ich verstehe beim besten willen nicht, wie menschen es schaffen sollen mit einer krnakheit bewusst aufmerksamkeit zu erregen? meinst du es ist schön zu erzählen,dass man nicht alleine sich den hintern abwischen kann? dass man mit mitte 20 windeln tragen muss? dass man ständig sich übergeben muss`? wie kann man mit so etwas angeben? meinst du man genießt es,dass man nicht so frei wie andere leben kann, unbeschwert? das sman nicht tun und lassen kann was man möchte? wie kann man mit so etwas angeben wollen? wie kann man das jemandem unterstellen?
Ich denke mit dem obigen Absatz sprichst du einen Kernpunkt des Problems an.
Aber um mal ganz generell anzufangen: Ich selbst hab meine ganze Kindheit zur Hälfte im Krankenhaus verbracht. In einer gewissen Art bin ich also mit einer Extremsituation aufgewachsen. Bis ich 10 Jahre alt war, dachte ich, dass jedes Kind in meinem Alter doch mind. einmal im Krankenhaus gewesen sein müsste. Dementsprechend konnte ich nie so ganz das "Jammern" der anderen Kinder nachvollziehen, vor allem wenn die nach drei Tagen wieder raus durften während ich schon 2 Wochen drin war. Aber das war eben deren Erfahrungshorizont, das begreift man mit der Zeit
Genauso wie man dann irgendwann realisiert: Es ist nicht normal wenn man regelmäßig 41° Fieber hat. Mir war aber auch klar: Keine meiner damaligen "so genannten" Freundinnen wäre jemals in der Lage gewesen das nachzuvollziehen und das gilt nicht nur für pubertierende Mädchen.
Selbst Kinderkrankenschwestern fehlt oft die Empathiefähigkeit um zu verstehen was es bedeutet, wenn man nicht die Kraft hat, wenn es Schmerzen bereitet, einen Löffel zu halten um zu essen und welche psychischen Folgen die daraus resultierenden Verhaltensweisen (das typische Genervtsein vom Kind das absichtlich einfach nicht tun will was man von ihm verlangt - nämlich endlich den Teller leer zu essen) hatten kann ich bis heute nur erahnen.
Man muss also ganz klar sagen, dass die meisten Menschen - grob gesagt - schon selbst den Sh** durchmachen müssten um zu kapieren was es bedeutet, wenn man nicht einmal die eigenen verdammten Arme hochhalten kann um sich zu waschen - und selbst dann würde der naturgegebene Egoismus manche noch davon abhalten ihre eigenen Erfahrungen auf andere zu übertragen. Das ehrlichste Mitleid habe ich in meinem Leben immer nur von anderen kranken Kindern erhalten. Dadurch, dass ich es nicht anders kannte, hab ich meine damaligen Freundinnen in der Schule also niemals "vollgejammert" - Ich wusste aber damals wie heute: Wenn ich es gewagt hätte mehr Aufmerksamkeit einzufordern als mir nach der pubertären Hackordnung der Klasse zustand hätte ich dieselbe Reaktion bekommen wie du.
Vielleicht könnte es also sein, dass es in der Beziehung zu diesen beiden Freundinnen also schonmal generell eine gewisse Hierarchie gibt oder diese beiden Frauen in einem ziemlichen "Geben-Nehmen"-Komplex hängen und dazu eben deine Situation einfach nicht nachvollziehen können.
Wenn diese Vermutung zutrifft, dann ist es einfach so, dass du gegen den "Freundschaftsvertrag" verstoßen hast indem du mehr Aufmerksamkeit gefordert hast als dir zusteht, indem du mit deiner Krankheit totaaal übertreibst. Jepp, Menschen sind so.
Meine damalige Freundin motzte mich auch mal am Telefon an, weil ich noch so lange in der Kur bleiben sollte, nachdem es bei meiner OP Komplikationen gab. Und Erwachsene sind nicht besser. Seh ich im Krankenhaus ständig. Wenn´s um schwere Krankheiten geht, scheinen manche Leute zu Kleinkindern in der Trotzphase zu werden - nicht nur die Kranken.
In diesem Zusammenhang sollte man aber auch nicht vergessen, dass manche Menschen mit solchen Dingen oft einfach nicht klar kommen und am liebsten so tun würden, als ob alles gar nicht so schlimm wäre und wenn die Betroffenen sich nicht daran halten, dann geht man eben die Betroffenen an und marginalisiert deren Erlebnisse, damit man sich nicht mit ihnen auseinandersetzen muss.
eine treffendere aussage und beschreibung hätte es nicht geben können. du hast mir nicht nur die frage oben beantwortet bzw auch bestätigt, du hast auch haar genau verstanden, was mein problem ist und was die erklärung dazu. und - gratulation - du hast sogar verstanden, wieso das in unserer gesellschaft so sein muss. deine vermutungen treffen so ziemlich alle, welche ich mir selbst auch angefertigt habe,aber erst mit der zeit.das ganze ist über ein jahr her, und ich habe lange gebraucht, das zu verdauen. der prozess des verlassen werdens war damals noch schlimmer,als der brief an sich,denn gerade da hätte ich freunde gebraucht.. auch deine erläuterungen über zuammenhänge und auch deine gabe, empathie aufbringen zu können, weil du eben am eigenen leibe spüren musstest, wie sich so etwas anfühlt weiß ich sehr zu schätzen. ich bin davon überzeugt, dass es einfach niemandem auf der welt möglich ist, andere menschen zu verstehen,wenn man nicht ähnliches erfahren musste.. große sprüche klopfen, die dinge herab spielen, sie wegreden und verdrängen ist da der einfachere weg, und die menschen heutzutage sind so einfach gestrickt, dass sie sich den besten einfachsten weg für sich selbst heraussuchen. wenn man dinge nicht nachempfinden kann,werden sie sofort als unbegründet und unverständlich interpretiert... oh wie es mich anwidert, dieser egoismus, diese engstirnigkeit...
wenn ich mir deinen beitrag nochmals durchlese.... so makaber es klingt, eigentlich sollte man anderen menschen nur wünschen, dass sihnen derartiges widerfährt. nicht weil ich jemandem etwas schlechtes will, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass nur solche schicksalsschläge und erfahrungen menschen aus uns machen. mit charakter und rückgrat, mit einem gesicht. die meisten auf der welt haben meiner meinung nach genau das nicht. und menschen, die vom schicksal heim gesucht werden,haben meiner meinung nach mehr verständnis über den sinn eines jedne lebens. man weiß dinge anders zu bewerten, man hat andere normen und werte und vor allem eine andere moralische grundeinstellung.... man merkt das schon bei einem simplen gespräch,wo das zwischenmenschliche passt und wo man doch merkt, dass der gegenüber völlig an einem vorbei redet weil er nicht den geringsten funken an eigenerfahrung aufzeigen kann.
es ist schön menschen wie dich zu treffen, von/an denen man sich ein bespiel nehmen kann, und sich zumindest darin bestätigt fühlt, dass es keine schande ist, krank zu sein. danke, ein großes danke hierfür.
Freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte - allerdings möchte ich auch noch eines anmerken: Ich weiß, dass man durch solche Erfahrungen lernt, dass Mitleid nur selten der Empathie geschuldet ist, sondern oft genug nur eine gesellschaftliche Konvention.
Trotzdem gibt es durchaus Menschen deren Empathie zumindest so weit geht, zu verstehen, was es bedeutet, wenn es jemandem dreckig geht und es gibt durchaus auch Menschen, die eine Krankheit nicht durchmachen müssen um nachfühlen zu können wie sich das anfühlt - auch wenn sie nicht wissen wie es sich körperlich anfühlt. Solche Menschen zu haben ist sehr wichtig, denke ich. Wenn man nur von Menschen umgeben ist, die nicht mit dem Thema Krankheit umgehen können oder in "Beziehungsnormen" hängen und denen jegliche Empathie fehlt, dreht man als schwer Erkrankter sicherlich irgendwann komplett durch.
Ich hatte als Kind das Glück, dass ich abseits von meinen "Schulfreunden" noch meine Familie und auch noch Freunde aus dem Tierheim hatte - Leute die wirklich wissen wollten wie es mir geht und die mir wirklich geholfen haben, als ich aufgrund der Schulsituation dann letztendlich zusammengebrochen bin. Meine Mutter hat mich dann zum Psychologen geschleppt, dessen Grundaussage dann eben auch war: Reden hilft. Ungesunde Beziehungen zu Menschen, die nur mit Beziehungen auf "Normalniveau" klar kommen und einen sofort sanktionieren, wenn man nicht funktioniert, machen einen nur krank und sind im Übrigen selbst auch besonders schnell von psychischen Erkrankungen betroffen, wenn in ihrem Leben mal was schief geht.
Fazit des ganzen: Ich habe generell eher wenige gute Freunde, aber wenn ich jemanden kennen lerne und feststelle, dass das wieder so ein Typ Mensch ist, der Erwartungen und feste Vorstellungen hat, was ich in dieser Beziehung zu "leisten" habe, lasse ich das Ganze im Sande verlaufen. Auf Dauer tun mir persönlich solche Menschen nicht gut