Primärliteratur oder Sekundärliteratur ist im Bereich der Geschichtswissenschaft eine unpassende Alternative. Die Bezeichnung „Sekundärliteratur“ ist im Fach Geschichte unangebracht. Sie scheint immer wieder einmal aus dem Fach Deutsch (Germanistik) einzudringen, obwohl sie für die geschichtswissenschaftliche Fragestellung kein geeigneter Zugang ist. Die Bezeichnung „Sekundärliteratur“ ist im Fach Geschichte unangebracht. In der Literaturwissenschaft (Philologie) gibt es eine Unterscheidung zwischen den literarischen Werken als Primärliteratur und den (wissenschaftlichen) Untersuchungen der literarischen Werke als Sekundärliteratur (z. B. ist der Text des Dramas „Die Räuber“ von Friedrich Schiller Primärliteratur, Untersuchungen zu diesem Drama und der Erklärung dienende moderne Werke Sekundärliteratur. In der Geschichtswissenschaft ist die Bezeichnung „Sekundärliteratur" für historische Fachliteratur unpassend. Die einfache Unterscheidung von Quellen und Literatur ist bei ihrem methodischen Zugang vorzuziehen.
Die Frage ist, ob es sich um eine Quelle oder Literatur handelt.
Soweit eigene Erinnerung die Grundlage ist, handelt es sich bei über selbst erlebte Lebensbedingungen geschriebenen Texten um Quellen.
Was diese Person schreibt, geht in Richtung Lebenserinnerungen, Memoiren und Ähnliches.
Barbara Wolbring, Neuere Geschichte studieren. Konstanz : UVK-Verlags-Gesellschaft, 2006 (UTB : UTB basics ; 2834), S. 86: „Texte sind die Quellenart, mit der es Historiker immer noch am häufigsten zu tun haben […]. Die Texte können von verschiedener Form, Gattung und Herkunft sein, und mit unterschiedlicher Absicht entstanden sein: Texte können ebenso Überrest- wie Traditionsquellen sein. Beispiele sind Protokolle von Versammlungen, Sitzungen und Parlamentsdebatten, Urkunden, Tageszeitungen, Denkschriften, Parteiprogramme, Flugschriften, Geschäfts- und Verwaltungsakten, Briefe, Tagebücher, Memoiren, diplomatische Berichte, Gesetzestexte und vieles mehr. Aus diesen verschiedenen Texten erfahren wir von vergangenen Ereignissen, Begebenheiten, Zuständen und Strukturen. Wir können die Gründe für das Handeln von Menschen erfahren und etwas über die Auswirkungen von Zuständen und Ereignissen. Wir erfahren, wer die Handelnden, ihre Motive und Ziele waren.“
Quellenkritisch stellt sich z. B. die Frage, wie genau die Erinnerung noch ist.
Eine Quelle in der Geschichtswissenschaft ist alles, das aus einer vergangenen Zeit erhalten ist (Texte, Gegenstände, Tatsachen [wie z. B. die fortdauernde Existenz von Wörtern in der Sprache]) und aus dem Kenntnisse über diese Vergangenheit gewonnen werden können.
Literatur (moderne geschichtswissenschaftliche Literatur) ist auf Quellen als Ausgangsmaterial aufbauende, sie deutende Darstellung einer späteren Zeit.
Die Zuordnung (Quelle oder Literatur) ist immer auch von der Fragestellung einer geschichtlichen Untersuchung abhängig.
...koppschwirr vor lauter Haarespalt Ô.ô
War nicht lediglich die Frage, ob nun der Begriff "primär" oder "sekundär" zu verwenden ist, wenn da jemand ("aus erster Hand") was schreibt!? ^^
Und ob es dann -im Folgenden- als Quelle oder Literatur gehandelt (und entsprechend einem der genannten Fachbereiche zugeordnet) wird, das dürfte sich wohl erst im Nachhinein herausstellen...
Mit der Einordnung als Quelle ist auch deutlich, den Text (soweit Erinnerungen darin stehen) als etwas Primäres einordnen, aber eben nicht als Primärliteratur.
Haarspalterei ist in der Antwort nicht betrieben, sondern die Verwendung klarer und passender Begriffe empfohlen.
Sowohl Quelle als auch Literatur in meiner Antwort beziehen sich auf den Bereich der Geschichtswissenschaft. Die Bemerkung über Quelle oder Literatur und entsprechend eine Zuordnung zu einem der genannten Fachbereiche ist daher verfehlt und deutet auf einen Mangel an Sorgfalt beim Lesen meiner Antwort. Als Thema ist zu der Frage „Geschichte“ angegeben, dagegen nicht „Literatur“ oder „Deutsch“, außerdem steht in der Fragebeschreibung ein Hinweis auf Flugblätter, Tagebucheinträge einer bestimmten Zeit.
Peter Borowsky/Barbara Vogel/Heide Wunder , Einführung in die Geschichtswissenschaft. Band 1: Grundprobleme, Arbeitsorganisation, Hilfsmittel 5., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Opladen : Westdeutscher Verlag (Studienbücher Moderne Geschichte ; Band 1), S. 77:
„Der Historiker unterscheidet in seinem Arbeitsbereich zwischen Fachliteratur und Quellen, d. h. zwischen wissenschaftlichen Werken der Geschichtschreibung (Historiographie) und überlieferten Zeugnissen der Vergangenheit. Dieser Unterscheidung entsprechen unterschiedliche methodische Kriterien der Auswertung des Materials: Literaturkritik und Quellenkritik. Der Literaturwissenschaftler (Philologe) dagegen unterscheidet zwischen Primärliteratur und Sekundärliteratur. Der Gegenstand seiner Wissenschaft ist Literatur (z. B. Drama, Gedichte, Romane); sie ist Primärliteratur. Die wissenschaftlichen Untersuchungen der betreffenden Werke heißen im Unterschied dazu mit Recht Sekundärliteratur. Es liegt in der Herkunft der Geschichtswissenschaft aus der Philologie begründet, daß bis heute immer wieder von Historikern der methodologisch widersinnige Begriff Sekundärliteratur benutzt wird, wenn die historische Fachliteratur gemeint wird. Eine Geschichtswissenschaft als historische Sozialwissenschaft, deren Funktion sich nicht in der Interpretation schriftlicher Zeugnisse der Vergangenheit mit Hilfe der philologischen Methode erschöpft, sollte den Ausdruck Sekundärliteratur aus ihrer Fachsprache verbannen.“