Ich gehöre zu der Fraktion, die solche Entscheidungen vom Hund und auch von seinem Lebensumfeld abhängig machen. Wenn ein potenter Rüde erheblichen Streß hat in eine Umwelt voller Konkurrenzrüden und evtl. läufigen Hündinnen, würde ich immer zur Kastration raten, um für das Tier die Lebensqualität zu erhöhen.
Die Möglichkeit, die es erst seit einigen Jahren gibt, mit Implantaten die Testosteronproduktion des Rüden deutlich zu reduzieren, ist eine gute Möglichkeit, um zu überprüfen, ob es dem Hund damit besser geht und eine dauerhafte Lösung eine Option ist. Für mich ist es aber lediglich eine Entscheidungshilfe ob oder nicht kastriert werden sollte, nicht aber eine Dauerlösung.
Es ist dir klar, dass du mit dem Implantat dauerhaft den Hormonhaushalt mit Fremdhormonen veränderst. Welche Auswirkungen des letztlich auf den Organismus des Hundes hat, darüber gibt es m. W. noch keine Langzeitstudien. Ob man die Erfahrungen aus dem Humanbereich so übernehmen kann... ich bin da vorsichtig skeptisch. Ich könnte mir vorstellen, dass eine über Jahre erfolgende Gabe von diesen Hormonen die Produktion und die Qualität des Spermas verändert.
Ich frage mal anders: du schreibst nicht, ob du Rassehunde hast und diese dann - käme es infrage - auch Rassehunde schwängern sollen. Dann muß man davon ausgehen, dass du deine Tiere der Körungsprozdedur unterziehen mußt, die teilweise sehr heftig ist.
Was, ausser einem vielleicht mal. in weiter Ferne evtl. entstehender Wunsch nach einem Baby vom eigenen Rüden..., spricht gegen eine Kastration, wenn die Variante "potenter Rüde" nicht greift?
Die Variante "potente Rüden" greift solange, bis sie im Wechsel unser komplettes Haus im Innenraum "verschönern". Wenn wir in einer Hundehütte leben wollen würden, hätten wir ein Holzgartenhäuschen für unsere Familie vor der Haustür ;)
Körungsprozdedur... was auch immer das sein möge (werde ich bei Bedarf googlen)
Was in unseren beiden Hundis steckt, kann noch nicht mal der Tierarzt bestimmen. Vermutungen wurden geäußert, aber nur DNA-Tests könnten diese Mischungen verdeutlichen. Das gerade macht sie so einmalig :)
Hm, kastrieren ist doch aber auch eine Dauerlösung. Hat denn das noch niemand für seinen Hund bereut? Kann man das als Zweibeiner überhaupt beurteilen, was für ein Tier besser oder schlechter ist?
Ich finde das richtig toll, dass du dir solche Gedanken machst und wirklich für deine Hunde die richtige Entscheidung zu treffen suchst. Das Markieren ist eine Sache, die man mit Erziehung regeln kann und muß, das tun auch Hündinnen....
Einen Fall kann ich dir schildern: bei einem Ehepaar ohne Kinder leben zwei potente Rüden - Vater und Sohn. Beides sind tolle Hunde und verstehen sich nach wie vor gut.
Mit dem jungen Hund wollte der Mann dann Agility betreiben, was beide auch gut miteinander machten.... , solange das Training in einer Halle stattfand und alle Türen geschlossen waren.
Ansonsten war der Rüde oft überhaupt nicht ansprechbar, extrem außenorientiert, im totalen Streß, und es war für den HF schwer, zu ihm durchzudringen. Dass das der Beziehung nicht förderlich war, kann man sich denken.
Er hat sich informiert, mit Trainern und Tierärzten gesprochen und war dann zu dem Schluß gekommen, über eine Kastration nachzudenken. Interessanterweise war seine Frau strikt dagegen.
Dann schlug der Trainer den Versuch mit dem Implantat vor und der Hund war deutlich entspannter und ansprechbarer. Dass das Implantat nicht die Erziehung und die Arbeit ersetzt, die man leisten muß, war dem HF klar, aber nun hatten er und sein Hund die Chance dazu.
Nach dem 2, Chip war auch die Ehefrau überzeugt und ist heute glücklich über die Entscheidung zur Kastration, da auch sie jetzt alleine mit diesen beiden Riesenhunden (beide über 30 kg und mittlerweile beide kastriert) laufen kann.
Wenn man auf dem Land wohnt, in Alleinlage, ohne Siedlungsgetöse, würde ich meinen Rüden sicherlich nicht notwendigerweise kastrieren wollen.
Die Realität ist aber meistens, dass die Hunde in einer Siedlung leben, in der nicht nur viele Hündinnen leben sondern vermutlich auch viele Geschlechsgenossen. Alle gehen die gleichen "Hunderennstrecken", alle markieren an die bekannten Ecken.
Das bringt Hunde - speziell Rüden - in Streß. Da kloppen sich plötzlich die besten Buddys und keiner weiß warum. Evtl. weil das vor einigen Tagen eine läufige Hündin war und die Rüden natürlich jeder diese Hündin für sich beanspruchen.
Dann die ständige Verführung durch die Hündinnen und die Rüden dürfen nicht. Manche stellen das Fressen und Schlafen ein, manche johlen ohne Ende, undundund. Das ist Streß pur, vor allem für die Hunde.
Man muß das sicher im Einzelfall für sich und seine Lebensumstände beurteilen. Den Tieren nimmt man sicherlich viel Streß. Ich habe noch von keinem HF gehört, dass er den Schritt bereut hat.