So einfach ist das leider nicht !
Natürlich kann man die Lichtstärke mit einem immer tieferen Griff in den Geldbeutel weiter nach oben treiben und damit die Menge des eingefangenen Lichts erhöhen - das klappt aber nicht ohne weitere Haken und Ösen !
Neben dem höheren Preis für die Optik steigt auch das Gewicht und die mechanische Größe unweigerlich. Wer das (er)tragen kann, kann sich um andere Probleme kümmern.
Neben der Menge des eingefangenen Lichts bestimmt die maximale Blendenöffnung aber auch die Tiefenschärfe. Daraus ergeben sich zwei weitere Probleme: Zum einen muß der Fokus mit abnehmender Blendenzahl zunehmend exakter auf den Punkt gesetzt werden - das kann bei bewegten Objekten sehr unangenehm bis unmöglich werden. Zusätzlich wird alles was nicht in der Schärfeebene liegt immer stärker "weichgespült". Die Blende ist eben auch ein gestalterisches Mittel. Wer gerne vorne scharf hinten scharf alles scharf will, gibt damit nur Geld aus und sollte lieber über die Kamera nachdenken - hier helfen dann nur viele ISOs.
Sind die dunklen Gestalten nicht flüchtig, hilft auch ein Stativ. Da kann man dann wieder mit der Blende spielen.
Nur weil es dukel ist, bedeutet es noch lange nicht, daß man ein Objektiv mit großer Öffnung benötigt. Ich gehe oft in der Nacht nach Regen in die Stadt und nehme das Spiel der Beleuchtung auf den nassen Straßen auf. Da fange ich dann erst bei Blende 10 an. Die hochgeöffneten Brennweiten verwende ich ausschließlich für Portraits.
Wenn du z.B. ein Feuerwerk aufnehmen willst, dann ist eine hochgeöffnete Optik leider auch nur ein teurer Klotz im Koffer. Hier macht man den Autofokus falls möglich lieber gleich aus und stellt die Entfernung ein - das macht die Kamera sogar noch richtig schnell. Eine sehr kleine Blendenzahl ist eher ein Problem als hilfreich.
Das Filmen ist am Ende nur ein sehr schnelles Schießen von Fotos. Hier gelten prinzipiell die gleichen Regeln. Wenn jedoch bei schlechtem Licht geschwenkt wird und die Entfernung für den Autofokus variiert, dann wirds wieder spannend. Hier kann es passieren, daß der Autofokus zu "pumpen" beginnt - er fährt hin und her. Mit ISOs kann man hier nicht in die Schlacht ziehen. Da helfen dann nur höher geöffnete Optiken - die geringere Tiefenschärfe muß man dabei leider schlucken. Im Gegensatz zur Aufnahme von Fotos wird beim Filmen mit der Arbeitsblende fokussiert.
Nochmal ganz deutlich: Eine SLR fokussiert mit der kleinstmöglichen Blendenzahl eines Objektivs für die eingestellte Brennweite. Ist das Objekt fokussiert wird dann mit der gewählten Blende (z.B. 8) das Bild aufgenommen. Beim Filmen kann die Bende zwischen zwei Einzelbildern wegen der hohen Bildfrequenz und der erforderlichen Belichtungszeit nicht gewechselt werden. Die Kamera muß also mit der Arbeitsblende fokussieren. Würde man das mit einer hoch geöffneten Optik machen (dort wäre es besonders sinnvoll), dann müßte man 50 mal je Sekunde ein sehr großes mechanisches System in einzelnen Millisekunden verstellen (bei nur 25 Bildern je Sekunde). Natürlich wäre das technisch lösbar, aber ich möchte die dazu nötigen Blendenmotoren weder herumtragen noch bezahlen. Profikameras dürfen teuer sein - da kann man dann auch mal ein zweites optisches System einbauen um von der Arbeitsblende unabhängig zu fokussieren. Da spielt Geld und Gewicht keine Rolle. Im Gegensatz zu den Hobby-Filmern steht bei den Profis aber schon vor dem Dreh fest, we wann wo und in welcher Entfernung steht. Da ergeben sich ganz andere Möglichkeiten: Man kann vor der Aufnahme quasi einer Roboter-Kamera exakt einprogrammieren wie sich der Fokuspunkt im Raum bewegt, wie sich die Kamera im Raum bewegt, der Blendenverlauf, Weißabgleich, ...
Beim Filmen ist es also nochmal eine Stufe komplizierter/schwerer.
Evtl. solltest du dir mal überlegen, was du genau vor hast und wo da die wirklichen Herausforderungen sind. Wie du siehst, ist alles bei genauerer Betrachtung genau so gut, wie es schlecht ist. Für jeden vermeintlichen Vorteil wirst du irgendwo eine bittere Pille schlucken müssen. Die Kunst besteht darin, richtig einzuschätzen was sein muß und wo man Kompromisse eingehen kann. Manchmal liegt die Lösung ganz woanders.
...sonst geht sowas
http://1x.com/photo/40588
mit einer Sony @700 mit Minolta 100 2.8 Macro...
...und hier zeigt er weitere solcher Fotos:
http://www.flickr.com/photos/maianer/
Unter "Setups" kannst du die 'Hintergründe' sehen - das Aufwendigste dürfte die Lichtschrankensteuerung der Blitzeinrichtung bzw. die Einstellung (Feinjustierung) selbiger sein...
...seine Homepage ist dann auf Deutsch:
http://www.markusreugels.de/