Hei Rammstein66, Politik ist nicht nur, wie das Sprichwort sagt, ein garstiges Geschäft, sondern auch ein sehr kompliziertes Geschäft, bei dem tausende von Rädchen ineinandergreifen. Ein Eingriff an einer Stelle kann bewirken, dass das halbe System durcheinandergewirbelt wird. Beispiel: Steuersenkung.
Der Bund hat gut verdient und plant also eine Steuersenkung. Aber schon sind die Länder auf dem Plan (die armen zumal) und wehren sich heftig - - denn eine vom Bundestag beschlossene Steuersenkung verringert auch die Einnahmen der Länder, die von besagten Steuern einen gesetzlich festgelegten Anteil mitkriegen. Das wiederum kann bedeuten, dass das jeweilige Land seine Zuwendungen ( = Schlüsselzuweisungen) an seine Kreise kürzt, die wiederum zum Ausgleich von ihren Städten und Gemeinden mehr Kreisumlage verlangen müßten, worauf die Stadt XY wegen geringerer Einnahmen sparen und den Jugendtreff schließen müßte. Zwei Sozialarbeiter würden arbeitslos, müßten aus der Arbeitslosenversicherung ( = Staatskasse) unterstützt werden (wenn sie nicht sogar Hartz IV verfallen), 25 Jugendliche lungerten auf der Straße ´rum, kämen auf dumme Gedanken ...u.s.w.
Darüber hinaus besteht das Problem darin, dass die örtlichen Parteizirkel oft ziemlich festgeschworene und eingespielte Gruppen sind, zu denen man als Außnstehender nur schwer Zugang finden. Sie freuen sich (theoretisch) zwar über jeden, der kommmt ~ aber wenn sie dann miteinander (durchaus unbeabsichtigt) eine Art Insider-Sprache pflegen, stehst du als Neuer da wie der Ochs vorm Berg und deine Lust an Politik .... ade!
Meist fängt ja Politik "unten" an, mit dem Stadtrat und dem Gemeinderat. Da ist sie auch spannend, weil man unmittelbar sehen, feststellen und prüfen kann, was aus einem Ratsbeschluss werden kann oder geworden ist. Die politischen Jugendgruppen haben - wenn sie sich die Mühe machten - über diese Schiene gute Gelegenheit,neue Leute zu finden. Zum Beispiel (ich meiner Stadt hat man das nach meiner Anregung gemacht) durch einen kommunalpolitischen Spaziergang, auf dem die "Stadtväter" gezeigt haben, was Sache ist (es kamen erstaunlich viele Leute!). Oder man "spielt" in der Jugendgruppe Stadtrat - mit "Bürgermeister", Verwaltung, Tagesordnung über lokale Probleme, Fraktionen und all das. Echt klasse so etwas!
Man kann natürlich auch Interesse an Politik bekunden, indem man sich bei der nächsten Ratssitzung auf die Zuhörerplätze setzt: Man kann seine Politiker angucken und ihnen zuhören, man kann ihre Entscheidungen mit der eigenen Meinung vergleichen und dergl. Allerdings auch hier das Problem, dass man bei der Hälfte der Themen nur "Bahnhof" verstehen wird.
Grüße
Bestrebungen laufen von bestimmten Fraktionen, das durchzusetzen. ob es klappt , werden wir sehen. Ich halte mitnichten alle sechzehnjährigen für Volltrottel, denke aber prozentual gesehen sind die "Aufgeweckten,Reflektierten" darunter ziemlich dünn gesät...