Verwechsle nicht Liebe mit dem kurzen Hormonrausch des Verliebtseins. Das sind zwar Geschwister, aber keine Zwillinge.
Mit "Lieben kann man lernen" ist nichts anderes gemeint, als dass wir die Möglichkeit haben einem Menschen emotional näherzukommen, je besser wir ihn kennen- und verstehen lernen. Das ist im besten Fall das Liebenlernen, was der Verliebtheit folgt.
Verliebtheit ist ein fast schon abnormer Sympathievorschuss. Verliebte sind in der Regel nicht in der Lage, einander so zu sehen, wie sie wirklich sind. Erst auf die Dauer einer Beziehung entdecken die Menschen mehr voneinander - das schweißt dann entweder zusammen (unsere Liebe wächst) oder es führt voneinander weg.
Verliebtheit kann man nicht erzwingen. Das ist Amors herrlich unberechenbarer Pfeil. Aber sich mit jemandem so vertraut machen, dass man seine Empfindungen und Gedanken kennt, um seine Facetten weiß, Ängste, Sorgen und Nöte teilt, die Schwächen kennt und die Stärken, das kann zu einer tiefen, inneren Verbundneheit führen, die von Liebe nicht weit entfernt ist. Was man natürlich hat oder nicht hat, ist eine Anziehung aufgrund des Äußeren. Die kann man auch nicht lernen. Die ist da oder nicht. Allerdings kann tiefe Verbundenheit dazu führen, dass die Anziehungskraft des Äußeren einen deutlich geringeren Stellenwert bekommt und damit ggf. sogar gegenstandslos wird.
Und so gesehen, gab es früher z.B. durchaus glückliche, arrangierte Ehen, auch wenn ihnen der Anfangsrausch fehlte.
Lieben lernen müssen wir eigentlich alle. Jeden Tag. In Bezug auf jeden Menschen.
Meist begnügen wir uns mit dem Fastfood der zufälligen Übereinstimmung, der oberflächlichen Interessensgleichheit, dem erotischen Reiz. Das ist alles nicht verkehrt und auch nett und schön, nur mit Liebe hat es alles nicht viel zu tun.
Der letzte Satz ist prima. Den klaue ich mir mal. :)
Bekommst auch ein DH dafür.
Danke! Und selbstverständlich darfst du ihn klauen. :-)