Hi Marvin,
darüber hatte ich neulich mal mit meiner Geschichtslehrerin gesprochen. Die hatte mir gesagt, dass jemand voller Begeisterung für das dritte Reich argumentieren könnte, wenn seine Argumente schlüssig und gut dargelegt wären, könnte sie ihm deswegen keine Punkte abziehen (und es hat sie ziemlich aufgeregt).
Auf deine Situation angewendet hieße das, dass es nicht das Recht der Lehrerin ist, dir eine schlechtere Note zu geben, nur weil du eine Ansicht vertrittst, die sie (bzw. die Allgemeinheit) nicht vertritt. Außerdem ist es doch die Position der Argumentation niemals Teil dessen, was bewertet wird!
Ich kann deine Lehrerin insofern verstehen, dass Argumente wie "Gottgewollt" oder "Kulturgut" oder "Selbstverschuldet" in mir den äußersten Drang zum Protest auslösen, weil ich damit wirklich gar nicht einverstanden bin. Unverständlich und inakzeptabel ist aber die Herabsetzung der Leistung, nur weil sie und die Allgemeinheit diese Ansicht nicht teilen.
Fazit: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr Handeln nicht legitim ist. An deiner Stelle würde ich mir Unterstützung von deinen Eltern oder anderen Lehrern holen, das ist immer hilfreich. Dann informier dich doch mal in der Schule, was Teil der Bewertung durch die Deutschlehrerin ist und was nicht (in einer Argumentation). Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Position der Argumentation Teil der Bewertung bist. Wenn du schriftlich hast, dass sie die Leistung nur wegen deiner Ansicht so schlecht bewertet hat und dir versichert wurde, dass die Position beim Argumentieren nicht in die Bewertung einfließt, bist du auf der sicheren Seite und kannst etwas unternehmen.
...aber so werden die Jungen heute schon systemkonform konditioniert, auf dass sie ja auch rechte Gutmenschen werden. Andere Meinungen oder gar Fakten sind hierbei nur störend.