Judo ist ein schöner Sport, aber zum Verteidigen nur bedingt geeignet. Gut, ein Judoka kann durchaus einen Straßenschläger unter Kontrolle bringen, wenn er den Hebel ansetzen kann, bevor der erste Schlag trifft. Aber den ersten Schlag abzublocken, alleine das lernt man beim Judo ja schon nicht.
Was hast du überhaupt vor? Einen Sport machen, der dich körperlich und geistig fit hält und den netten Nebeneffekt hat, dass du dich im Verteidigungsfall verteidigen kannst, oder dich gegen eine akute Bedrohung (Stalker, hartneckiger, gewalttätiger Ex, Jugendgang in der Nachbarschaft) wehren? Wobei beim letzten das Kind schon in den Brunnen gefallen ist oder zumindest gerade im freien Fall nach unten unterwegs ist.
Falls du einen Sport suchst, der dich immer mit neuem Input in Sachen effektive Verteidigungstechniken versorgt, nimm Ninjutsu in einem der zwei großen Verbände (Bujinkan - hier heißt es dann offiziell Bujinkan Budo Taijutsu - oder Genbukan - Hier heißt die Disziplin offiziell Genbukan Ninpo Bugei). Das System hat allerdings Vor- und Nachteile, wobei Vor- und Nachteil zugleich die enorme Vielseitigkeit ist. Das heißt, du lernst enorm viel, neigst aber als Anfänger in einer Kampfsituation (selbst schon erlebt, zum Glück nur im Randori, also im Freikampf am Ende einer Trainingsstunde, auf der Straße wäre das fatal) dazu, zu überlegen, wie du den Schlag nun am besten konterst und überlegst einfach zu lange, als dass du dich effektiv verteidigen kannst. Zudem gibt es im Bujinkan leider ein Problem, dass manche Dojos eher auf Schönheit der Ausfürung als auf Effizienz trainieren. Aber das nützt dir auf der Straße nichts. Ballett ist auch schön, aber nicht zur Selbstverteidigung geeignet. Aber das sind regionale Probleme, in Köln und Bonn gibt es mehrere Dojos die allesamt einen sehr guten Ruf genießen (zumindest unter den Kämpfer-Typen - die Kampfballett-Leute können uns nicht leiden, weil unsere 4. Kyu deren 12. Dan locker um den Finger wickeln), und die es eindeutig wünschen, dass man in mehreren Dojos trainiert (andere Trainer, andere Stile, mehrere Trainer, effizienteres Training), und auch in Heppenheim könnte ich dir eine sehr gute Trainerin empfehlen (15. Dan, schmächtige, ältere Frau mit einer enorm guten Technik, manche von uns würden, wenn sie Wochenend-Trainings machen würde, extra von Köln nach Heppenheim fahren, um bei ihr zu trainieren). Und wenn ich Axel (AFranke, hat schon vor mir geantwortet) so lese, scheint es auch in Berlin einen Ninja mit Herzblut zu geben, der vernünftig trainiert. Beim Ninjutsu hast du jedenfalls alles drin, du lernst vernünftig zu fallen und zu rollen um Verletzungen vorzubeugen, du lernst Angriff, Verteidigung und Konter mit Schlägen, Tritten und Hebeln, Handbefreiung, Schmerzpunkte, Waffentraining, ... Es macht Spaß weil es vielseitig ist und man lernt, sich zu verteidigen. Aufgrund der Vielseitigkeit ist aber die Lernkurve für eine akute Gefahr zu flach.
Wenn du jetzt schnell was brauchst, mach Krav Maga. Das habe ich als zweite Kampfkunst neben Ninjutsu schon für mich auserchoren, da ich Ninjutsu aber erst seit einem halben Jahr mache, wollte ich erst noch warten, bis die Techniken etwas sicherer sitzen, bevor ich die beiden Welten vermische. Alternativ auch Systema (damit habe ich mich zu wenig beschäftigt, um was dazu sagen zu können) oder *ing *un (die Sterne sind keine Zensur, sondern Platzhalter, da es für Ving/Wing/... Chun/Tsun/... unzählige Schreibweisen gibt. Der Nachteil bei *ing *un ist, dass es schwierig ist, eine seriöse Schule zu finden, viele unzufriedene Trainer steigen aus und gründen eigene Verbände (fast jedes Dojo hat mittlerweile seinen eigenen Verband), die großen Verbände in Deutschland, Birol Özden Wing Chun und EWTO (European Wing Tsun Organisation) stehen wegen ihrer Preisgefüge (teure Trainings, noch teurere Prüfungen, hoher Druck auf die Mitglieder wie z.B. dass den Cotrainern gesagt wird "Den verprügelst du jetzt mal richtig, damit er auch ja unseren Verband-eigenen Kopfschutz kauft", und diversen anderen fragwürdigen Praktiken in der Kritik, sektenartig organisiert zu sein. Viele Schulen sind aber seriös, und dort lernst du eine hocheffektive Selbstverteidigung. Krav Maga ist ein System mit enormer Effizienz. Alles, wie du instinktiv eh schon handeln würdest (z.B. Tritt in die Weichteile - Zitat aus den Simpsons "Keine Weichteile, kein Krav Maga") wurde noch mal bis ins letzte Detail optimiert. Es gibt nur wenige Techniken, aber die sind leicht erlernbar, weil instinktiv umsetzbar, hart und für den Gegner sehr schmerzhaft. Die Lernkurve ist steiler als in jedem anderen Selbstverteidigungs/Kampfkunst-System, du lernst also schneller.
vielen Dank für die ausführliche Erklärung!!! :-)
richtig :)