Die Walküren waren wohl ursprünglich Todesdämonen.
Sie wurden dann eng mit dem Gott Odin (Óðinn) verbunden. In der mythologischen Vorstellung führten sie seine Wünsch/Aufträge aus.
Aufgaben waren:
Aufsuchen von Schlachtfeldern/Kampforten (die Walküren werden mehrfach als auf Pferden dorthin reitend dargestellt)
Auswahl der Krieger, die sterben und als Helden nach Walhall kommen sollten
Entscheidung über Sieg im Kampf treffen
Geleiten der Gefallenen nach Walhall (Valhọll)
Begleitung des Gottes Odins und seiner Raben, und zwar zur Stätte des Scheiterhaufens von Balder (Húsdrápa Strophe 9, vgl. Strophe 7 – 8 und10)
Darreichen von Getränken im Inneren von Walhall (seit dem 10. Jahrhundert vorhandene Vorstellung: Snorri Sturuson, Eiríksál Strophe 1, Grímnismál Strophe 36, Gylfaginning Kapitel 36, Krákumál Strophe 29)
Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie. 3., völlig überarbeitete Auflage. Stuttgart : Kröner, 2006 (Kröners Taschenausgabe ; Band 368), S. 483 – 484:
„Walküren waren ursprünglich wohl Todesdämonen, denen die auf dem Schlachtfeld gefallenen Krieger zufielen; davon stammt auch der Name W.[alküren] (altnord.[isch] Pl[ural] valkyrjar) zu altnord.]isch] valr «die auf dem Schlachtfeld liegenden Leichen» und kjósa «wählen», also «die die Gefallenen Auswählenden (vgl. auch altengl.[isch] wælcyrge»).
Mit dem Wechsel der Vorstellung von Walhall vom Schlachtfeld zum Kriegerhimmel verlagert sich auch bei den W.[alküren] der Akzent ; die ursprüngliche Vorstellung wird durch die von den Schildmädchen (nordisch Skjaldmeyjar, die wie die Einherjer in Walhall weiterlebten) überlagert. Wie sicherlich auch früher als Totendämonen wurden sie zwar weiterhin eng mit Odin assoziiert, nun aber in der Funktion von in die Schlacht eingreifenden und damit das Schicksal bestimmenden überirdischen Kriegerinnen (drdlj), welche Odins Wünsche ausführen und die im Kampf gefallenen Helden zu ihm führen. Sie werden als Óðins meyjar «Odins Mädchen» und óskmeyjar «Wunschmädchen», «Mädchen, die Odins Wünsche erfüllen» bezeichnet. Mit diesem Vorstellungswandel werden sie zum beliebten Inventar der Heldendichtung, wo sie die dämonischen Züge weitgehend verlieren, vermenschlicht werden, und damit sogar der Liebe zu Irdischen verfallen können, wie die Walküre Sigrdrífa in den Sd.“
Sd. = Sigrdrífumál
Rudolf Simek, Religion und Mythologie der Germanen. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2003, S. 127 – 128:
„Wie der Name altnord.[isch] valkyrja (zu valr, «die im Schlachtfeld Gefallenen» und kjósa, «wählen»), alteng.[lisch] wælcyrge beweist, waren die Walküren ursprünglich Todesdämonen, von denen man sich vorstellte, dass sie die auf dem Schlachtfeld Gefallenen ins Jenseits führten, welches sich ab dem 10. J[ahr]h.[undert] zum wikingerzeitlichen Kriegerparadies Walhall entwickelte […]. Man stellte sich die Walküren als Gefolge Odins vor, welches seine Wünsche ausführte (deshalb auch Óðins meyjar oder óskmeyjar, „Wunschmädchen“, genannt), erst später wurde ihre Zahl entweder mit 12 (Darraðarljod) oder 9 (Helgakviða Hjörvarðssonar 28) angegeben, bis sie sich in der isländischen Literatur des Hochmittelalters entweder zu einer Art weiblicher wilder Jagd, die auf Pferden über Schlachtfelder jagt, oder aber zu menschlichen, wenn auch kriegerischen Bräuten vom Helden, sog.[enannten] Skjaldmeyjar, «Schildmädchen», entwickelten. Tatsächlich aber war die Zahl der Walküren unbegrenzt, die Grímnismál 36 nennt 13 Namen, Darraðarljod und die Liste poetischer Namen der Snorri-Edda (Thulur) noch etwa 20 weitere, die alle auf die kriegerische Natur dieser weiblichen Todesdämonen hinweisen. Ob sich tatsächlich eine heilende Natur der Walküren nachwiesen lässt, ist unsicher, m. E. geht diese Funktion auf die Vermengung von Disen und Walküren zurück, denn die Disen hatten zweifelsohne schützende und helfende Kräfte.“
François-Xavier Dillmann, Valhọll. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops. Band 35 Speckstein - Zwiebel. (Nachträge und Ergänzungen). 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Berlin ; New York : de Gruyter, 2008, S. 345 – 349, S. 354 und S. 356
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