Tja, das ist eine gute Frage. Und würde ich das auch nicht uneingeschränkt so stehen lassen.
Es gibt eine lange Zeit, über die die Juden verfolgt und leidend erscheinen. Und wohl auch berechtigt.
Allerdings ist dazu einiges einzuschränken: manche Darstellungen lassen diesen Leidensweg zu Zeitpunkten beginnen, wo dies abstrus ist. Es gibt Orte und Zeitpunkte zwischendrin, die ausgelassen werden, weil sie entweder nicht ins Bild passen oder - fast schlimmer - schon gar nicht mehr interessieren, wenn man nichts anderes mehr wahrnehmen kann.
Zum ersten:
Manchmal wird zum "Leidensweg" gezählt bspw. die biblische Geschichte, da dort von Kämpfen gegen Juden berichtet wird.
Nun: in der französischen Geschichte wird in einem fort gegen Frankreich gekämpft - ein Leidensweg des französischen Volkes?
Zu biblischen Zeiten waren die Juden ein Volk unter vielen, mal scjhwächer, aber auch mal stärker als manch anderes. Alles, was es erleidet, war normal und wurde auch von anderen erlitren oder es hat selbst andere dasselbe erleiden lassen. Eine ganz normale Geschichte eben.
Dann gibt es die Zeit, in der das Judentum parallel zum Christentum steht. Da gerät es nach und nach ins Hintertreffen. Jedoch: Pogrome werden erst etwa ab der Jahrtausendwende berichtet Oft werden die Kreuzzüge als Anbruch gesetzt. Das war 1.099. Also vor ca. 900 Jahren.
Vorher stand es im Wettbewerb zum Christentum, Sieger und Besiegter standen lange nicht fest und der Besiegte wurde eben auch nicht gleich verfolgt und ins "Leiden" gestürzt.
Wenn jedoch vom "Leidensweg" geredet wird, sind den Verfechtern wohl selten 900 Jahre genug, oder?
Und dann gibt es noch viele Orte auf der Welt, in denen das Christentum überhaupt nichts zu sagen hatte. Und wo die Juden eine respektierte Minderheit waren oder gar an der Herrschaft beteiligt waren.
Nach Pogromen in der dem Christentum vergleichbaren Art kannst Du im islamischen Raum aber lange suchen. Und wenn dann von Ausschreitungen berichtet wird, solltest Du immer auch im Hinterkopf behalten: solche Spannungen bestanden nicht nur gegen Juden, sondern dann auch mit Christen, Buddhisten, Hindus und welche anderen Ethnien eben noch neben den Muslimen bestanden.
Eine besondere Verfolgung oder Ausgrenzung von Juden ist also eigentlich ein Phänomen von round about 900 Jahren christlicher Geschichte. Also ein knappes Jahrtausend auf einem einzigen Kontinent dieser Welt.
Eine solche Geschichte ist zumindest nicht mehr so einmalig.
Ein ganz besonderes Kapitel ist eigentlich erst der Völkermord mit industriellen Mitteln, den Deutschland ab ca. 1940 umsetzte.
Allerdings ist das eine "Vogelperspektive" über einen ganzen Globus und tausende Jahre Geschichte, die dem Einzelnen unzumutbar erscheinen kann.
Aus der Perspektive der besonderen Geschichtsschreibung eines ganz bestimmten Volkes kann es jedoch immer anders aussehen. Und es gibt niemals, wirklich niemals, grösseres Leiden als das eigene. Da sind wir Menschen uns alle gleich.
Bei der Ehe sieht das anders aus ,da müssen Papiere vorgelegt werden und die werden auch geprüft !