Ich glaube, du bist nicht ganz in dir. Irgendwie bist du entweder in Vergangenheit, oder du versuchst, dich in der Zukunft irgendwann finden zu können. Die geschilderten Ereignisse reihen sich wie Perlen an einer Schnur auf, und sie alle scheinen dir – rein zufällig – zugestoßen zu sein. Irgendwie scheint ein Geschehen nach dem anderen an dir vorüberzuziehen, und du wirst jedes Mal durch das Geschehen aus der Bahn geworfen.
Wie ein roter Faden scheint sich hier eine relative Passivität deinerseits anzudeuten, wenn du mit deiner Entscheidungskraft in Berührung zu kommen scheinst. Du suchst Hilfe von außerhalb, und du bekommst sie. Dann scheint eine Entwicklung rückläufig zu werden bis zur Beendigung der Hilfsmaßnahmen.
Dann trittst du wieder in den Zustand, den du zuvor verlassen mußtest, um nach Hilfe zu suchen. Wieder lebst du im gewohnten Energiefeld deiner Tätigkeit, nur mit einem kleinen Unterschied, man fordert von dir Entscheidungen. Du bist gezwungen, diese Entscheidungen selbst treffen zu müssen, ohne größeren Beistand anderer Menschen:
Eine Entscheidung erfordert eine gewisse Menge an Energie, welche du nicht zu haben scheinst. Vermutlich haben sich Entscheidungen dein ganzes Dasein lang relativ fern von dir gehalten – damit meine ich, daß man keine Entscheidung von dir verlangt hat, oder aber Entscheidungen wurden bereits im Vorfeld von dir ferngehalten.
Mutter und Vater haben für dich die Entscheidungen getroffen. Dann kam die Schule an die Reihe, deine Entscheidungen für dich zu treffen, und zum guten Schluß war es die Befehlsstruktur einer Armee, welche für dich die Entscheidungen zu treffen hatte. Doch nach dieser Epoche kamst du auf ein anderes Spielfeld der Realitätsgestaltung.
Was du zuvor kaum lernen und erfahren konntest ist, sich selbst zu entscheiden. Andere für sich Entscheidungen treffen zu lassen führt zur Energieblockade. Lebensenergie fließt in jede Handlung ein, und somit entsteht Erfahrung. Doch ohne Entscheidung entsteht keine Handlung. Du befolgst – oder hast es bis damals getan – einer anderen Person.
Somit hast du stets den Führer erkannt und ihm relativ gedient. Deine Erfahrung wurde zur unausweichlichen Konsequenz, und sie entsprang nicht deiner Kreativität. Man könnte sagen – du hast wunderbar funktioniert. Doch etwas in dir möchte Erfahrungen machen und auch erleben, denn nur so kann sich Bewußtsein jemals selbst bewußt werden.
Das Bewußtsein geht bei der Geburt in die Form, um sich durch all die gemachten Erfahrungen selbst bewußt werden zu können. Doch es waren keine selbstgemachten Erfahrungen in deinem Dasein zu finden. Du hast reagiert und Anweisungen befolgt – das war alles. Du kennst das Wort – Entscheidungsgewalt. Ersetze Gewalt durch Kraft, dann siehst du klarer.
Es fehlt dir an absolut nichts, was du nicht haben – oder sein – könntest. Es ist nur eine vernachlässigte Eigenschaft, welche bis zum Ende des Militärdienstes keine Entwicklungsmöglichkeit gefunden hatte. Du konntest dich so gut wie nie entscheiden. Und du hast somit nie – oder kaum – dieses Erfolgserlebnis verspüren können.
Doch es geht um Rückmeldung an das Bewußtsein. Keine Entscheidung – keine Rückmeldung. So entsteht Frust, und irgendwann Unzufriedenheit – mit allem Möglichen. Du mußt dich selbst auch irgendwie fühlen können, indem du die Entscheidung triffst – dann handelst – und dann zufrieden bist mit dem, was erreicht worden ist.
Und nun kommt die Weigerung zum Vorschein. Der Verstand ist mit dem, was gerade sich ereignet, nicht einverstanden und baut Widerstand auf gegen das, was doch bereits schon ist. Die Stimme im Kopf brüllt: NEIN ! Das Ego-Bewußtsein weigert sich permanent, daß du dich in der Formwelt auch ausdrückst durch Entscheidungen.
Dieses Ego wittert Kontrollverlust über deine Wahrnehmungen, solltest du eigenständige Entscheidungen treffen wollen. So hast du ja über Jahre hinweg gelebt, und dich dann auch an den Zustand gewöhnt. Es ist also eine reine Konditionierung des Verstandes. Ein Programm, welches ungeprüft jedes Mal abläuft, sobald eine Entscheidung für dich anstehen sollte.
Richtig