Ein Karnevalsfest (pullus carnisbrivialis) in Venedig wird erstmals in der Chronik des Vitale Falier für 1094 erwähnt. Die älteste nachweisbare Erwähnung einer Maske in Venedig ist die Schilderung eines Zunftumzuges bei Martino da Cànal, stammt also erst aus dem 13. Jahrhundert. Dazu grundlegend mit Wiedergabe zahlreicher Dokumente: Ignazio Toscani: Die venezianische Gesellschaftsmaske. Saarbrücken 1972
Der Ursprung des typisch venezianischen Karnevals geht - neben wohl auf die Antike zurückgehende Gebräuche und den Festivitäten vor der Fastenzeit - wohl auf das 12. Jahrhundert zurück: man feierte jedes Jahr bis 1797 den Sieg Venedigs über Aquileia im Jahr 1162.
In vielen Büchern und Reiseführern wird behauptet, Napoleon hätte den venezianischen Karneval verboten. Dafür gibt es keinen Beleg und es ist auch unlogisch, denn die Franzosen besetzten am 16. Mai 1797 Venedig und zogen im Dezember, weil Napoleon Venedig an Österreich verschachert hatte, wieder ab. Im Mai war der Karneval schon vorbei. Auch Behauptungen, es sei bis 1979 in Venedig kein Karneval gefeiert worden, sind falsch. Es gibt genügend Mitteilungen während des ganzen 19. (etwa von Lord Byron, Effie und John Ruskin, Richard Wagner) und 20. Jahrhunderts über Karnavalsveranstaltungen, man sei zum Karneval gegangen usw.
Nel 1797 si tiene l'ultimo Carnevale "storico" di Venezia, pochi mesi dopo cade la Repubblica per mano di Napoleone, la successiva cessione di Venezia all'Austria decreta la fine dell'indipendenza... Il carnevale in età moderna. 30 anni di carnevale a Venezia 1980-2010. Ediz. italiana e inglese (Alessandro Bressanello)
ISBN: 8872001587 ISBN-13: 9788872001585
als Lektüre zu empfehlen! 1979 wurde der "Carnevale di Venezia" wieder auferweckt, 1980 wieder abgehalten.
zu Person des Autors;
http://www.produzioniteatraliveneziane.it/
MFG
Es wurde immer Karneval in Venedig gefeiert - allerdigs wurden u.a. Karnevalsveranstaltungen der Österreicher weitgehend von den Venezianern ab1849 boykottiert. Beides sind historische Tatsachen. Beispiele gefällig?
Der Karneval sei von den Österreichern 1798 verboten worden, schrieb Henry(ette) Perl (Napoleon I. in Venetien. Leipzig 1901 S. 173 und 210ff), während die französischen Truppen, die 1814 angesichts der heranrückenden Österreicher und der zunehmend wegen der französischen Plünderungen aufgebrachten Massen den Belagerungszustand verhängten, noch Karnevalsumzüge und Maskenfreiheit geduldet hätten.Lord Byron schrieb am 19. Dezember 1816, „in einer Woche beginnt der Karneval – und damit der Mummenschanz der Masken“ und er habe „eine gute Loge (im Fenice) für den Karneval“. Am 30. Februar 1825 berichtete Tommaso Locatelli in einem Feuilleton über den Karnevalsumzug auf der RIVA DEGLI SCHIAVONI (Zit. b. Alvose Zorzi Österreichs Venedig S. 55f) Otto Ferdinand Dubislav von Pirch hat 1830 einen „Maskenzug, Spanier mit ihren Damen, zwanzig Paare, sehr gut costümiert“ gesehen. George Sand hat sah am 6. März 1834 den Karneval vom Fenster aus.
Am 28. Dezember 1851 schrieb Effie Ruskin an ihre Mutter: „Gestern war St.-Stephans-Tag, an dem der Karneval anfängt und La Fenice eröffnet.“ (John und Effie Ruskin: Briefe aus Venedig. Stuttgart 1995 S. 64) Und John Ruskin schrieb am 19. Februar 1852 an seinen Vater: „Die österreichischen Offiziere haben gestern ihren letzten Faschingsball veranstaltet, und weil es sehr festlich und mit Maskerade zugehen sollte, dachte ich, daß Effie das sehen müßte“ (Ebd. S. 74f; ähnlich ein Jahr später S. 76)
Kurz vor seinem Tod 1883 ging Wagner mit den Kindern zum Karneval. „Der Faschingsdienstag fiel auf den 6. Februar (1883). – – Der Markusplatz schwamm im buchstäblichen Sinne des Wortes in seinem Strahlenmeere... Zahllose Masken und Maskenzüge bewegten sich mit italienischer Lebhaftigkeit und obligaten Stimmenaufwand unter den Procuratien, drängten sich in die Café, führten inmitten des Markusplatzes ihre Extempore-Comödien auf.“ (Henry(ette) Perl: Richard Wagner in Venedig. Augsburg 1883, Reprint o.O o.J. (2010) S. 108f Dieses Buch ist eine der Hauptquellen von John W. Barker (Wagner in Venice. Rochester NY 2008), der S. 119 das gleiche notierte.).
Wo man weitere Beispiele finden kann, darf ich hier wegen des Eigenwerbeverbots nicht verraten...
danke für die Berichtigung deines Artikels in WIKI, nun stimmt es!
1797 verlor die Adelsrepublik durch Napoléon Bonaparte ihre Selbstständigkeit und wurde bis 1805 bzw. 1806 an Österreich angegliedert. Die damit verbundenen Verbote und die gesellschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert brachten den Karneval in Venedig für fast 200 Jahre zum völligen Erliegen. Erst 1980 fand die alte Tradition ihre Fortsetzung als Touristenattraktion.
http://de.wikipedia.org/wiki/Karneval_in_Venedig
Wieso mußt Du diesen falschen Text aus Wikipedia, den ich eben grad gestern beseitigt habe, hier noch mal zitieren?
ich zitiere nicht, ich kopiere... und es steht so im WIKI auch jetzt noch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karneval_in_Venedig
1797 verlor die Adelsrepublik durch Napoléon Bonaparte ihre Selbstständigkeit und wurde bis 1805 bzw. 1806 an Österreich angegliedert. Die damit verbundenen Verbote und die gesellschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert brachten den Karneval in Venedig für fast 200 Jahre zum völligen Erliegen. ..
Aber es passt ja- es ist richtig so--- weshalb willst du es verfälschen?
Die Briefzeilen, die du oben erwähnst, sind - natürlich - du hast die Briefe hoffentlich vollständig gelesen, auf "private Treffen", die ja nicht verboten waren (!!!) gemünzt. Daher auch der Brief von Ruskin, der es klar zum Ausdrucke bringt: es war ein privater Ball (!!) - kein Karneval am Markusplatz! - auch Effi Ruskin´s erwähnter Satz (an ihre Mutter Anne Chalmers) besagt nur, dass das "Fenice" seine Saison eröffnet hat! (Theateraufführung waren ja nicht verboten) Und Wagner erzählte von den Menschenmassen, die nach den Bällen über den Markus-platz eben - wie dort erwähnt - in die Kaffeehäuser gingen.... (Extempore Comödie bedeutet nur: witzige Sätze aus dem Stegreif... das waren damals auch in Adelskreisen - absolut harmlose und vergnügliche kurze Episoden - keine Aufführungen coram publico!) George Sand wohnte 1834 im Danieli - sie hat also auch nur "vorbeiziehende" Menschen sehen können, und nie behauptet, eine Karnevalsfeier grösseren Ausmasses betrachtet zu haben!
In diesem Zuge darf ich dir noch helfen und deine Frage beantworten:
Was sind überhaupt "private Gesellschaften mit Masken"?
eine "Private Gesellschaft" ist eine "gesellschaftliche Zusammenkunft " für
nur Familie (Verwandtschaft) oder auch
nur geladene Gäste (Freunde/Verwandschaft) = Geschlossene Gruppe
"mit Masken" bedeutet, dass die Eingeladenen eben dort maskiert auftreten, was nicht verboten war -
Ich hoffe, damit weitergeholfen zu haben.
Damit erlaube ich mir, auch diese Diskussion zu beenden.
M'FG
Liebe "Tintioretto", versuche doch bitte nicht, Tatsachen mit irgendwelchen Interpretationen wegzudiskutieren: Die Tatsache, daß auch während des ganzen 19. und 20. Jahrhunderts Karneval in Venedig gefeiert wurde, ist z.B. durch diese Zitate belegt. Dabei ist völlig gleichgültig, ob es private oder vom sonst wem organisierte Feiern waren, ob die "sehr gut costümiert“ vorbeiziehenden Karnevalsfeiernden wenige oder "grösseren Ausmasses" waren. Es geht einzig und allein darum, daß Aussagen wie die, daß der Karneval "in Venedig für fast 200 Jahre zum völligen Erliegen" gekommen sei, schlechthin falsch sind. Und es ist keine Schande, sich mal geirrt zu haben - zumal, wenn es ein so weit verbreiteter Irrtum ist.
Wegen des Eigenwerbeverbotes, das Du öfters auch gegen mich geltend gemacht hast, kann ich ja hier nicht auf eine umfassendere Analyse verweisen (jeder, der ein bißchen nachdenkt, weiß, was gemeint ist). Wenn man den von Dir angegebenen Wikipedia-Link anklickt, kann jeder sehen, daß Dein Kopie-Zitat dort eben aktuell nicht mehr steht. Du machst doch sonst immer wieder mal geltend, daß man Wikipedia nicht trauen kann (ich würde sagen: richtig, man kann jeder Veröffentlichung - sei es nun im Internet oder sonstwo - nicht völlig trauen und sollte immer - wo möglich - kritisch prüfen): Wieso beharrst Du hier ausgerechnet auf eine falsche Wikipedia-Textpassage, die gar nicht mehr dort steht?
Freitag, 18. Mai 2012; 14:48:
1797 verlor die Adelsrepublik durch Napoléon Bonaparte ihre Selbstständigkeit und wurde bis 1805 bzw. 1806 an Österreich angegliedert. Die damit verbundenen Verbote und die gesellschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert brachten den Karneval in Venedig für fast 200 Jahre zum völligen Erliegen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Karneval_in_Venedig
übrigens, der berühmte Venezianische Maler hiess "Tintoretto" -
ibiblio.org/wm/paint/auth/tintoretto/
Wegen WIKI : Du siehst, wie recht ich habe mit meiner Ansicht über diese "Hobby-Enzyklopädie".... welche "Ausgabe" du empfängst, ist mir nicht bekannt. Hier bekomme auf jeden Fall als deutsches WIki nur dies herein!
jetzt mache ich Schluss... es wird wirklich wieder einfach unsäglich, nachdem du nur "deine Interpretationen" zulässt, und nicht einmal Studienbücher gelten lässt...
ah! Jetzt sehe ich: Deine Änderungen wurden noch nicht genehmigt, sie müssen erst bewilligt werden! Konnte ich nun auf einer anderen Seite einsehen.
in der Zwischenzeit darf ich auf den sehr guten Beitrag des italienischen WIKI verweisen:
http://it.wikipedia.org/wiki/Carnevale_di_Venezia
Das ist eben das Gute an Wikipedia, daß Administratoren - in diesem Falle der ausgewiesene Experte Hans-Jürgen Hübner - die Beiträge prüfen. Es kann zwar jeder da etwas eintragen, aber Fehler werden korrigiert. Das kann allerdings mitunter eine Weile dauern. Aber auf anderen Internet-Seiten wehren sich ja bekanntlich manche heftigst gegen ergänzende oder korrigierende Kommentare...
Der deutesche Wikipedia-Eintrag zum venezianischen Karneval ist (bzw. nach meiner Korrektur "war") übrigens im wesentlichen eine Übersetzung der entsprechenden italienischen Wikipedia, auf die Du mit Link verwiesen hast, und dort steht immer noch nicht ganz korrekt: "Dopo la caduta della Serenissima, avvenuta nel 1797, si arrivò infine alla proibizione definitiva dei mascheramenti, ad eccezione di quelli durante le feste private nei palazzi e del Ballo della Cavalchina al Teatro la Fenice. Come conseguenza, iniziò velocemente una fase di declino dello spirito che aveva animato per secoli questo storico Carnevale e le manifestazioni e feste si spensero gradualmente. Nel 1797, con l’occupazione francese di Napoleone e con quella successiva austriaca, nel centro storico la lunghissima tradizione fu interrotta per timore di ribellioni e disordini da parte della popolazione. Solamente nelle isole maggiori della Laguna di Venezia, come Burano e Murano, i festeggiamenti di Carnevale proseguirono il loro corso, anche se in tono minore, conservando un certo vigore ed allegria. Solo nel 1979, quasi due secoli dopo, la secolare tradizione del Carnevale di Venezia risorse ufficialmente dalle sue ceneri, grazie all’iniziativa e all’impegno di alcune associazioni di cittadini e al contributo logistico ed economico del Comune di Venezia, del Teatro la Fenice, della Biennale di Venezia e degli enti turistici."