusuchen oder erkundige dich mal nach einer Selbsthilfegruppe, in der man sich mit anderen Angehörigen austauscht.
Ein anderer Rat von mir ist, stell bitte nicht deine Erwartungen ihr gegenüber in den Vordergrund. Denn sie hat mit sich genügend zu tun und braucht einfach nur die Unterstützung, Verständnis, Geborgenheit, Schutz und Vertrauen von dir.
Du kannst natürlich versuchen, in einem passenden Moment, ihr die möglichen Folgen näher zu bringen, wenn sie nicht in Therapie geht. Das können Depressionen sein, Flashbacks, körperliche Beschwerden (wie Kopfschmerzen, Schwindelanfälle etc). Aber das solltest du sehr behutsam tun und nicht mit der Tür ins Haus fallen.
Auch wenn du ein Stück verzweifelt bist, aber Geduld ist der bessere Ratgeber, statt sie weiter mit ihren möglichen Erlebnissen zu konfrontieren. Dass sie dir jetzt offenbart hat, dass ihr irgendetwas im Alter von 9 Jahren passiert ist, ist für sie ein Riesenschritt, der Hoffnung macht.
LG vom Polarfuchs
Walther von der Vogelweide gilt als einer der bedeutendsten Künstler seiner Zeit, eines seiner Credos war die gleichberechtigte Liebe...
Aber im Sinne vom Nibelungenlied und ähnlicher Dichtkunst, kann man sicher von höheren Bedeutungen sprechen, da gebe ich Dir recht...