Die 80er waren eine besondere Epoche, denn hier fanden verschiedene Massenbewegungen statt. Angefangen mit dem Ausbau des Synthie-Pop der späten 70er, der dann zu New Wave wurde, die Neue Deutsche Welle, deren bekannte Gesichter man noch immer im Fernsehen erleben kann, Karottenjeans, "No Future", Pop, Wave und Punk, um nur einige einschneidende Entwicklungen zu nennen.
Die 80er zeugen von der Zeit, in denen es den Deutschen so gut ging, wie niemals zuvor und auch nie wieder danach, denn durch die Wende 89 wurde auch die Wirtschaft Stück für Stück degeneriert.
In den 80ern war Deutschland noch ein Ausnahmeland mit einer im "Feindesland" ausgelagerten Großstadt, die zu besuchen jedes Mal einem Spießrutenlauf gleichkam.
Ende der 80er entwickelten sich neue Musik-Stile wie Acid, Eurodance und Tekkno, bei denen die meisten "Kompositionen" aus Samples und Overdubs bestanden. Popmusik wurde kommerziell und der private Rundfunk erstarkte. Individuelle Radiomoderationen wie von Günter Fink wurden aus dem Äther verbannt und mussten einem neuen Stil weichen, der von aufgesetzter Fröhlichkeit nur zu strotzte.
Was in den 80ern noch über das rein englischsprachige MTV kam (sofern man sich denn eine Satellitenanlage leisten konnte) wurde für den deutschen Raum mit Sendungen wie "Formel Eins" unterstützt. Anglyzismen gehörten noch zu der seltenen Ausnahme und man konnte die Jugend auch noch verstehen.
Kurzum, die 80er waren nicht nur geprägt von der wahnsinnig bunten Vielfalt an Bands, die auch noch unterschiedlich klangen, sondern von einschneidenden Ereignissen, so dass es nicht einfach nur eine Epoche, sondern regelrecht eine Lebenseinstellung war.
Und jeder, der in dieser Zeit aufgewachsen ist, hängt auch nach wie vor an den alten Marotten. So steht bei mir auch noch eine herkömmliche HiFi-Anlage mit schwarzen (!) Bausteinen im 42,5 cm breiten Standardmaß statt eines iPods mit Kopfhörern oder des PCs mit YouTube-Anbindung.
Hier noch ein Text, den ich bei einer Kollegin fand und der den Generationsunterschied sehr gut beschreibt (nicht persönlich gemeint):
Dies ist eine Kampfansage an den rotzfrechen Nachwuchs.
Hört genau zu, Ihr zungengepiercten Technohopper mit dem A.rschgeweih über dem Steißbein:
Ihr wart nicht dabei!
Wir ALTEN haben sie live erlebt: die Geburt des Synthesizers und den wahren Soundtrack der 70er, der von Bands wie Depeche Mode, Cure und Yazoo geschrieben wurde.
Wir haben noch mit Midischleifen und Oszillographen gekämpft!
Wir haben Euren "Tekkno" erfunden, bei uns nannte sich das aber noch Wave und war tatsächlich Musik.
Wir konnten durchtanzen, ohne uns bunte Pillen einwerfen zu müssen, um es zu ertragen. Unsere einzige Droge hieß Blue Curacão auf Sekt, noch früher genügte eine ordentliche Menge Apfelkorn.
Wir mussten noch keine Angst haben, dass uns Tina Turner mit Seniorenoberschenkelhalsbruch von der Bühne purzelt.
Wir haben Madonna noch mit festen Brüsten und ohne Baby-Pause gekannt, Ihr Nasen!
Joschka Fischer trug Jeans und Turnschuhe. Echte Punker hatten Uhu in den Haaren und kein "L'Oreal".
Bei uns haben sich keine Neonazis mit Türken geschlagen, sondern Punks mit Mods, Mods mit Poppern, Popper mit Rockern und alle gemeinsam gegen mit der Polizei. Da war auch Joschka dabei.
Bei uns gab es noch Mofas, Mokicks und 80er, bei denen durchgängig die Betriebserlaubnis erloschen war, denn das Wort "frisieren" hatte damals noch seine eigentliche Bedeutung, was ihr kahl geschorenen Pfeifen nie verstehen werdet.
Und wer einen Führerschein hatte, fuhr als erstes Käfer oder einen alten BMW, bei dem Dellen von Individualismus zeugten, ihr Smart- und Polo-Popel.
Wir erinnern uns noch an Terroristenfahndungsplakate, auf denen hin und wieder ein Gesicht liebevoll mit Kuli von einem Staatsbediensteten durchgestrichen wurde.
Die Bundeswehr machte noch Spaß. Wir kannten ja die Richtung, aus der der Feind kommt.
Sex war sicher und Motorsport tödlich. Heute ist es genau anders herum.
Ein Tattoo hatte nur jemand, der wirklich ein halbes Jahr in Indien oder Thailand war. Bei uns rannte nicht jede Tippse schnell noch ins "Letzte Tattoo-Studio vor der Autobahn", um sich im Alcopops- Brand chinesische Zeichen auf den Nacken pieksen zu lassen, die wahrscheinlich nichts anderes bedeuten als "Wer das liest ist doof".
Die Rapper kamen noch aus dem echten New Yorker Ghetto und nicht aus der Schweiz.
Zu unserer Zeit fielen Break-Dancer auf den Fussgängerzonen noch hin und wieder richtig auf die Fresse, und Peter Maffay wurde beim Stones-Konzert ordentlich von der Bühne gepfiffen.
Wir hatten noch die Qual der Wahl zwischen Pop, Rock, Metal und Italo-Disco und mussten nicht den wöchentlich ändernden Cross-over-Trends nachjapsen.
Wir hatten noch Plattenspieler(auf 33"und 45") und richtig geile Plattencover, auf denen man die Namen der MUSIKER (und nicht der Programmierer) ohne Lupe erkennen konnte und die tatsächlich Kunst waren - keine tempotaschentuchgroßen, einfarbigen Booklets auf denen gerade noch "nice.price" lesbar ist.
Genau die gleichen Texte, die heute "Rosenstolz", "Juli" und "Silbermond" singen, hörte man jeden Samstag in der ZDF-Hitparade von Bernd Clüver, Christian Anders und Cindy & Bert.
Für uns war eine LP etwas Heiliges, das gepflegt und geliebt werden musste und keine CD-Plastik- Wegwerfware, die so robust ist, dass man sie durchaus auch als Bierglasuntersetzer verwenden kann. Bei uns erkannte jeder sein Eigentum noch an den individuellen Kratzern.
Wir haben kein Big-Brother geschaut, sondern "FormelEins", wo es eine ganze fette Stunde wirklich gute Musikvideos zu sehen gab, wir hatten kein MTV mit degenerierten Klingelton-Werbespots und eingebildeten DJ-Flaschen nötig.
Wir haben uns "Magnum" und "Simon & Simon" reingezogen, haben uns die Sakkoärmel hinauf geschoben und ließen uns die Haare seitlich ins Gesicht fallen – ohne diese beknackten, umgedrehten Baseballmützen oder Wollhauben.
In unseren Hosen konnte man noch sehen, ob eine(r) einen Hintern hatte. Heute hängt der A.rsch ja bei jedem von Euch in der Kniekehle der ach so tollen adidas-Jogginghose (die WIR damals nur im Sportunterricht angezogen haben).
Man konnte erkennen ob jemand "männlich" oder "weiblich" war. Heute verschlabbert alles unter kunstvoll vergammelter Bekleidung. Wir waren stolz auf unsere weißen Socken und trugen Slipper mit einem Pfennigstück in der Schuh-Zunge und keine Plateau-Sohlen-Schuhe, die früher ausschließlich bei Klump-Füßen ärztlich verschrieben wurden.
Und weil ihr gerade im Leistungskurs für Informatik sitzt: die AC/DC-Einritzungen auf den Tischen sind von UNS - und es geschieht Euch nur recht, wenn ihr glaubt, dass die Dinger aus dem Physiksaal kommen, wo irgendein findiger Schüler seinerzeit die Abkürzung für "Gleichstrom/Wechselstrom" in die Bank gemeißelt hat!
Ach ja, hiermit entschuldige ich mich, auch im Namen meiner Altersgenossen, für Modern Talking. Das haben wir wirklich nicht gewollt..